"Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Neues aus Forschung und Wissenschaft zum Thema Transsexualität

"Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Beitragvon seerose » 24. Okt 2018, 21:00

Diese Aussage ist uns allen nur allzu vertraut, und wird von uns auch so vertreten.
Doch was beinhaltet diese zutreffende Aussage eigentlich?
Viele verbinden damit (ausschließlich) die genitale Situation, wobei die heutigen Möglichkeiten der Genital-Angleichung teilweise schon eine spektakuläre Perfektion erreicht haben. Darauf (allein) kann sich die obige Aussage also im Kern wohl nicht bzw. immer weniger beziehen.
Aber gehen wir einmal davon aus, es gelänge, einem Mann das absolut perfekte Genital einer Frau zu verschaffen - wäre das dann die ominöse "Geschlechtsumwandlung", von der im erkennbaren Laienkontext leider nur allzu oft, und immer noch, die Rede ist???

Wir wissen, daß diese "Geschlechtsumwandlung" in einer absoluten Katastrophe für einen Mann enden würde!
Versuchte und vollzogene Suizide bzw. körperliche Rück-Transitionierungen von Regrettern sprechen hierzu eine eindeutige Sprache!
Was Männer insbesondere heutzutage zunehmend aber dennoch dazu bewegen kann, zu transitionieren, und welche Erfahrungen sie dabei machen, davon berichtet ein junger Mann in einer Serie von Videoclips, die sich damit und mit seiner vollzogenen Rück-Transitionierung beschäftigen, wobei der Einstieg in die Serie unter folgendem link aufrufbar ist: https://www.youtube.com/watch?v=OAeVNda8i6U

Ich halte diese Beiträge für wichtig, insbesondere auch für alle, die sich mit dem Gedanken einer Transitionierung beschäftigen. Der junge Mann plädiert für sich als (ehemaliger) Transgender dafür, keinerlei körperliche Maßnahmen, wie HET oder andere Eingriffe vornehmen zu lassen. Es selbst hat insbesondere auch die körperliche Unstimmigkeit durch HET am eigenen Leib erfahren, was ihn dann auch schließlich davon abgehalten hat, weiter zu gehen, in Richtung GaOP, und ihn zu der Erkenntnis brachte, daß er ein Mann mit femininen Zügen ist, der dann aber als MANN auch konsequent die hormonelle Rück-Transition für sich durchgeführt hat.

Unabhängig von seinem persönlichen Fall eines ehemaligen Transgenders wird darüber hinaus auch allgemein klar, was einen Transgender-MANN von einer originär transsexuellen FRAU (prä-operativ) unterscheidet: äußerlich im Regelfall wohl nur wenig, in dieser Phase.
Aber es ist und bleibt der Unterschied zwischen Mann und Frau, der hier fundamental von Bedeutung, und unveränderbar ist!!!
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Re: "Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Beitragvon Frank » 25. Okt 2018, 09:29

Ich möchte hier mal auf die grundlegende Frage eingehen:
Was ist eigentlich "Geschlecht"?

Dies ist gar nicht so Einfach, denn Theorien hierzu gab bzw. gibt es unterschiedliche und bisher war keine davon in der Lage ohne Falsifikation als wirkliche Beschreibung von Geschlecht durch zu kommen.

