Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

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Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon Lotty » 18. Apr 2016, 12:20

Gestern, bei unserem SHG-Treffen, hat sich mal weder gezeigt wie willkürlich und zufällig der rechtliche, medizinische und soziale Umgang mit transsexuellen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Menschen ist. Es ist absolut unhaltbar und es ist die Forderung zu stellen das dieser Missstand schnellsten behoben wird.

Dürfen die einen Kinder in ihrem Geschlecht zur Schule, Lehrer und Schulleitung steht dahinter, das Geschlecht wird akzeptiert. So ist es bei anderen genau entgegengesetzt. Mobbing und Ausgrenzung wird von der Schule toleriert und das Geschlechtswissen der Kinder wird verleugnet.

Stellen die einen einen Antrag auf Änderung des Vornamens und rechtlichen Geschlechtseintrages und das Verfahren ist innerhalb eines halbem Jahres abgeschlossen, dauert es bei den anderen bereits so lange bis sie die erste Nachricht vom Gericht bekommen. Danach kommen dann noch die Gutachten und es dauert ewig. Auch die Kosten der Gutachter sind derart unterschiedlich und unberechenbar. Es geht von 1500 Euro bis 5000 Euro.

Bekommen die einen Ihr Gutachten für die rechtlichen Schritte ohne sonderliche Probleme, auch die Indikationen für Hormone und medizinische Maßnahmen werden unproblematisch erstellt. So machen andere Therapeut/Gutachter größte Probleme. Mehrere Besuche, vollkommenes Entkleiden und Begutachtung anhand der Kleidung sind keine Seltenheit. Auch wird von so manchem versucht die Transsexualität weg zu therapieren, was nachweislich nicht geht. Die Indikationen für medizinische Maßnahmen werden nur sehr zögerlich erstellt. Der transsexuelle Mensch wird teils Jahre hin gehalten.

Bei den Krankenkassen das gleiche, je nach Sachbearbeiter geht es schnell und unbürokratische oder es wird Schikaniert was geht. Manchmal wird es sogar bis zur Gerichtsverhandlung heraus gezögert.

Mit Ärzten ist es auch eine Glücksfrage. Bei der genitalangleichende Operation kommt es auf den Chirurgen an, es gibt Fälle die wirklich erschreckend sind. Hormontherapie ist auch so eine Sache. Verlässliche Informationen liegen nicht vor. Manche Endokrinologen geben sich mühe und gehen auf den Patienten ein. Sie richten ihr Augenmerk auf die Verweiblichung/Vermännlichung. Anderen genügt es die falschen Hormone zu unterdrücken und sie ignorieren die Wünsche des Patienten.

Es ist ohnehin eine äußerst belastende Situation mit falschen geschlechtlichen Körpermerkmalen und im falschem Geschlecht zu leben. Wenn dann noch diese Belastung durch die Verweigerungshaltung dazu kommt, kann dies extreme gesundheitliche Folgen haben. Es ist an der Zeit hier Änderungen herbei zu führen. Es geht bei Transsexualität nicht um Lebensweisen oder um ein Leben im anderem Geschlecht. Es ist kein Spaß, es geht um das eigene Geschlecht, um die Anerkennung des eigenen Geschlechts. Es geht um die Existenz der Betroffenen. Nicht wenige haben sich dem Druck, im falschem Geschlecht zu leben, durch Suizid entzogen.
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon tilly » 18. Apr 2016, 16:45

Lotty,

Ich kann deine Aussagen nur voll und ganz unterschreiben!

Es ist leider wirklich viel Zufall dabei, wo man wie behandelt und akzeptiert wird. Und je mehr Betroffene man kennt umso abstrusere Geschichten kommen zu Tage, die oft mit Menschenwürde absolut nichts zu tun haben.
So habe ich die Hoffnung, dass wir im :vtsm-klein: mal einen Anwalt bekommen, der ein fundierte Rechtsberatung leisten kann.

Und wie hoch die tatsächliche Suizid Rate ist lässt sich in keiner Statistik finden, zudem würde die nie den Anteil derer berücksichtigen können, die sich nie outeten. Oder ihr Leben statt dessen mit Alkohol und Drogen bekämpften.

