Die Angst vor der Abgrenzung

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Die Angst vor der Abgrenzung

Beitragvon Lotty » 2. Dez 2015, 17:13

Die Angst vor der Abgrenzung

Manchmal lesen wir in Beiträgen oder hören im persönlichem Gespräch, dass eine Unterscheidung zwischen Trans-/Queergender und Transsexuell abgelehnt wird. Meist mit der Begründung, es sei das Gleiche und eine Grenzziehung sei willkürlich. Häufig ist auch der versteckte oder offene Vorwurf zu hören, "Ihr seit wohl was besseres" oder es fallen so abfällige Bemerkungen wie "sogenannten echte Transsexuelle". Weshalb ist eine Grenzziehung beim Verlangen nach einer Genitalangleichung so verpönt? Was für eine Berechtigung haben so Begriffe wie Premiumklasse in diesem Zusammenhang. Ist da das eine etwas besseres als das andere?

Was steckt da hinter?

Gender steht für soziales Geschlecht und Sexus für die biologische Geschlechtlichkeit. Was liegt also näher, hier zwischen Transgender und Transsexuell zu unterscheiden, das eine vom anderem ab zu grenzen. Sicher kann man Abgrenzung als "ich bin etwas besseres" verstehen aber wieso. Warum wird es nicht so gesehen wie es gemeint ist, als etwas anderes, was dann gar nicht mehr so negativ besetzt ist.

Transgender reden von gegengeschlechtlicher Lebensweise, Zu lesen überall wo es um Trans* geht. Siehe zum Beispiel in der Presseerklärung des BV-Trans*. Für Menschen mit transsexuellem Hintergrund ist es eine Frage des eigenen Geschlechts und hat so gar nichts mit einer Lebensweise oder einer Transgeschlechtlichkeit (Geschlechtswechsel) zu tun. Menschen mit transsexuellem Hintergrund haben auch kein Problem mit dem binärem Geschlechtermodell, wie es ja von Trans*Menschen an allen Ecken propagiert wird.

Wo ist das Problem?

Was ist da jetzt besser oder schlechter? Wenn diese "Abwertung" von den Menschen kommen würde die eine Genitalangleichung an ihr Geschlecht hinter sich hätten würde man dies verstehen können. Wer findet es schon gut als Minderwertig bezeichnet zu werden aber so ist es nicht. Diese Aufwertung des Anderen und damit die eigene Abwertung kommt von denen die keine Operation anstreben. Da fragt man sich, "wieso ist das so"? Steht da das eigene Minderwertigkeitsgefühl hinter? Fühlt man sich mit Genitalien, die nicht zum Wunschgeschlecht passen minderwertig. Eine Antwort auf diese Frage bleibt meist aus.

Von so manchem Genderaktivisten liest man "Geschlecht sei ein soziales Konstrukt". Die Geschlechter seien eine Folge von wiederholten Sprechakten und keine natürliche Gegebenheit. Der Körper (das Genital) wird bei dieser Betrachtung ignoriert und als unwesentlich betrachtet. Geschlecht wird zum Gender und Gender wird zur Beliebigkeit. Frau mit Penis, schwangerer Mann sollen zur Normalität werden? In Wirklichkeit geht es aber um die geschlechtsspezifische Rollenerwartung, nicht um das Geschlecht.

Gender vs. Sexus

Faktisch sind dies zweierlei Aspekte des Geschlechtes. Sexus ist über die Zeiten, durch die Kulturen und die Arten etwas Gleiches und Unveränderbares. Hier geht es um Zeugen und Gebären, um körperliche Voraussetzungen und Veranlagungen die sich durch das gesamte Nervensystem ziehen. Gender ist kulturell bedingt und etwas Veränderliches. Natürlich gibt es dort auch Aspekte die sich in die Veranlagungen übertragen haben. Frauen und Männer haben aufgrund ihrer Rolle bei der Vermehrung, die sie seit Äonen inne haben auch im Wesen grundsätzlich unterschiedliche Eigenschaften. Wenn auch über Sozialisationseinflüsse wiederum veränderlich. Gender ist also eine Kombination aus Veranlagung und Sozialisation.

Instinktives Wissen ist auch heute noch etwas was wir nicht wirklich messen können. Schlucken, Herzschlag, die Regelung der Körpertemperatur, dass sind Dinge die angeboren sind. Ebenso ist auch das instinktive Wissen um das eigene Geschlecht, den Geschlechtskörper, etwas was sich nicht messen lässt. Dieses Wissen um die eigene Geschlecht gehört zum Sexus, ist mit dem Geschlechtskörper eng verbunden.

