Es wird Zeit für mehr Rock´n Roll

Meldungen und Meinungen die sonst nirgends rein passen.

Es wird Zeit für mehr Rock´n Roll

Beitragvon Rosi » 8. Dez 2015, 21:43

Vor Kurzem fand in NRW Pilot-Vernetzungstreffen statt. Die Frage war, wie kann man in NRW besser
zusammenarbeiten und mehr erreichen.

Aktueller Arbeitstitel ist "Landesarbeitsgemeinschaft Trans*" oder kurz "LAG Trans*" - es gibt in NRW
weitere solche Landesarbeitsgemeinschaften, wie die LAG Lesben, die LAG Selbsthilfe etc.

Ein Zitat dazu von Nicole Faerber (dgti u.ä.):
Ich bin völlig begeistert, dass sich nun auch in NRW etwas tut! Das Wochenende war getragen von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt, auch gegenüber anderen Meinungen und Ansichten. Streit um Begriffe und Definitionen kam nicht auf, denn alle waren sich einige, dass wir darüber niemals Konsens erreichen würden, dieser aber auch für unsere gemeinsame Arbeit gar nicht nötig ist - es gibt sehr viel mehr Gemeinsames an dem wir arbeiten können, als Unterschiede und am Ende wollen wir praktisch alles sowieso das gleiche.


Ich bin mir inzwischen gar nicht mehr sicher, ob ich hier nur noch einfache Ignoranz unterstellen soll,
dass hier schon wieder eine "Vereinigung" unter dieser "Trans*" Bezeichnung gegründet wurde.

"Trans*" prügelt ja transsexuelle Menschen geradezu dahin, sich immer vehementer gegen "Trans*" zu stellen.

Ich denke mittlerweile, dass die Menschen, die zur Zeit glauben in dieser Form das Zepter in die Hand
genommen zu haben und es nicht mehr hergeben möchten, gar keine Lust haben andere Wahrheiten der
Vielfalt, außer der ihrigen, gelten zu lassen.

Da können einem wirklich Gefühle hochkochen, die man gar nicht mag ....

... alt nächstes, schießt "Trans*" dann den Vogel mit "transgeschlechtlich" und "Transgeschlechtlichkeit" ab.
Dann habt "ihr" "Trans*" "Euch" komplett als "Genitalverehrer" und "Geschlechtswechsler" enttarnt.

Das Alles hat mit "großer Politik" nichts mehr zu tun!

"Trans*" macht unsichtbar, auch wenn ständig behauptet wird, das damit nicht unsichtbar gemacht werden soll.

Sichtbar macht dagegen, wenn man die Dinge benennt, die diese Vielfallt darstellen sollen - und nicht erst im
Beipackzettel (Wald, sagt auch nichts über die Vielfalt der Bäume darin aus. Selbst Mischwald, Laubwald oder
Nadelwald nennt nicht die Vielfalt an Bäumen, wurde aber erforderlich, um die unterschiedlichen Phänomene der
Blattstrukturen sichtbar zu machen ...).

1.
Es gibt Transidentitäten und es gibt transgeschlechtliche Lebensweisen. Es gibt die Menschen die sich zwischen
den Geschlechter stehend mitteilen. Es gibt die Menschen, die Geschlechterrollen komplett aufbrechen möchten.
Diese Menschen sind in der Deutung mittlerweile unter Transgender - oder wie man heute sagt: Unter Trans*
zusammengefasst. Das ist gut und in Ordnung.

2.
Es gibt aber auch transsexuelle Menschen, die mit ihrem eindeutigen Geschlecht leben, eben halt mit körperlichen
gegengeschlechtlichen Merkmalen. Diese Menschen stehen nicht zwischen den Geschlechtern. Diese Menschen
möchten die Geschlechterrollen nicht komplett aufbrechen. Diese Menschen leben nicht "transgeschlechtlich". Diese
Menschen identifizieren sich nicht mit einer Geschlechterrolle oder über eine solche. Auch das ist gut und sollte
eigentlich in Ordnung sein.

Diese unterschiedlichen Phänomene (1. und 2.) lassen sich nicht unter einem Begriff vereinen, der dann den Anspruch
haben soll, Vielfalt darzustellen. Diesem Anspruch der Vielfalt wird nur gerecht, wenn neben "Trans*" (1) auch
"Transsexualität" (2) genannt wird.