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon weißetapete » 18. Apr 2016, 17:33

"Sobald einem Menschen Entscheidungsgewalt über das Leben eines anderen Menschen gegeben wird, zeigt es sich ob er wirklich ein Mensch ist oder einfach nur ein Arschloch." Gedanken von mir zu Ärzten, Beamte (Polizei, Lehrer), Verwaltungsbeamte und Politikern.
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon Vanessa » 18. Apr 2016, 18:15

Ich bin auch unglaublich froh, hier in Osnabrück so gute Leute in allen Bereichen gefunden zu haben, die einem wirklich keine Steine in den Weg legen. Aber offenbar haben nicht alle so ein Glück. Was man so hört, ist teilweise echt erschreckend. Solange klare gesetzliche Vorgaben in den meisten Bereichen fehlen, glauben die Leute wohl auch, dass sie das Thema nicht ernst nehmen brauchen, da es ja nicht geregelt ist und man daher nach Gusto darauf reagieren kann. Es fehlt sozusagen die gesetzliche Lobby für diese Gruppe. Ohne ein verbrieftes Recht bei Betroffenen keine verbriefte Pflicht bei Ämtern, Schulen, usw. Es müsste z.B. eine klare Aufklärung über die Thematik geben, sodass z.B. Lehrer gleich Bescheid wissen, mit was sie es zu tun haben und dass es ernst zu nehmen ist. Gesetze müssten klare Vorgaben liefern, wie lange jemand z.B. bei Anträgen warten darf. Hormontherapie müsste für Behandler verbindlich auf einem aktuellen medizinischen Stand sein. Dann ließen sich diese Dinge auch bei Bedarf einklagen mit einer hohen Chance auf Erfolg aufgrund einer klaren Rechtslage. Das TSG spannt zwar einen rechtlichen Rahmen zum Vollzug der Transition auf, ist dabei aber mehr von Hürden als von Rechten für Betroffene gekennzeichnet.
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon spirulina » 18. Apr 2016, 21:53

Also ganz so schlecht wie dargestellt ist es doch nicht,ich habe bis dato noch niemand kennengelernt,der wegen TS zum Suicid gegriffen hätte,allerdings waren dabei einige Betroffene,die mit Hilfe eines Suicidversuchs die Behandler nötigen wollten und so ihren Willen durchzusetzen versuchten.
Ganz klar gibt es wie bei Allem einen gewissen Kolateralschaden ,man kann einfach nicht Allen gerechtwerden.
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon Waldfee » 22. Apr 2016, 09:35

spirulina hat geschrieben:Also ganz so schlecht wie dargestellt ist es doch nicht,ich habe bis dato noch niemand kennengelernt,der wegen TS zum Suicid gegriffen hätte,allerdings waren dabei einige Betroffene,die mit Hilfe eines Suicidversuchs die Behandler nötigen wollten und so ihren Willen durchzusetzen versuchten.
Ganz klar gibt es wie bei Allem einen gewissen Kolateralschaden ,man kann einfach nicht Allen gerechtwerden.

Dem kann ich nur zustimmen.
Sachlich betrachtet geht Willkür und Unberechenbarkeit sehr häüfig ebenso von den Betroffenen aus. Dies ist gut bei älteren Semestern und sehr gut bei Mehrfach-Betroffenen zu erkennen. Viele Jahre, oft Jahrzehnte lang, lebten sie in der männlichen Situation und nun muss plötzlich alles sofort und nach ihrer Vorstellung passieren ..... weil man nun plötzlich seine TS-Betroffenheit überzeugend glaubt erkannt zu haben. Dass dies nicht geht und gleichwohl nicht förderlich für die Betroffenen selbst ist, sollte hier klar sein. Ebenso klar sollte jeder betroffenen Person sein, dass die vorgesehenen Anlaufstellen (diverse Ärzte, Psychos, KK, Gericht, etc.) nicht nur diese eine Person im Wartezimmer sitzen hat - - you are not alone, my dear!
Als passend empfinde ich in solchen Fällen das Sprichwort: Wie man in den Wald schreit, so schallt es zurück. Daneben könnte man durchaus die Henne-Ei-Frage stellen, was zuerst war.

Die Gründe der enormen Kostenspanne (uneinheitliche Preise) liegen m.W.n. in der dezentralisierten Berechnungspraxis, die weder neu ist, noch nicht nur für den Bereich des TSG üblich ist.

Gute Ärzte und Psychologen sind ebenfalls wie gute Handwerker eine rare Spezies und dementsprechend schwerer zu finden wie grottenschlechte. Und auch dies betrifft, wie bereits angedeutet, nicht nur den Bereich TS.

Das Leben zeigt immer wieder, dass man einfach besser durch das Leben kommt, wenn man selbst gut informiert ist. Je besser man informiert ist, umso besser kann man der Willkür und Unberechenbarkeit von außen begegnen. In die Opferhaltung gerät man oft nur, durch eigene Unfähigkeit bzw. eigene Ohnmacht. Die Folgen davon dann anderen zu zuweisen, ist bekanntlich immer angesagter, als zuerst einmal die eigenen Unzulänglichkeiten bzw. die eigenen Defizite zu betrachten.

Kurz: Jede Münze hat zwei Seiten, die es zu beachten gilt. Das gilt auch für die eingangs und folgend angesprochenen, beklagten Situationen, meiner Meinung nach.