Sozial als Frau, als Mann, beides oder nichts.

Nun ist es unumstritten das es Menschen gibt die in einem Geschlecht leben möchten welches nicht dem biologischen Gegebenheiten entspricht. Fakt ist, dass es hierbei Menschen gibt die mit Ihrer genitalen Ausstattung so wie sie ist, richtiggehend glücklich sind. Diesen Menschen geht es in erster Linie darum, wie sie in der sozialen Umgebung gesehen werden, als Frau, als Mann, geschlechtslos oder irgendwie beides. All dies ist eine Frage des Genders. Natürlich geht es da auch um Körper, wer als Frau oder Mann leben möchte, möchte eben auch so aussehen.

Biologisch Frau oder Mann

Ebenso unumstritten ist es dass es Menschen gibt die wissen das sie im falschem Körper leben. Eine unglückliche Formulierung, denn wir haben nur diesen Körper also sagen wir lieber, die wissen dass sie mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren wurden. Überwiegend geht man heute davon aus das dieses instinktive Wissen um das eigene Geschlecht pränatal angelegt ist. Es ist hinlänglich bewiesen das dieses Geschlechtswissen nicht an- oder aberzogen werden kann. Nicht bei allen Menschen ist dieses Geschlechtswissen mit der genitalen Ausstattung in Übereinstimmung.

Für diese Menschen sind die körperlichen Geschlechtsmerkmale fundamental, sie nehmen zum Teil große Risiken auf sich diese soweit als möglich ihrem Geschlecht angleichen zu lassen. Es handelt sich dabei um eine ganz persönliche Angelegenheit, jenseits allem äußerem Anschein, jenseits einer Sexualität oder gesellschaftlichen Anerkennung. Es ist ausschließlich für die innere Übereinstimmung des geschlechtlichen Wesens mit dem eigenem, Körper.

Warum ist der Unterschied wichtig?

Da gibt es jetzt durchaus zwei Gründe. Zum einen ist es der Wunsch transsexueller Menschen in ihrem Geschlecht anerkannt zu werden. Nicht als Männer oder Frauen, die es vorziehen im Gegengeschlecht zu leben, sondern als Männer und Frauen, denn das ist ihr Geschlecht. Dann aber auch zum Schutz vor Fehlentscheidungen. Denn eine Genital angleichende Operation darf nicht als Maßnahme verstanden werden um einer derart problematischen Bezeichnung wie Identität zu entsprechen. Es darf nicht als Maßnahme verstanden werden um den sozialen Rollenwechsel zu perfektionieren oder um der eigenen Vorstellung der Heteronormativität zu entsprechen.

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Re: Die Angst vor der Abgrenzung

Beitragvon Ätztussi » 3. Dez 2015, 21:43

Ich finde es richtig und wichtig einen klaren Trennungsstrich zu ziehen.

Haben Transsexuelle wirklich gemeinsame Ziele mit Trans* ?

Ich würde sagen nein. Transsexuelle und so auch ich als ehemalige Transsexuelle wollen nicht transsexuell sein, sondern wollen je nach Geschlecht als Mann oder Frau leben. Es ist mir egal ob das Andere als altmodisch empfinden. Ich will nicht anders Leben.

Ein Leben als drittes Geschlecht, ist doch ein "dazwischen" ein nicht angekommen sein. So will ich nicht Leben und mit solchen Menschen, die ich als Gescheiterte sehe, will ich auch nicht zusammen sein. Die Meisten empfinde ich als Gestörte, deren Leben nur im LGBT Ghetto stattfindet. Ich lebe woanders aber bestimmt nicht dort.

Ob wir ehemalige Transsexuelle was Besseres sind weiß ich nicht, aber sicherlich was Anderes als Trans*. Als Frau oder Mann bist du nichts Besonderes sondern einfach nur Frau oder Mann. Das ist Normalität und für mich ist das das Besondere.

Da ich keine gemeinsame Ziele mit Trans* sehe gibt es auch keine Gemeinsamkeiten.

Ich lehne ab das Gender Gap, den Trans Stern, geschlechtsneutrale Toiletten, geschlechtsneutrale Bezeichnungen und Sprache. Einfach alles was von denen kommt lehne ich ab und deren Feste und Veranstaltungen mag ich auch nicht. Ich führe ein anderes Leben.
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