Ganz einfach - und zum 1001 Mal

Wenn man sich die Situation einmal ganz trocken anschaut, sind "wir" es, die sagen es gibt die Vielfalt und man muss
sie benennen, "ihr Trans*" dagegen sagt es gibt Vielfalt, aber man muss sie nicht benennen. Da darf man sich nun schon fragen,
wer denn hier GEGEN Vielfalt arbeitet. Doch ganz sicher wohl die, die Vielfalt nicht benennen lassen möchten, obwohl sie
so eingefordert wurde und dazu klar kritisiert wird, das "ihr Trans*" durch diese Ausblendung, Wahrheiten von Menschen unsichtbar
macht. Das hat Alles schon so bei "Transgender" nicht funktioniert und funktioniert durch den Tausch in Trans* ebenso nicht.

Lasst transsexuelle Menschen einfach gelten und versucht nicht, wie ich in der neusten Wortkreation mit "trans*sexuell"
nun erfahren musste, hier etwas passend zu machen, was nur augenscheinlich passt.

Mir geht es eigentlich gar nicht darum, irgendwelchen Vertretungsbedürfnissen gerecht werden zu wollen oder diese von
jemandem anerkannt zu bekommen - das machen wir ja schon prima ganz alleine. Es geht mir um eine friedliche Co-Existenz
der verschiedenen Phänomene, ohne ständig gegen diese Vereinnahmungsversuche von Trans* angehen zu müssen (Weil
Trans* nicht für transsexuelle Menschen spricht - Nein!).

Bitte verkennt auch nicht, dass es nicht um eine Begriffsdefinition geht und auch nicht darum, das transsexuelle Menschen
über einen Sammelbegriff nicht einfach nur nicht genannt werden.

Unsichtbar wird man im Grunde dann, wenn die Existenz der Hintergründe, Motivationen und Wahrheiten nicht mehr auf dem
Schirm der Menschen ist. Und genau das passiert über den Weg Trans*. Eben weil darunter nur geschlechtliche Identitäten im
Bezug zum biologischen Geschlecht gesehen werden. Eine feste Wahrheit des Geschlechts neben irgendwelchen körperlichen
Merkmalen kommt aber in dieser Verständniswelt nicht vor.

Menschen, die sich zwischen den Geschlechtern stehend erklären, haben da genau so wenig mit transsexuellen Menschen zu tun,
wie Menschen ohne ein geschlechtliches Thema. Lediglich eine von außen betrachtete Perspektive lässt augenscheinlich eine
Zusammengehörigkeit vermuten. In den Verständniswelten dagegen gibt es keine Gemeinsamkeiten mehr. Und Menschen
erklären sich immer von sich selbst heraus und niemals von außen. Das würde lediglich eine oberflächliche Beschreibung zulassen.

Dieses Unverständnis wird ja auch immer wieder durch die haarsträubenden Aussagen deutlich, in die transsexuelle Menschen
in Bezug zu Trans* immer mit einbezogen werden, wie z.B. man wünsche die Abschaffung des binären Geschlechtersystems,
oder man hätte eine "abweichende geschlechtliche Identität". In den Augen transsexueller Menschen totaler Humbug.

Es scheint also gar nicht wirklich im Grunde verstanden worden zu sein, was unter Unsichtbarmachung verstanden wird und so
hoffe ich, dass ich jetzt besser dazu beitragen kann. Folglich ist Trans* etwas gänzlich anderes als Transsexualität, weshalb
sich dann transsexuelle Menschen gegen eine solche Vereinnahmung wehren.

Nebenbei muss der Begriff "Transsexualität" nicht definiert werden, da dieser bereits vor vielen Jahrzehnten definiert wurde.
Es gibt halt nur von transsexuellen Menschen auf die Finger, wenn jemand an diesem Begriff neu rumdefinieren möchte um
ihn passend für Trans* zu machen.