Soweit meine Gedanken dazu
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon spirulina » 22. Apr 2016, 12:49

Ich habe immer wieder Schwierigkeiten ,Transsexuelle so ganz voll zu nehmen ! Die sind doch ein wenig verdreht im Kopf !
Welcher Mensch läßt sich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte schon ein völlig gesundes Körperteil wegschneiden ! Da muß man schon eines an der Klatsche haben,so ganz normal oder Normvariante kann das nicht sein.
Wenn da ein Patient zur Tür herein kommt,mit dem Wunsch,man solle ihm ein Bein amputieren,er fühle sich dann besser,dann überweist man den erstmal in die Klapse.
Aber es soll ja auch Menschen geben,die aussehen wollen wie Barbie oder Michael Jackson und sie tun alles dieses Ziel zu erreichen. Mit der Schönheitschirurgie ist das nix Anderes. Da streben auch viele nach Veränderung um irgendwelche fiktiven Schönheitsmerkmale zu erreichen -und das Ganze muß man jetzt nicht verstehen.
Man muß wohl großzügig denken - jedem Tierle sein Plaisierle! Aber daraus folgt aber auch,daß diese ganzen Behandlungen keinen Krankheitswert haben .
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon Vivian » 22. Apr 2016, 13:38

Hallöle,

Ach Spirulein ich lasse mir nix wegschneiden. Ich tausche nur!!!! Das ist echt ein Unterschied.*fg

Aber mal zum Thema. Ich bin mit meiner Krankenkasse BARMER GEK zufrieden. Meine Sachbearbeiterin kennt sich mit dem Thema Transsexualität aus, was auch nicht immer der Fall sein soll. Bisher habe ich alles bekommen was ich brauchte und meine Begleittherapheutin ist nicht Kassenzugelassen.

Von diesen ganzen Betroffenheitsforderungen halte ich nichts. Ach du armer Transsexueller. Wozu?

Ich bin ja nicht krank, ich habe mich ja nur versteckt und nun beschlossen das es langsam gut ist mit dem verstecken. Ist ja auf die Dauer auch etwas einsam.

Gruß Vivian
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon tilly » 22. Apr 2016, 15:29

Nun ja,

Natürlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.
Aber wir haben wirklich nicht alles selbst in der Hand.
Ob zum Beispiel ein Sachbearbeiter bei der Krankenkasse Ahnung hat oder nicht bleibt Zufall.
Ob der eigene Körper gut mit OP´s und Hormonen klar kommt, hat man selbst auch nur sehr bedingt in der Hand.
Wie das eigene Umfeld und die berufliche Situation aussieht, da kann man einiges tun, aber wie es letztendlich wird, das ist nicht alles abzusehen.

In diesem Sinne halte ich es für sehr Oberflächlich einfach zu sagen: "Pech gehabt, selbst schuld"

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Willkür und Unberechenbarkeit bei Transsexualität.

Beitragvon seerose » 22. Apr 2016, 16:19

spirulina hat geschrieben:Ich habe immer wieder Schwierigkeiten ,Transsexuelle so ganz voll zu nehmen ! Die sind doch ein wenig verdreht im Kopf !
Welcher Mensch läßt sich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte schon ein völlig gesundes Körperteil wegschneiden ! Da muß man schon eines an der Klatsche haben,so ganz normal oder Normvariante kann das nicht sein.
Wenn da ein Patient zur Tür herein kommt,mit dem Wunsch,man solle ihm ein Bein amputieren,er fühle sich dann besser,dann überweist man den erstmal in die Klapse.
Aber es soll ja auch Menschen geben,die aussehen wollen wie Barbie oder Michael Jackson und sie tun alles dieses Ziel zu erreichen. Mit der Schönheitschirurgie ist das nix Anderes. Da streben auch viele nach Veränderung um irgendwelche fiktiven Schönheitsmerkmale zu erreichen -und das Ganze muß man jetzt nicht verstehen.
Man muß wohl großzügig denken - jedem Tierle sein Plaisierle! Aber daraus folgt aber auch,daß diese ganzen Behandlungen keinen Krankheitswert haben .

In diesem Forenthema ging es zunächst einmal um die Willkürlichkeit, mit denen mit unserer Thematik einbezogene "Anlaufstellen" (Krankenkassen, Ärzte, Schwestern, Pfleger, Gerichtspersonal, etc.) anscheinend immer noch oder aber bereits agieren (können). Wen das Faktum dieser Willkürlichkeit "kalt" käßt, der ist mir erst einmal als Mensch äußerst suspekt!!!
Die ansonsten verwendeten wüsten Pöbeleien sind so indiskutabel, daß ich mir diesen Trans*Schuh nicht anziehe! Da habe ich nicht nur "eine andere Schuhgröße", sondern da gibt es vielmehr einen Graben zwischen Männern und Frauen. Jede(r) kann nur für sich selbst beantworten, wo "er" oder "sie" hingehört...
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