Was können wir tun?

Meldungen und Meinungen die sonst nirgends rein passen.

Was können wir tun?

Beitragvon tilly » 29. Jun 2015, 23:39

Oder was wäre wirklich wichtig?

Ok, so ganz präzise ist meine Fragestellung nicht, und soll sie auch nicht sein. Mir ist auch nicht wichtig wie schwer oder unmöglich eine Veränderung erscheint, oder wie sie umzusetzen ist.
Ich will einfach eine lockere Diskussionsrunde anstoßen in der vor allem auch neue, und zurückhaltende Forennutzer und Gäste schreiben dürfen wo der Schuh drückt, was ihnen wichtig erscheint.

Denn, wir sind zwar nicht das Volk, aber die Basis!

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon Lotty » 30. Jun 2015, 07:49

Wo drückt uns der Schuh und wie bekommen wir ihn passend? Das wo ist relativ leicht und ich fange mal an einige Punkte zu benennen:

  1. Die Feststellung der Transsexualität. das Anrecht auf die notwendigen medizinischen Leistungen sowie die Bewilligung der Vornamens- und rechtlichen Personenstandsänderung (Vä/Pä) greifen ineinander über und bedingen sich zum Teil gegenseitig. Hier liegt aber einiges im Argen.

    Die Vorstellung wie es werden sollte ist zum Teil recht unterschiedlich. Wo wir uns mit Sicherheit sofort einigen können ist das die Verfahren gerechter und berechenbarer werden. Derzeit herrscht dort eine Willkür und es kommt vielfach darauf an, an welche Person man gerät. Dies gilt sowohl für die Begleittherapie/Gutachter, die Bewilligung medizinischer Maßnahmen und das Amtsgericht bei der rechtlichen Personenstandsänderung. Auch die Kosten bei letzterem sind absolut willkürlich.

  2. Die Berichterstattung in den Medien. Was dort zum Teil für ein Müll geschrieben wird, da können einem die Haare zu Berge stehen Transsexualität wird gerne mit sexuellen Ausrichtungen in einer Folge genannt, es wird behauptet dass wir das Geschlecht wechseln und mit den Begriffen kommen sie total durcheinander. Transgender, Transsexuell, Trans*, Transmenschen, Transgeschlechtlich, eine klare Linie, geschweige denn Differenzierung Fehlanzeige. Das wir Frauen und Männer sind die mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen zur Welt kamen ist dort selten bis gar nicht zu lesen. Vielfach wird es so dargestellt das wir mit unserer Rolle als Mann oder Frau nicht zufrieden sind und daher diesen ganzen Aufwand betreiben

  3. Das Bild in der Öffentlichkeit wird auch stark von der Berichtersattung der Medien geprägt. Natürlich ist man heute tolerant, man will ja politisch korrekt sein. Man gesteht uns schon zu als Frau oder als Mann zu leben und genauso wird wohl auch gedacht, "na wenn ER als Frau leben möchte dann lass IHN doch". Vom Mobbing, über Ausgrenzung bis hin zur Gewalterfahrung ist auf diesem Feld alles drin. Manche haben Glück und bei manchen geht es absolut nach Hinten los.

So, das war mal ein kleiner Anfang der Probleme die mir so einfallen. Sicher kann man alles noch weiter differenzieren und es kann auch sein das ich was vergessen habe. Auch habe ich mich bewusst über die Ziele und den Weg, wie wir diese erreichen können aus geschwiegen. Aber es ist ein Ansatz für weitere Beiträge.

Liebe Gr0ße
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon tilly » 2. Jul 2015, 22:28

So, nun will ich auf einen Punkt genauer eingehen, er liegt mir am Herzen.