Von daher wäre "Spalter" tatsächlich eine schön passende Bezeichnung, wenn denn irgendeine "Vereinigung" stattgefunden
hätte und es sich um eine "Gruppe" mit den selben Merkmalen handeln würde. Doch geht es hier im Kern nicht um Gruppen,
sondern um zwei unterschiedliche Phänomene und Verständniswelten, unter denen sich dann möglicherweise Menschen
einfinden. "Wirklichkeitswahrer" wäre deshalb die richtige Bezeichnung. Denn es gibt die Wirklichkeit von Menschen, die
sich unter Trans* finden können und es gibt die Wirklichkeit von transsexuellen Menschen. Beides existiert und ist damit
Wahrheit. Wer eine davon auslöschen möchte, macht unsichtbar.

Es sollten sich so manche Menschen einmal darüber Gedanken machen und hinterfragen, warum Menschen vor unserer
Zeit eine Comunnity im Sinne von LSBTTIQ geformt und benannt haben! Für unser Thema habe ich die bedeutsamen
Buchstaben hervorgehoben, doch steckt hinter der Nennung aller dieser Buchstaben exakt die selbe Begründung
= Sichtbarmachung!

Was heute dagegen von Einigen begangen wird, ist das zertreten von Vielfalt. Das Eliminieren von Verständniswelten.
Auslöschen von Wirklichkeiten. Am Ende kostet das fehlende verstehen von Menschen (= Verständnis) deren Leben!
Und wer für so etwas verantwortlich ist, ist nicht mein Freund.

Wenn es Menschen gibt, für die Binärität von Geschlecht ein Problem ist, dann ist das eben EIN Teil von Wirklichkeit von
Menschen. Denn es gibt Menschen (ganz viele sogar) für die ist Binärität erstmal völlig in Ordnung. Wie ich ja ausgeführt
habe, gibt es daneben auch (mindestens) EIN weiteres Teil von Wirklichkeit von Menschen. Das sind die Menschen (relativ
wenige), für die diese Binärität eben ein Problem darstellt.

Die Kunst besteht nun darin, beide Wirklichkeiten gelten zu lassen. Wer dabei als Lösung ansieht, die Binärität abzuschaffen,
wird nur versuchen, ein Meer trocken zu lecken. Das wird niemals funktionieren, weil er gegen die Wirklichkeit von ganz vielen
Menschen kämpft. Funktionieren kann das nur über den Weg des Verstehens, also des Verständnisses. Und zwar müssen die
Menschen verstanden werden können, deren Wirklichkeit außerhalb der Binärität liegt. Dabei sei noch am Rande darauf hingewiesen,
dass Binärität nicht auf Rollenerwartung oder Rollenverhalten reduziert werden darf.

Und genau hier wäre ein Stück Gemeinsamkeit zwischen Menschen aus dem Trans*-Bereich und transsexuellen Menschen zu
finden. Über den Weg, dass nur der Mensch selber über sein Geschlecht Auskunft geben kann (im Sinne seiner Persönlichkeit,
seines Wesens). Wird dieses verstanden und hat dies Gültigkeit für ALLE Menschen, legitimiert und vor Allem erklärt sich Alles
was mit geschlechtlicher Varianz zu tun hat. Nämlich Menschen, die völlig im Einklang mit ihren körperlichen geschlechtlichen
Merkmalen leben, Menschen deren körperliche Merkmale gegengeschlechtlich sind und auch Menschen, deren geschlechtliche
Wirklichkeit in einer Uneindeutigkeit der lebbaren Rollenerwartungen oder des Rollenverhaltens sichtbar werden. Dieser Umstand
gilt dann selbstverständlich auch für Kinder.

Im Prinzip wird dieser Ansatz bereits bei Menschen angewandt, die mit uneindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen zur
Welt kommen. Eigentlich sind wir also gar nicht so weit von dieser Bereitschaft entfernt. Um mich nicht zu wiederholen, kann
man das auch kurz hier einmal nachlesen: viewtopic.php?p=2920#p2920

Transsexualität wird ja durch das Wort an sich "beschrieben" (Trans - sexus = gegengeschlechtliche Körpermerkmale / Körper).
Damit kommt es zur Transsexualität, wenn der Körper nicht zum Geschlecht des Menschen passt. Und dass "passiert" - oder
auch nicht - in dem Moment, wenn der Mensch sich entsprechend einem Geschlecht erklärt. Nicht mehr und nicht weniger.

