Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweisung!

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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon Vanessa » 4. Mär 2016, 07:52

Ich gebe tilly da Recht. sexus steht für körperliches Geschlecht. Bei "normalen" Intersexuellen geht es um eine Uneindeutigkeit, die insgesamt lokal recht begrenzt ist, die primären Geschlechtsorgane. Bei Neurointersexuellen ist der Diskrepanzbereich dann etwas anders, da er sich auf Gehirn(geschlecht) und primäre Geschlechtsorgane bezieht. In beiden Fällen befindet sich innerhalb des gesamten Körpers eine Uneindeutigkeit. Beide Gruppen lassen sich daher als intersexuell bezogen auf ihren Gesamtzustand bezeichnen.

Rosi, was du konsequent verweigerst, ist den ganzen Körper des Menschen zu berücksichtigen, bzw. du verweigerst dich davor, dem Körper unabhängig vom Gehirn ein Geschlecht zuzuweisen, weil das für dich veraltete Sichtweisen sind, die aus einer Zeit stammen, in der man ein Gehirngeschlecht noch nicht kannte oder nicht anerkannt hat. Aber dennoch hat ein Körpergeschlecht doch Hand und Fuß! Wenn man männliche und weibliche Exemplare miteinander vergleicht, dann kommt man (auch im Tierreich) eben genau auf diese Merkmale wie Chromosomen und primäre Geschlechtsorgane, die den Unterschied ausmachen. Ich sehe in der Aufgabe dieser Sichtweise eher lediglich den Wunsch, den Menschen, die uns möglicherweise basierend auf einem Gehirngeschlecht nicht akzeptieren, den Hebel dazu wegzunehmen. Aber so etwas darf in meinen Augen niemals über einer objektiven Betrachtung stehen, wenn es darum geht, andere Menschen zu überzeugen und zu versuchen, diese Sichtweise allgemein zu etablieren. Du glaubst, ich würde mir mit dieser Sichtweise ins eigene Fleisch schneiden? Nun, die Dinge sind wie sie sind. Was wir Menschen daraus machen, steht auf einem anderen Blatt. Ich empfinde deine Sichtweise als höchst künstlich und zielgerichtet.
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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon Lotty » 4. Mär 2016, 10:34

Gerne gehe ich an solche Begriffe wie "Neuro-Genitale intersexualität" analytisch heran. Also zerlefge ich den Bezeichnung erst einmal:


  • Neuro: steht für das Nervensystem des Menschen (nicht nur für das Gehirn) das ist für mich soweit richtig da ich nicht unbedingt davon ausgehe das das Geschlechtswissen tatsächlich im Gehirn angesiedelt ist.
  • Genital: Hier gibt es zwei Gesichtspunkte. Zum einen weicht natürlich nicht nur das Genital ab, es ist schon ein wenig mehr. Ebenso abweichend ist so zielmlich der ganze Rest des Körpers, bedingt durch die Geschlechtshormone. Zum anderen sind es die Gonaden die wärend der Embryogenese falsch ausgebildet wurden, der Rest resultiert dann daraus.
  • Inter: dieses Präfix steht für dazwischen und wenn ich mir so überlege wo die "Neurointersexualität" her kommt, dann habe ich so meine Bedenken. Denn dieser Begriff stammt aus der Hirnforschung und besagt nichts weiter als das wir angeblich 7 Mrd Geschlechter haben. Leider wird da aber Geschlecht mit Persönlichkeit verwechselt.
  • Sexualität: Tja, wenn schon ein neuer Begriff dann sollte man den etwas eindeutiger wählen, den Sexualität kann doch leicht mit der Sexualität (Vermehrung) verwechslet werden, wer kann schon latein. Man sollte dort sexualis verwenden, das wäre etwas eindeutiger. Aber, wofür steht sexualis? Hiermit ist Geschlecht im ursprünglichem Sinn gemeint als im Sinne der Vermehrung. Hat also auch etwas mit dem Genital zu tun.

  • Neuro-Genital würde ich demnach als genitales Nervensystem verstehen und Intersexualität als uneindeutiges Geschlecht im Sinne der Fortpflanzung, wie wir das ja auch von der Intersexualität her kennen. Also handelt es sich dann um eine "Uneindeutigkeit des genitalen Nervensystems"? Irgendwas zwischen den Geschlechtern, nicht Mann, nicht Frau?.