Meine Erfahrungen mit Medizinern im allgemeinen war nicht immer positiv.
In meiner Hausarztpraxis, (Da muss ich anmerken die ist recht groß und wird meist von 2 bis 3 Ärzten in wechselnder Besetzung betrieben) ist es mir am Anfang passiert, dass ich auf meine Frage nach einem TS erfahrenen Psychologen die lapidare Antwort erhielt "Na, da habe ich keine Ahnung, da suchen sie am besten selbst im Netz"
Und später als ich in einer HNO Praxis war um an Logopädie zu kommen, meinte die Ärztin ich hätte ja nun weibliche Hormone, da würde die Stimme von alleine höher........!
So, und natürlich haben Ärzte immer recht....., Für eine Überweisung hat es dann aber doch gereicht.
Ja, so scheint mir, dass im allgemeinen Medizinischen Bereich noch viel Unwissenheit existiert.
Wie das zu ändern ist?
Die eigenen Ärzte erziehen und sensibilisieren. (geht sicher nicht bei allen)
Nie alles glauben was die sagen.
Gute Ärzte in Foren posten, sammeln, dann profitieren "Neue"
Ja, zudem währe es wünschenswert wenn an den Uni´s mehr und genauer über TS gelehrt würde.
Fortbildungsmöglichkeiten für "erfahrene" Ärzte sind sicher auch sinnvoll.

Nun wie die zwei letzten Punkte erreichbar sind, da habe ich keine Ahnung.

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon Lotty » 2. Jul 2015, 22:55

Für Ärzte gibt es sogenannte Qualitätszirkel. Wer als Arzt an solchen teilnimmt bekommt dann Fortbildungspunkte.
So etwas für Transsexualität gibt es bisher jedoch nur in München und Berlin.
Qualitätszirkel sind von der Ärztekammer legitimiert und eigentlich dürfen dort nur Ärzte teil nehmen daher wollen wir hier auf runde Tische setzen.

Fortbildungspunkte gibt es dort sicherlich auch, sie sind aber organisatorisch nicht so aufwendig. Und die Teilnehmer sind nicht auf Ärzte beschränkt.
Wir versuchen hier in Osnabrück so was zu etablieren, haben auch bereits zwei Ärzte die sich bereit erklärt haben sich zu beteiligen.
Einen Endokrinologen und einen Psychiater beide TS-Erfahren und nach unserer Einschätzung vertreten die einen guten Standpunkt.
Für 2016 sind 4 Runde Tische geplant, je Quartal einen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber alle die medizinische Versorgung von TS betreffend.

Je nachdem wie das hier anläuft, wollen wir das dann weiter ausbauen.

Liebe Grüße
Lotty & Frank
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon tilly » 2. Jul 2015, 23:27

Danke!

Das ist sicher ein guter Ansatz, da gibt es in der Schwäbischen und Badischen Ecke sicher auch noch was zu tun.

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon Vivian » 3. Jul 2015, 20:56

Ich habe meinen Hausarzt nach Bewertungen in den Ärzte Foren mir ausgesucht und er sollte bei mir um die Ecke sein. Meiner hatte viele positive Bewertungen von Schwulen bekommen. Also bin ich hin zu ihm und ich muß sagen, das ich wirklich Glück gehabt habe. Seine erste Frage war auch wie ich angeredet werden möchte.
Die anderen Ärzte suche ich mir nach Empfehlungen aus. Wie hier aus dem Forum oder von Mari. Sie ist eine gute Beraterin in der TransInterQueer Beratungstelle wo ich bei Fragen immer anrufen oder hin kann.

Ich muß aber auch zugeben das ich in Berlin wohne und so schon ein Vorteil habe.

Gruß Vivian
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon Glöckchen » 7. Jul 2015, 20:10

Was können wir tun?
Das ist gute frage ……

Wie sieht es mit den Menschen aus die Hilfe brauchen und wissen nicht wo sie Hilfe bekommen können.