Weil diese Erklärung aber für Menschen, die sich zwischen den Geschlechtern beschreiben nicht in dieser Form zutrifft,
ist es gut, hier eine Verständniswelt im Sinne von Trans* geschaffen zu haben, damit sich diese Menschen eben nicht
als "halbe transsexuelle Menschen", oder transsexuelle Menschen als "besser (echte) transsexuelle Menschen" beschreiben
zu müssen. Denn wer sich zwischen den Geschlechtern erklärt, für den gibt es dann ja in dieser eindeutigen Form keine
gegengeschlechtlichen Körpermerkmale. Aus diesem Grund leben Menschen weiblich gekleidet aber mit Vollbart für sich
selbst gut und zufrieden (was z.B. von transsexuellen Menschen überhaupt nicht nachvollzogen werden kann - aber
doch über die Wahrheit der geschlechtlichen Selbstaussage "verstanden" ´= Verständnis` werden kann). Weil Phänomene
(Trans*, Transsexualität) aber an sich uneindeutig oder vermischt sein können, mag es dennoch das ein oder andere
transsexuelle Körpermerkmal geben. In dem selben Sinn, wie ein Bartwuchs bei Frauen (Hirsutismus) im Grunde ein
transsexuelles Körpermerkmal ist.

Es gibt Dinge, die so sind wie sie sind, weil es für gewöhnlich natürlich ist. Dazu zählt auch Binärität der Geschlechter - weil
es nur zwei Geschlechter gibt. Sonst könnte sich wohl auch niemand zwischen den Geschlechtern empfinden ;-). Es ist
dann schon auch einmal anzuerkennen, dass diese Entwicklung den allermeisten Menschen in ihrem Bedürfnis, sich stimmig
mitzuteilen, entspricht und eben genau aus diesem auch hervorgegangen ist.

Freilich gibt es unterschiedliche Ausprägungen auf den verschiedenen geschlechtlichen Ebenen (Körpergröße, Stimme,
Haare, Nase, Brust, Genitalien, Gehirn usw.) die sich aber halt auch nur zwischen diesen zwei Geschlechtern abspielen.
Wer nun für jede Ausprägung ein neues Geschlecht benennen möchte, darf dies für sich gerne versuchen, sollte das dann
aber auch für sich behalten.

Worin jetzt Manche einen gesellschaftlichen Fortschritt sehen, indem man die Gesellschaft auf Menschen ausrichten
möchte, die sich noch nicht artikulieren könne (Babies und Kleinstkinder) erschließt sich mir tatsächlich nicht. Ich halte
es für ausreichend, Menschen zuzuhören wenn sie sich sinnig artikulieren können. Ich glaube auch, dass sich für diese
Menschen irgendwelche geschlechtliche Fragen gar nicht früher stellen. Wenn also dann ein falschgedeuteter Junge zu
verstehen gibt, dass er ein Junge ist, ist genau der richtige Moment gekommen, ihm zu glauben. Wäre hier im Vorfeld gar
keine Binärität vermittelt worden, wäre auch seine Aussage niemals möglich gewesen und eine Entwicklung gemäß seines
geschlechtlichen Wesen könnte nicht so erfolgen.

Warum denn stellt sich nur niemand die Frage, warum es Menschen gibt, die sich an weiblichen Bildern (ob Rollenbildern
oder Dingen die unter Klischee gerne genannt werden) und andere, die sich an männlichen Bildern orientieren. Da muss es
also etwas geben, was eben in die eine oder in die andere Richtung tendieren lässt. Ganz ohne abgelaufene Prozesse und
im Vorfeld der Identifizierung oder Identitätsbildung - das geschlechtliche Wesen!?

Was so manch einer gar nicht verstehen mag ist, dass es durchaus auch diskriminierend oder die Persönlichkeit missachtend
ist, wenn man einem Menschen sein Geschlecht eliminiert. Furchtbar Viele sind halt ganz einfach stolz auf ihr Geschlecht.
Und wenn dann ein paar herkommen und diese Geschlechtlichkeiten auslöschen wollen, damit sie selber in einer Neutrum-Gesellschaft
gut leben können wird das halt leider nicht funktionieren und durchsetzbar sein. Einfach weil Menschen in der Regel keine
Neutren sind.

Man sollte versuchen einmal Trans* und Transsexualität nicht als Menschengruppen zu betrachten, sondern als "Phänomene"
oder auch als "Marker", die ganz eindeutig und scharf definiert sein können. So wird das dann besser verständlich und vor
Allem auch tauglich um Abseits von persönlichen Befindlichkeiten darüber sprechen zu können.