Welche Theorien gibt/gab es denn eigentlich dazu bisher?
  • Das vorhandene Genital bestimmt das Geschlecht, es ist unveränderlich.
    Hier gibt es verschiedene Aspekte die diese Aussage falsifiziert haben: Intersexualität (negativbeispiel), Transsexualität (originäre wir benennen dies NGS), Cismenschen die ihre Genitalien verloren bzw. denen diese Entfernt werden mussten...
    Beispiel Intersexualität -> je nach Ausprägung kann dies von absolut Uneindeutigen Genitalien, über differenzen in der Geschlechtshormonproduktion, bis zu fast übersehbaren uneindeutigkeiten vorliegen, jedoch ist Allen gemeinsam das sie aufzeigen diese Theorie ist Falsch!
    Beispiel Transsexualität (NGS) -> vermeintlich eindeutige Genitalien, die im Gegensatz zur Intersexualität meist sogar entsprechend funktionieren, werden als nicht zur "body-map" (neuronale Erwartung an die Körperlichkeit, sehr kurzgefasst) passend erlebt, auch hier zeigt sich: die Theorie ist Falsch!
    Diese Theorie ist falsifiziert!
  • Die Genderidentität bestimmt das Geschlecht, es ist Variabel/Fluide.
    Was meint eigentlich "Genderidentität"? was ist "gender"? was ist Identität?
    Ich fange mit dem letzten an: Identität, hier wird es schon schwierig, denn Identität kann unterschiedlich definiert sein, sie kann sich auf "Dinge" oder "Menschen" beziehen, sie kann die "Aussensicht", die "innensicht" oder auch die "mischung aus beiden Sichten" bedeuten.
    Bei der reinen "Aussensicht" wären wir wieder bei der oben schon benannten These: Genitalien = sichtbare Geschlechtszugehörigkeit aufgrund der für Andere sichtbaren.
    Die "Innensicht" als alleinige Sicht ist wesentlich schwieriger, denn vieles was "von aussen kommt" nimmt Einfluß auf das "innere", hier wäre also eine sehr umfassende Reflektion der "von aussen kommenden Aspekte" relevant um eine wirklich klare "Innensicht" zu finden.
    Damit landen wir bei der oberflächlichen und vermeintlichen "Selbstbestimmung" über die vermischte Sicht, welche heute leider zu "der Identität per se" gemacht wurde.
    Nun geht es an den Begriff "gender" und wofür steht er eigentlich? Gender steht für die psychosozialen Aspekte in Bezug zum Geschlecht. Daraus wird schon ersichtlich, das dies nur ein "Teil von Geschlecht" sein kann und ebene genau NICHt das Gesamtpaket welches letztlich "das Geschlecht" ist. Insbesondere die Ebene der Interaktion mit anderen Menschen bildet die Grundlage für diese "Geschlechtsebene".
    Letztlich nun die "Genderidentität" -> hier geht es nur noch um die Ausdrucksweise in Bezug zum sozialen Interaktionsgeschlecht, es geht darum mit welchem "geschlecht" identifiziere ich mich (eigentlich mit welcher Geschlechtsrolle), welchem "Geschlechterbild in der Gesellschaft in der ich lebe fühle ich mich zugehörig?" Dies sind die Aspekte die für diese Begrifflichkeit relevant sind, aber auch hier werden wichtige Aspekte nicht Beachtet, was ist mit den beiden oben beschriebenen Phänomenen? Wo bleibt der Körper bei dieser Theorie? Und vor allem, wie sollte die Reduzierung auf diesen Teilaspekt funktionieren?
    Die Fehler und Mängel dieser Theorie falsifizieren diese ebenfalls, auch wenn diese Falsifikation in allen aktuellen Kontexten verleugnet wird!
  • Bisher nicht als Theorie anerkannt:Geschlecht wird bestimmt aufgrund der Übereinstimmungen der "Body-Map" also der neuronalen Erwartung an die Körpelichkeit (Genitalien/Gonaden, usw.) mit den Tatsächlichen Gegebenheiten. Bei Differenzen -> Intersexualität (möglich), Transsexualität (NGS)
    Dies ist ein Aspekt, der sowohl auf Cisgeschlechtlichkeit, als auch auf Intersexualität und sogar auf Transsexualität-NGS zutreffend ist. Die Genderbezugsebene wird dabei als "nebensächlich" betrachtet.

Wenn wir jetzt den Bezugpunk "Geschlechtsumwandlung" in Bezug zu den drei oben benannten Theorien betrachten, werden wir feststellen, das die jeweilige Sichtweise von Geschlecht dafür Verantwotlich ist das und wie dieser Begriff in Umlauf kam:
  • Wenn Geschlecht ausschließlich von den vorhandenen Genitalien abhängig ist -> dann sind GaOps natürlich ganz klar: "Geschlechtsumwandlungen", denn dabei wird ja das vorhandene Genital gegen das "entgegengesetzte Genital" ausgetauscht.
  • Wenn Geschlecht ausschließlich eine Frage der sozialen interaktionsidentität ist, werden Körperveränderungen als "veraltete Methoden" angesehen und der oben passende Begriff weiter genutzt um dies zu verdeutlichen.
  • Wenn aber das Geschlecht über die neuronale Bezugsebene der "bodymap" definiert wird, dann kann man die GaOp NICHT als "Geschlechtsumwandlung" sehen, denn sie ist ja nur "die Anpassung der Genital-Körperlichkeit an die neuronale Geschlechtsbezugsebene"

Regretment hat ganz sicher auch einen Bezug zu dieser aktuellen Reduzierung auf die Genderbezugsebene des Geschlechts. Obwohl es ganz sicher auch Regretment aus anderen Gründen gibt. Aber diejenigen, welche sich öffentlich äussern haben zumeist genau diese Bezugsebene, gehen aber auch sehr unterschiedlich mit ihren Erfahrungen um.