Um dann aber mal eine Bogen zum eigentlichem Thema zu ziehen. Wir hätten schon wieder einen Begriff mehr. Denn eins ist klar. Niemals würde dieser neue Begriff den Begriff Transsexualität oder welchen auch immer ablösen. Dann mal die leicht ironische Frage, ist das dann Trans* oder Inter*, denn irgend eines dieser Sternchen würde den Begriff dann doch auch wieder annektieren.

Besser geeignet und nicht doppelt gemoppelt wäre da dann Neurogenital-Inkongruenz, eine "fehlende Übereinstimmung des Nervensystems und der Genitalien". Aber bitte, lasst uns bei der Transsexualität bleiben.

Frau mit neurogenitalem inkongruentem Hintergrund - mich schüttelt's. #-o

Liebe Grüße
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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon Mirjam » 4. Mär 2016, 11:07

Hallo,

also mir reicht der Begriff „Transsexualität“, ich muss mir nicht ständig einen neuen Begriff ans Bein binden, nur weil sich irgendjemand das Einbildet.

Ein neuer Begriff löst nicht unsere Probleme.

Wichtiger erscheint mir, dass unsere Forderungen für eine Einteilung und Anerkennung, als angeborene Erkrankung (wie jede andere Krankheit auch) mit einem niedrigschwelligen Zugang zu den bestmöglichsten somatischen Behandlungen erfolgt, ohne neue Psychopathologisierung. Eine Verquickung mit Intersexualität lehne ich ab, da ist Ärger mit den Intersexuellen vorprogrammiert.

Wir kümmern uns nur um „Transsexualität“, die anderen gehen uns nichts an.

Gerade in diesem Jahr werden die Weichen neu gestellt, neue Studien die einer Gegenargumentation standhalten gibt es nicht. Wer was ändern will, sollte schon ein schlüssiges Konzept vorlegen können. Wer das hat, nur zu, überzeugt mich damit.


Liebe Grüße und knuddl :umarm:

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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon Vanessa » 4. Mär 2016, 13:01

So wie ich es sehe, könnte man alles perfekt so beschreiben:

  • Körper bilden sich geschlechtlich genbasiert heraus
  • normalerweise werden dabei Gehirnstrukturen geschaffen, die mit dem restlichen Körper harmonieren
  • in seltenen Fällen kommt es hingegen zu einer Inkongruenz, bei der Gehirn und restlicher Körper unterschiedlichen Geschlechtern entsprechen (z.B. Körpergeschlecht Mann, Gehirngeschlecht Frau)
  • da im Gehirn Fühlen, Denken und Handeln beheimatet sind und spezifische Geschlechtsbedürfnisse und -eigenschaften vorhanden sind, die den Menschen maßgeblich ausmachen, ist es notwendig, dass der Körper und ggf. die soziale Rolle eines betroffenen Menschen an das Gehirngeschlecht bestmöglich angepasst (dem anderen Körpergeschlecht bzw. dem eigenen Gehirngeschlecht angeglichen) wird, sodass eine Kongruenz hergestellt wird, wie sie bei nicht betroffenen Menschen üblich ist

That's it. So beschreibe ich das ganze Thema möglichst wertungsneutral und ohne politische oder persönliche Färbung. Da gibt es kein "richtig" und "falsch", kein "gut" und "schlecht" und kein "gesund" und "krank".

---Schnitt---

Über Begriffe lässt sich dann wieder streiten. Ich finde das, was hinter Neurointersexualität steht, also die gezielte naturwissenschaftliche Forschung, die das Phänomen als das was es tatsächlich ist, erforschen und erklären will, sehr gut und wichtig. Ich sehe darin auch einen ganz wichtigen Schritt zu einer Entpathologisierung (vor allem im psychologischen Sinne einer geistigen Störung mit wertenden Bezeichnungen wie "irre", "verrückt", "ab in die Klapse"), denn wie ich bereits andernorts schrieb kann man eine weibliche Hirnprägung in einem ansonsten männlich ausgebildeten Körper wohl kaum als pathologisch bezeichnen, es sei denn man möchte damit allgemein Frauen pathologisieren. Man könnte die Inkongruenz als solche pathologisch werten, aber es wäre darin weder ein körperliches noch geistiges Defizit zu sehen. Es kommt einfach nur darauf an, dass man das ganz deutlich klar stellt und dass man außerdem die Notwendigkeit der Angleichung, die sich ja daraus absolut logisch ergibt, betont. Dann werden auch Krankenkassen weiterhin ihre Leistungen erbringen müssen. Etwaige Ängste bezüglich gesellschaftlicher, rechtlicher oder politischer Auswirkungen halte ich daher für gänzlich unbegründet.