Es ist ja wesentlich leichter, sich zwischen "Markern" zu erklären, als zwischen Menschengruppen. Wie ja schon gesagt,
gibt es selbstverständlich eine Unschärfe oder Vermischung der Phänomene, weshalb meine scharfe Grenzziehung immer
auf das Phänomen bezogen ist, nie aber auf Menschen.

Weil sich Menschen aber in unserem Fall über diese Phänomene definieren oder beschreiben und erklären, ist es eben
für das Verständnis (verstehen) wichtig, das mit den jeweiligen Begriffen (Beschreibungen) die richtigen Wirklichkeiten
transportiert werden.

Gerade in den Selbstfindungsprozessen sind solche "Marker" besonders wichtig. Je schärfe diese definiert sind, desto
besseren Orientierungswert haben sie für die Menschen in ihrer Findung. Dabei ist es sogar denkbar, das "Marker" auch
mit gar keinen Menschen "besetzt" sind. Von diesen "Markern" kann sich jeder Mensch "abgreifen" was ihn und seine
Wirklichkeit am besten entspricht.

Diese "Abgrenzung" ist also wichtig um sich in der Folge selbst verständlich erklären zu können und als Orientierungshilfe
in der Selbstfindung. Diese "Abgrenzung" bezieht sich zu aller erst auf die Phänomene. Weil sich "unter" diesen Phänomenen
oder "Markern" dann Menschen (ein)finden, formulieren diese Menschen ihren Anspruch und treten für das Verständnis
(ihre Wirklichkeit) ihres Phänomens ein. Unsichtbar kann also unter Umständen der "Marker", das Phänomen und seine
Definition werden.

Wenn also nun Menschen antreten unter Trans* und erklären es handelt sich dabei um Transfrauen, Transmänner
und insgesamt um Trans*menschen, dann entspricht das nicht dem "Marker" von transsexuellen Menschen. Denn das
sind Frauen und Männer.

Zur besseren Verdeutlichung auch noch einmal der Hinweis, dass ich "Marker" nicht als "Schubladen" betrachte. Eine
Schublade vermittelt immer Raum, der mit Dingen (Menschen?) gefüllt ist. Marker dagegen ist mehr ein freischwebender
Punkt, der wie gesagt auch personell unbesetzt sein kann - mehr so ein Leuchtturm, der bei der Orientierung behilflich ist,
aber an dem man auch vorbeifahren kann.

"Unsichtbar" wird es, wenn das Licht an diesem Leuchtturm ausgeht.

Wenn ein binäres Geschlechtersystem abgeschafft werden würde, ist dadurch niemand mehr (im Sinne von größer)
Frau oder mehr Mann. Im Gegenteil, denn dann wären wir Alle ja weniger Frau oder weniger Mann. Ein Grund und
auch weil Menschen stolz auf ihr Geschlecht sind (fragt mal in Eurem Bekanntenkreis die Menschen die kein
geschlechtliches Thema haben), weshalb der Ansatz über das binäre Geschlechtersystem nicht funktionieren wird.

Den gewünschten Effekt erreicht man aber durch die entsprechende Wertigkeit und Anerkennung der Selbstaussage
des Menschen über sein Geschlecht. Einfach deshalb, weil diese Aussage für ALLE Menschen zutrifft - auch für
die ohne geschlechtliches Thema (auch sie wissen um ihr Geschlecht).

Man muss hier nur aufpassen, dass man eine, ich nenne das mal, "gewisse Glaubwürdigkeit" behält. Einem Menschen,
der beispielsweise mit Vollbart lebt und erklärt dass er eine "Frau" ist, wird man dies nicht glauben. Einfach weil
keine Frau mit Vollbart leben möchte (es sei denn sie ist von anderen Motivationen als dem Frau-sein getrieben).
Eigentlich dürften aber solche selbstgemachten "Problemstellungen" nicht auftreten, weil der Mensch ja eine Frau
ist und sich von sich aus, auch so stimmig mitteilen wird.