Beim Job Center, kann keiner Auskunft geben betroffenen Personen und das ist überall das gleiche, Arbeitsamt, Polizei, Ärzte und mehr die einem nichts sagen können da keiner den Ansatzpunkt hat an wenn man sich wenden kann.
Ich bin davon überzeigt das sich viel ändern könnte wenn man mehr Broschüre und Flyer verteilen wurde mit hinweisen wo man Hilfe bekommen kann und dadurch werden auch andere aufgeklärt. Broschüre kann man überall verteilen auch Persönlich vorbei bringen in den Ortschaften die man selber erreichen kann oder per Post zuschicken mit einem nettem begleit Brief.
Ich fand gestern beim Job Center etwas befremdet (hörte ein Gespräch mit, so lange ich auf Freundin gewartet habe) das Sachbearbeiter einem Job suchendem helfen will (TS) aber wusste nicht wie. Ich hoffe das derjenige jetzt Hilfe bekommt nach dem Job Center Informiert wurde mit wem man sich in Verbindung setzen kann. Natürlich habe ich den Sachbearbeiter gleich angesprochen ……

Es sind noch viele draußen die Hilfe suche ohne zu wissen wo sie hin sollen, auch zu Internet Zeit sind doch nicht alle so flexibel was einen PC betrifft.

„Selbsthilfe“, bedeutet für mich nicht dass ich mir selber helfen soll sonder das auch „Vereinigung-TransSexuelle-Menschen“ auf die Menschen zugehen soll und überall Hilfe anbietet.

Mein Hausarzt war überfordert mit TS, weil der sich nie mit dieser Thema auseinander gesetzt hat und ich machte auch kein versuch ihn aufzuklären. Und das finde ich falsch. Wir können nicht von Menschen Toleranz erwarten wenn wir selber nicht den versuch machen auch was dazu zu tun. Nur Informationen im Internet und Forum reichen nicht aus …….

Die Unwissenheit gestern beim Job Center hat mir zu denken gegeben, das kann doch nicht sein das wir uns alle nur beschweren aber nichts unternehmen den Menschen Informationen zu geben.
Es ist bestimmt nicht so schwer sich ein Termin bei Arbeitsamt, Job Center, Polizei usw geben zu lassen und auch mal Persönlich vorzusprechen.

Grüßle
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon tilly » 7. Jul 2015, 22:01

Hallo Glöckchen

Ja ich denke du sagst da was ganz wichtiges!
Wir alle können in unserem Umfeld sehr viel tun, und es sind oft die einfachen Kleinigkeiten, die etwas positives bewirken.
Und so zählt jeder Mensch den wir erreichen.
Wenn ich nur so mal über den Daumen peile sind das bei mir schon einige Hundert Menschen die mich über meine Fliegerei kennen und meinen Weg verfolgen.


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Re: Was können wir tun?

Beitragvon spirulina » 8. Jul 2015, 06:08

Wenn ich andere Erkrankungen sehe,dann wird für TS doch sehr viel gemacht. Man muß doch dem Patienten nicht den Hintern nachtragen ! Ein gewisses Maß an Eigeninitiative kann man doch von jedem Patienten erwarten - es geht ja schließlich um sein eigenes Wohlergehen .
Ach ja,bitte jetzt keine Diskussion wegen "Patient" . Patient steht bei mir als Synonym eines behandlungswilligen TS .
Dieses ganze Behandlungsmarathon steht auch nur demjenigen bevor,der kein Geld hat. Betroffene mit dem nötigen finanziellen Background lösen das alles recht easy.
Sich ein Auto für 100.000.- zu kaufen wird doch oft gemacht,aber mal 100.000.- für sein Wohlergehen auszugeben da wird dann rumgekniggert . Bitte nagelt mich jetzt nicht an der Zahl fest,das ist eine Variable wo es auf der Richterskala nach unten sowie oben keine Einschränkung gibt.
Man kann auch sagen,daß TS schlußletztlich eine Machtfrage ist. Habe ich die nötige Hausmacht ,kann ich die Puppen nach meinem Gusto tanzen lassen ,egal ob es den Anderen passt oder auch nicht.
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Re: Was können wir tun?

Beitragvon tilly » 15. Jul 2015, 01:56

Nun ja,

da leben wir in verschiedenen Welten, alle meine Autos die ich hatte haben zusammen keine 100.000 gekostet. Dafür habe ich 3 Kinder, bin allein erziehend.
Neee, ich habe jetzt keine Lust alle Armutsfaktoren offen zu legen, Tatsache ist ich arbeite Vollzeit, aber ich musste meine Laserepi abbrechen weil mir 200€ fehlten.

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