Non Binary - was bedeutet es eigentlich?

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Non Binary - was bedeutet es eigentlich?

Beitragvon Frank » 28. Aug 2019, 10:40

Fangen wir am besten auf der Ebene an, die auch Menschen mit Transsexualität (NGS) nachvollziehen können:
wenn die körperlichen Geschlechtsmerkmale, insbesondere die primären, uneindeutig ausgebildet sind, oder aber die primären und sekundären körperlichen Geschlechtsmerkmale gegensätzlich ausgebildet wurden.

Dieser Bereich des "Non Binary" betrifft logischerweise viele Varianten der Intersexualität und als wichtiger Zusatzfaktor kommt noch Hinzu, das sich diese Uneindeutigkeit oder Gegensätzlichkeit trotzdem "richtig Anfühlt".
Oder um eine provokante These auf zu stellen (basierend auf dem was Prof. Milton Diamond schon schrieb) die neuronale Bezugsebene ist stimmig zu dieser Uneindeutigkeit oder Gegensätzlichkeit.
Gerade die Thematik des "Erlebens von Stimmigkeit der verschiedenen körperlichen Geschlechtsaspekte" ist dabei , ebenso wie bei cisgeschlechtlichen Menschen, die Basis.
Wohingegen es bei Transsexualität und eben teilweise auch bei Intersexualität, Menschen gibt die ganz klar die Unstimmigkeit zwischen den vorhandenen körpergeschlechtlichen Merkmalen und dem eigenen (neuronal basiertem) Geschlechtskörperbild erleben. An diesem Punkt stehen dann auch die Überschneidungen von Transsexualität und Intersexualität - wobei eben nicht bei jedem Menschen mit Intersexualität dieses Erleben vorliegen muss, bei Transsexualität (NGS) ist dieses Erleben jedoch die Grundlage des Leidens.

Fazit: Es gibt Menschen mit Intersexualität, deren körperliche Uneindeutigkeit oder Gegengeschlechtlichkeit (primäre/sekundäre Geschlechtsmerkmale) von den davon Betroffenen als "richtig/Stimmig" erlebt werden. Dies wäre die klassische Form der "non Binary" Definition im Bezug zum Geschlecht.

Aber, so ist dieser Begriff nur selten gemeint, meist wird mit "Non Binary" etwas ganz anderes gemeint.
Neben den körperlichen Aspekten des Geschlechtes, gibt es auch noch die sozialen Aspekte - das interaktive Miteinander, meist basierend auf Geschlechtsrollenbildern, auf den gesellschaftlichen Konventionen in Bezug zum geschlechtsspezifischen Verhalten von in Gruppen aufgeteilten Menschen. Wobei es für Menschen "Lebensnotwendig ist alles um sich herum zu Kategorisieren", das sogenannte "Schubladendenken" gehört zu den "Basics der menschlichen Informationsverarbeitungen".
Unsere aktuelle "westliche" Gesellschaft ist aufgrund der numerischen Normativität (die Masse macht es) in die binären Geschlechtertypisierungen "Frau / Mann" aufgeteilt, dies paßt auch zu dem menschlichen Grundbedarf der Fortpflanzung, denn dieser basiert darauf, dass männliches und weibliches nur im Zusammenwirken Nachwuchs hervorbringen kann.
Nach den individuellen Grundbedürfnissen des einzelnen Menschen, ist die Fortpflanzung das erste gemeinsame Grundbedürfniss von Menschen in Zweier- oder Mehrfach- Konstellationen.

Aber warum scheint es dann zu diesem Ablehnen der gesellschaftlichen Konventionen gerade in einem doch so elementaren Bereich zu kommen?
Warum kommt es dazu, dass Menschen sich aufgrund der sozialen konventionellen Geschlechtsrollenbildern dazu entscheiden sich als "bewusst Anders" und ausserhalb dieser Konventionen zu begeben?
Und eine Frage die noch viel Gravierender ist, was bewirkt diese ständig weitergehende Abgrenzung gegenüber diesen geschlechtsbezogenen Konventionen?