Insgesamt ist es wichtig, "auf dem Boden" zu bleiben. Denn die Menschen sind nicht dumm und merken schon, ob
jemand in einer gewissen Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit ihnen gegenüber tritt. Werde ich anderen Menschen
(egal welchen) z.B. als selbsterklärte "Transfrau" entgegentreten, habe ich mir in diesem Moment bereits selbst die
Glaubwürdigkeit eine Frau zu sein abgesprochen. Besonders wenn dabei nachgestellt wird, dass man eine transsexuelle
Frau sei und damit also eine "Frau" ist, wird an dem Ziel gesägt, das die geschlechtliche Selbstaussage von Menschen
eine glaubwürdige Anerkennung finden wird.

So lange das aber als "Spiel mit den Geschlechtern" vermittelt wird, brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Menschen
über uns im Sinne von "abweichende Geschlechtsidentität", "Gender Dysphorie" und anderen zugeschriebenen Spinnereien
sprechen. Die Menschen, für die ihr geschlechtliches Thema ein echtes Lebensthema ihrer Existenz ist, werden sich
von solchen "Geschlechterspielereien" abwenden und distanzieren zu versuchen. Es muss deutlich getrennt werden,
zwischen Bewegungen die Geschlechterrollen aufbrechen möchten und menschlichen Wirklichkeiten, die eine geschlechtliche
Lebens-Thematik besitzen.

Da wird auch Nichts an körperlichen Merkmalen festgemacht. Alles wird an der Aussage des Menschen über sein Geschlecht
festgemacht (oder zumindest wäre das schön). Was dann als Folge dieser Aussage als "gegengeschlechtliche Merkmale"
neben den zweifelsfrei sichtbaren einzuordnen ist, würde ich immer empfehlen den jeweiligen Menschen direkt zu fragen.

Weil Menschen sagen, dass sie mit ihrem Geschlecht auf die Welt gekommen sind (ob wir das nun geschlechtliches Wesen
oder auch einmal geschlechtliche Identität nennen), dieses feststeht aber eben der Körper andere Ausprägungen hat
(gegengeschlechtliche), ist Transsexualität (trans/sexus) deren Phänomen. Eine Transidentität dagegen würde von einem
feststehen Geschlecht vom Körper vorgegeben ausgehen, zu dem es dann eine andere Identitätsausprägung gibt - aber wer
möchte sich denn eine Persönlichkeitsstörung bekunden lassen (abweichende Geschlechtsidentität)?

Es ist nur ein Unterschied, ob sich ein Mensch verhält "wie" eine Frau, weil er eine Frau ist, oder ob sich ein Mensch verhält
"wie" eine Frau, weil er als Mann glaubt wie sich Frauen verhalten.

Frau "tun" ergibt sich aus Frau "sein, weil sich weibliches Wesen stimmig mitteilen möchte und weil sich Frau "tun" deshalb
nicht aus Mann "sein" ergeben kann, weil sich männliches Wesen stimmig mitteilen möchte. Frau "tun" ergibt sich nicht, weil
sich jemand hinsetzt und überlegt wie Frau "tut". Weibliche "Klischees" ergeben sich so aus Frau "sein", weil sich weibliches
Wesen stimmig mitteilen möchte. Männer und Frauen stimmen sich mit anderem "tun" ab.

Das mal so als "Rostentferner" um auch der Phantasie freien Lauf zu lassen, welches "tun" sich aus einem weder Mann noch
Frau "sein" ergibt. Unscharfe Übergänge sind selbstredend immer möglich.

Und ja, ich bin ganz klar der Meinung, dass eben nicht Alles was Frau "tun" und Mann "tun" ausmacht, auf irgendwelche
Konstrukte gesellschaftlicher sozialer Vorgaben zurückgeht. Weil nämlich am Anfang aller Prozesse, die mitunter auch einen
identitätsbildenden Hintergrund haben, das geschlechtliche Wesen vorangeht - oder: Warum entscheidet sich ein Mensch für
ein weibliches oder ein männliches Leben - oder: Warum entscheidet sich ein Mensch für eine weibliche oder eine männliche
Identität. Er kann ja aus beidem wählen.

Ich für mich bin auch der Meinung, dass ein jedes Wesen um sein Geschlecht weiss, es aber in Wechselwirkung und entsprechender
Gewichtung des Identitätscharakters, zu entsprechenden geschlechtlichen Uneindeutigkeiten oder Abweichungen kommen kann.