Liebe Grüße,
Frank
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Re: "Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Beitragvon Hauptmann Toxic » 26. Okt 2018, 12:56

Frank, ich möchte zu dieser Theorie etwas ergänzen. Es ist nicht nur die Erwartung an das Äußere, sondern auch die Erwartung, welches Hormon einem da durch den Körper gejagt wird.

Das ist mir ganz deutlich aufgefallen, weil ich vor kurzem Mastek/Hysto hatte und dazu das Testo absetzen musste. Obwohl die Veränderungen gleich blieben und sich noch 1-2 Barthärchen dazugesellten, fühlte ich mich genauso scheiße wie pre-T. Mit Östrogendominanz im Körper bin ich nicht mehr zurechnungsfähig. Bemerkenswert: Der Östrogenspiegel sinkt, aber weitermachen mit Testo darf ich wegen Heilung noch nicht. Und siehe da - die „Östrogenstimmung“ geht weg. Und zwar nicht nur aus Freude über meine flache Brust. D.h. ich bin sogar stabiler mit fast keinen Sexualhormonen im Körper als damit. Klar, mit Testo ist es nochmal besser ;)

Und da bin ich auch nicht der Einzige - sowohl Männer als auch Frauen berichten von solchen oder ähnlichen Effekten. Manche waren auf dem falschen Hormon depressiv, andere unruhig und chaotisch, wieder andere unkonzentriert und nervös. Kurz gesagt: Männer und Frauen sind wie Diesel und Benziner :D
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Re: "Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Beitragvon Gundi » 31. Okt 2018, 08:19

Hauptmann Toxic hat geschrieben:Es ist nicht nur die Erwartung an das Äußere, sondern auch die Erwartung, welches Hormon einem da durch den Körper gejagt wird.
Das ist mir ganz deutlich aufgefallen, weil ich vor kurzem Mastek/Hysto hatte und dazu das Testo absetzen musste. Obwohl die Veränderungen gleich blieben..., fühlte ich mich genauso scheiße wie pre-T. Mit Östrogendominanz im Körper bin ich nicht mehr zurechnungsfähig. Bemerkenswert: Der Östrogenspiegel sinkt, aber weitermachen mit Testo darf ich wegen Heilung noch nicht. Und siehe da - die „Östrogenstimmung“ geht weg. Und zwar nicht nur aus Freude über meine flache Brust. D.h. ich bin sogar stabiler mit fast keinen Sexualhormonen im Körper als damit. Klar, mit Testo ist es nochmal besser ;)
Und da bin ich auch nicht der Einzige - sowohl Männer als auch Frauen berichten von solchen oder ähnlichen Effekten. Manche waren auf dem falschen Hormon depressiv, andere unruhig und chaotisch, wieder andere unkonzentriert und nervös. Kurz gesagt: Männer und Frauen sind wie Diesel und Benziner :D

Warum gibt es keine systematischen (evidenzbasierten!) Studien über die psycho-somatischen Auswirkungen von Geschlechts-Hormonen?
Jüngst berichtete ein junger Mann, der sich als Transgender fühlt(e), und der sich weibliche Hormone verabreicht hat, in einer Serie von Videoclips, dass er gerne "Frau" geworden wäre. Die fatalen psycho-somatischen Auswirkungen, die die weiblichen Hormone bei ihm ausgelöst hatten, waren für ihn ausgeprägt nachhaltig negativ, und haben ihm klargemacht, dass er Mann ist, und dass er dies auch immer bleiben wird.
Die negativen Reaktionen infolge des Zuführens weiblicher Hormone reichten bei ihm von extrem depressiver Verstimmung bis hin zu massiven suizidalen Schüben. Seit dem Absetzen der weiblichen Hormone (seine De-Transitionierung) kam er gewissermaßen nach und nach wieder "ins Leben zurück"...
Gundi
 

Re: "Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Beitragvon Hera2 » 31. Okt 2018, 10:50

Ist nur die Frage, was das für "weibliche Hormone" waren.

Androcur plus Estradioltabletten?

Mit Estradiolgel, bioidentischem Progesteron und dennoch Testosteron in Höhe des weiblichen Spiegels im Blut hätte es vielleicht eine ganz andere Wirkung gehabt.

Wobei viele es ja schon als wohl und weiblich empfinden, wenn sie die stets drängende männliche Libido los sind und es sich nicht mehr 5 Mal am Tag selbst machen müssen.
Hera2
 

Re: "Geschlechtsumwandlung" unmöglich

Beitragvon Selfmademan » 31. Okt 2018, 15:00

Hm, also ich hab ne voll ausgeprägte männliche Libido, aber fünfmal am Tag? Da fehlt mir die Zeit und die Lust dazu. Zweimal in der Woche ist ganz ok.
V.T. pen phis! Tok narok.
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