Hier komme ich nun zu dem Grund warum dieses Thema im Bereich der "Soziologie" eingestellt wird, es sind die Sozialwissenschaften, die Geschlecht vom "Körperlichen zu Trennen versuchen".
Gender - ein englisches Wort, das auf deutsch übersetzt noch (veränderungen sind dazu im Gange) "soziales Geschlecht" bedeutet. Immer häufiger jedoch wird es als "Geschlecht" übersetzt, was dazu führt dass die körperlichkeit schlicht ignoriert wird.
In diesem Bereich gibt es dann auch Wortschöpfungen, die sich genau auf diesen obigen Aspekt beziehen:
Trans- Gender -> Menschen deren körperlichkeit (bis auf bewusst veränderte Kleinigkeiten) genau entgegengesetzt zu ihrem sozialen Geschlecht sind, dies wird aber von den Betroffenen als "richtig & passend" erlebt.
A-/Non- Gender -> Menschen die gar keinem der beiden binären Geschlechtern angehören wollen, manche versuchen auch ihren körperlichen Aspekte so zu verändern, dass sie darüber keinem Geschlecht zugeordnet werden können.
Bi-Gender -> Menschen die gleichzeitig oder auch wechselnd beiden Geschlechtern zugehörig sein wollen, auch hier können Anpassungswünsche bestehen.
Grundlegend wäre dies alles noch gar kein Problem, wenn nicht gerade diese "soziale Ebene des Geschlechts" plötzlich zu dem eigentlich beide Bereiche umfassenden Begriff "Geschlecht" gemacht würde!

Gebärende Männer (mit weiblicher Körperlichkeit) und zeugende Frauen (mit männlicher Körperlichkeit) werden immer häufiger als "Normalität" (entgegengesetzte numerische Norm) deklariert - aber sie sind es NICHT!
Denn "eineindeutige Männer" können nur zeugend oder gar nicht an der Fortpflanzung teilnehmen und "eineindeutige Frauen" können nur gebärend oder gar nicht an der Fortpflanzung teilnehmen.
Gern wird dann aber die "Würde des Menschen" und das "Selbstbestimmungsrecht" ins Spiel gebracht, doch seien wir mal ehrlich, wie kann das "Selbstbestimmungsrecht von wenigen" über das "Selbstbestimmungsrecht von vielen" gesetzt werden?

Ironischerweise geht das ganze aber schon sehr viel weiter, denn mittlerweile wird der Begriff "Nonbinär" im Bezug zum Geschlecht auch noch für etwas ganz Anderes genutzt...
Männer mit weiblichen Eigenschaften und Frauen mit männlcihen Eigenschaften - also letztlich die numerische Norm (die Masse macht es!) wird zu "Nonbinär" umdefiniert!
Menschen, die sich selbst als "eineindeutig Frau" oder "eineindeutig Mann" erleben, sollen sich nur wegen weniger vermeintlich "Gegengeschlechtlicher Eigenschaften" als "Nonbinär" sehen.
An diesem Punkt, sind nun also auch "cisgeschlechtliche Menschen" plötzlich nicht mehr das was sie eigentlich sind, sondern werden zu etwas gemacht, dass im Elfenbeinturm der Sozialwissenschaften als These in den Raum geworfen wurde.

Hier zeigt sich die Nachwirkung der längst falsifizierten These von John Money....."Geschlecht ist ein rein soziales Konstrukt"!
Dieser These jedoch muss jeder logisch begabte Mensch entgegenhalten: "Geschlecht ist immer körperlich und sozial!"

Das wirklich Fatale an dem ganzenThema der "non Binary" Thematik ist jedoch, dass diese einfach zu gut in die neoliberalistische Politik paßt. Weshalb auch die Genderforschung immer mehr in die "Auflösung der Geschlechtlichkeit" gefördert wird, statt sich um die ursprünglichen Fragen der "Gleichstellung der Geschlechter" zu kümmern.
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