Ich sehe vielmehr klare Vorteile in diesem neuen Begriff Neurointersexualität, weil u.a. das gesellschaftlich schon stark belastete "trans" für Leute wie uns verschwinden würde, und damit auch Begriffe wie "Transe" oder im englischen "Tranny" keine Anwendbarkeit mehr finden könnten bei betroffenen Menschen. Dann könnten die Leute ihre "Transen" weiterhin in Pornos anschauen, wenn sie eigentlich sog. Shemales oder Ladyboys meinen, bei denen die zur Schau gestellte Inkongruenz im Vordergrund steht. Zu den tatsächlich transsexuell betroffenen Leuten hätte das dann keinen Bezug mehr und ich glaube, dass es diesen in der heutigen Zeit auch nicht mehr bekäme, vor allem wenn fein säuberlich darauf geachtet wird, den Begriff Neurointersexualität scharf abzugrenzen von z.B. Transvestiten und Fetischisten, und damit auch ein gesellschaftliches Bild in der Gesellschaft von ganz normalen Bürgerinnen und Bürgern etabliert. Wir brauchen insofern vielleicht auch einfach einen neuen Namen. Und letztlich sucht man sich diese Begriffe auch nicht einfach beliebig aus in der Wissenschaft. Das ist vielleicht die ganz große Chance, Transsexuelle zu rehabilitieren und das ihnen anhaftende Schmuddelige loszuwerden. Und was "wir haben doch schon einen Begriff" generell angeht, warum sollte man keinen neuen Begriff akzeptieren, wenn dieser dem neueren Stand des Wissens entspricht? Bloß weil in den 1930er-Jahren jemand einen Begriff geprägt hat? Das erinnert mich etwas an "in der Bibel steht aber". Alte Zöpfe abschneiden, neues Wissen erlangen und sich dabei niemals der Vergangenheit ergeben. Es zählt immer das hier und heute und das ist anders als gestern.
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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon tilly » 4. Mär 2016, 13:30

Danke Vanessa.

Du hast es einfach und präzise zusammengefasst.
Und genau das ist sehr entscheidend um wirklich verstanden zu werden.

Es ist doch wie in der Physik, E=M.c² sieht ganz einfach und schön aus.
Und was da alles dahinter steckt ist schon fast Wahnsinn!

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon Mirjam » 4. Mär 2016, 15:00

Hallo,

außer dem Namen ist da nichts Neues, alles schon 19 Jahre alt. Das bringt mich nicht zum Halleluja singen und Frohlocken. Letztendlich fehlt auch hier der unumstößliche Beweis.

Ich habe kein Problem damit als Krank zu gelten, musste ich mich doch schon als Geschlechtsidentitätsgestörter Mann outen um behandelt zu werden.


Der erste Schritt sollte die Abschaffung der Psychopathologisierung sein.

Durch die Einstufung als angeborene körperliche Krankheit wird das biologistische Paradigma der Übereinstimmung von Sex und Gender beibehalten.

Die Verschiebung in den Bereich der angeborenen körperlichen Krankheit behält die Logik des medizinischen Modells bei, dass von einem Prozess der Geschlechtsanpassung ausgeht, in dem die Betroffenen Menschen irgendwann mal nicht mehr Transsexuell sind, also körperlich an das eigene Geschlecht angepasst.

Mehr schreibe ich hier nicht mehr, hab besseres zu tun als mich wegen Begriffe noch zu streiten.


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Re: Begriffe, Begriffe, Begriffe und immer diese Fremdzuweis

Beitragvon Rosi » 4. Mär 2016, 15:22

Vanessa hat geschrieben:..... Nun, die Dinge sind wie sie sind. Was wir Menschen daraus machen, steht auf einem anderen Blatt. Ich empfinde deine Sichtweise als höchst künstlich und zielgerichtet.

Ihr verwechselt da einfach "Geschlecht" mit "Körpermerkmalen" oder von mir aus auch mit "geschlechtlichen Körpermerkmalen"
(vielleicht hilft Euch der Begriff "Geschlechts-Indizien" weiter)

... ganz einfach, unkünstlich und auf jeden Fall zielgerichtet ;-)


Auch nochmal kurz zur "Inkongruenz":
Damit wird nicht ausgesagt, dass etwas falsch oder richtig ist, sondern lediglich, dass es gegen das eigene
Empfinden ist. Egal worauf das beruht - z.B. Krankheit, Wahrnehmungs-Störung o.ä.

Wenn ich Töten liebe, aber aus irgendeinem Grund nicht töten darf, lebe ich inkongruent - ein Begriff aus
der Psychiatrie.
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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