Ich bin mittlerweile auch auf Menschen getroffen, die beispielsweise sich in ihrem körperlich sichtbaren Geschlecht empfinden, aber
in der gegengeschlechtlichen Rolle leben und wahrgenommen werden möchten. Oder Menschen, die sich keinem Geschlecht erklären
möchten, weil sie beide Geschlechter gleichzeitig leben möchten.

Alle diese Menschen können ein geschlechtliches Wesen besitzen, dessen anteilig stimmiges Streben sich im Endergebnis in diesen
Formen zeigt. Weil Menschen nicht nur durch geschlechtliches Wesen, sondern viele Wesen geprägt sind, Wesen in unterschiedlich
gewichteten Beziehungen zueinander beeinflussend stehen können, ist Alles was auch nicht einmal denkbar ist, möglich

Viele Reaktionen zeigen mir immer, das es nicht jedem möglich ist, das von mir aufgestellte theoretische Gebäude zu betreten. Das
ist speziell auch an die gerichtet, die die Türe in meinem letzten Absatz gar nicht erkennen. Sie sehen dann nur pragmatisch die Fassade.
Das mag hauptsächlich zwei Gründe haben. Einmal man hat einfach keinen Bock, sich weiterreichende tiefere Gedanken darüber zu
machen, oder es ist nicht möglich, in diese Dimension vorzudringen - vielleicht auch, weil man sich in völlig anderen Empfindungswelten
bewegt.

Deutlich werden aber doch immer die zwei Lager in die man sich teilt. Die Einen, die sich ganz modern betrachten und losgelöst von
jeglichen menschlichen naturgegebenen Strukturen völlig auf die "Icherklärwahrheit" Ebene begeben und die Anderen, die an "Prozessen
aufgrund von natürlichen Vorgaben" Teile des Miteinander festmachen - in unserem Fall in geschlechtsbezogenen Kontexten. Diese werden
dann als "ewig Gestrige" bezeichnet.

Zu einem wirklichen gemeinsamen Ergebnis werden diese Menschen-Lager nicht kommen können, weil man sich gegenseitig nicht
verstehen und nachempfinden kann. Genau das wird ja in diesen Auseinandersetzung immer wieder aufs Neue deutlich.

Deshalb empfehle ich dem "modernen" Lager, sich doch deutlich von den "ewig Gestrigen" zu distanzieren, damit sie frei von "Bremsern"
ihre Gesellschaftsrevolution vorantreiben können. Die "ewig Gestrigen" können dann ihrerseits, ganz ohne querschlagendes kontraproduktives
Reingerede ihr Verständnis von ihren eigenen Empfindsamkeiten den Menschen verständlich machen. Wichtig ist dabei nur, dass wir den
"modernen" (1) und den "ewig Gestrigen" (2) auch verschiedene "Namen" geben. Da würde sich "Trans*" (1) und "transsexuelle Menschen" (2)
anbieten.

Es wird Zeit für mehr Rock´n Roll - und wir sollten dafür den Takt vorgeben.

Rosi
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Re: Es wird Zeit für mehr Rock´n Roll

Beitragvon Lotty » 9. Dez 2015, 23:18

Uff ist das viel Text Rosi,

Bild

Damals hieß es "alle sind Transgender". Da sagten viele Menschen mit transsexuellem Hintergrund nein.
"Transgender und Transsexuell sind zweierlei"

Nun kommt der neue Taschenspielertrick mit Trans* aber auch da gilt:
"Trans* und Transsexualität ist zweierlei".
Aber auch da sagen viele auch wieder nein.

Dies gilt es zu akzeptieren :!:

Trans* ist etwas anderes als Transsexuell :!:

Wenn ich dann aber diese Zitat von N.Färber (dgti) lese:
Das Wochenende war getragen von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt, auch gegenüber anderen Meinungen und Ansichten.
Wo bitte ist da die gegenseitige Wertschätzung, wo der Respekt vor anderen Meinungen und Ansichten.
Wo Nicole Färber ist die Wertschätzung?

Gilt dieser Respekt nur denen die ohne hin gleich geschaltet sind?
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Re: Es wird Zeit für mehr Rock´n Roll

Beitragvon Rosi » 9. Dez 2015, 23:26

Lotty hat geschrieben:Uff ist das viel Text Rosi,
.

Naja, musste mal gesammelt raus ...

... hab versucht mich kurz zu halten ;-)
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