Artikel: Frauen, Männer und die neue Vielfalt

Transsexualität in Medien, Kunst und Kultur.

Artikel: Frauen, Männer und die neue Vielfalt

Beitragvon ThorinEichenschild » 6. Nov 2016, 09:47

Ich dachte dieser Artikel könnte vielleicht interessant sein

http://www.deutschlandradiokultur.de/ge ... _id=368585
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Re: Artikel: Frauen, Männer und die neue Vielfalt

Beitragvon Severus » 6. Nov 2016, 14:07

Interessanter Artikel und ein gefundenes Fressen.

In der Gesamtheit ist es zu viel zum Kommentieren, aber manches ist so dämlich, dass es sich doch lohnt:


In Experimenten wurde nachgewiesen, wie Männer und Frauen ohne jeden sachlichen Grund unterschiedlich bewertet werden: Bewerbungen unter Männernamen wurden eher weiter bearbeitet, identische Bewerbungen unter Frauennamen eher aussortiert.


Und in einem Experiment wurde genau das Gegenteil bewiesen, obwohl dieses Experiment ursprünglich obige Behauptung in weiter ausgeführter Konsequenz bestätigen sollte. Sorry, Frau Mayr, das ist wirklich nicht gut recherchiert. ;)
Das von mir genannte Experiment geht soweit, dass es testet, inwiefern in einem Bewerbungsgespräch der Interviewer sich für/gegen einen Bewerber mit männlicher oder weiblicher Stimme entscheidet. Natürlich wurden auch die Stimmen mittels einer Software getauscht, mit dem Ergebnis, dass Männer mit Frauenstimme am besten abschnitten, danach kamen die unmodulierten Frauenstimmen, Frauen mit verstellter Männerstimme schnitten am schlechtesten ab! Wie passt dieses Ergebnis (positive Diskriminierung zugunsten von Frauen) zu der oberen, allzu klischeemäßigen Behauptung? Kleiner Tip: Gar nicht.
Hier ein deutschsprachiger Link, der auch auf den Original-Bericht verweist, in dem das Setting des Experiments erklärt wird:
https://allesevolution.wordpress.com/20 ... hen-macht/

Warum der Aufstieg von Frauen in der Wissenschaft so oft scheitert, bleibt also ein Thema für die Genderforschung. Die allerdings wird auch von Wissenschaftlern bekämpft.


Schon wieder eine einseitige Betrachtung. Die Aufstiegschancen von Frauen in der Wissenschaft sind schlecht, weil die akademischen Aufstiegschancen generell schlecht sind! Das ist insbesondere in den Geisteswissenschaften und Life Sciences der Fall.
Hier ein paar Artikel zu diesem Thema:
http://www.deutschlandfunk.de/prekaer-u ... _id=265031

http://www.zeit.de/2015/49/junge-wissen ... edingungen

Völliger Mist, das auf Genderdiskriminierung zu schieben, wenn man sich mit diesem Thema näher beschäftigt. Zeigt aber, mit welcher Qualität der Forschung man es hier zu tun hat.

"Von 19 W3-Professuren sind - im August 2016 - gerade nur zwei mit Wissenschaftlerinnen besetzt, und das bei einem Frauenanteil von 59 Prozent bei abgeschlossenen Promotionen."

Über derartige Zahlen geht Axel Meyer flugs hinweg.


Jetzt mal Butter bei die Fische: In welchen Studienfächern haben denn diese Frauen promoviert?
Und in welchen Fachbereichen sind diese W3-Professuren angesetzt?
W3 ist doch die höchste Besoldungsgruppe, warum sollen die Länder ein Interesse daran haben, mehr W3-Professuren zu implementieren, wenn es doch insbesondere in den Geisteswissenschaften heutzutage Dozenten und Post-Docs gibt, die gar umsonst arbeiten? Kleiner Tip: Hat etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun.
Sind diese Zahlen dann wirklich würdig, genauer betrachtet zu werden?

Hier mal ein Interview von einem Philosophen, also einem Kollegen von Frau Pühl, der als Dozent für umme arbeitet:
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/jo ... 87936.html

Warum nimmt Evolutionsbiologe Meyer die Realitäten nicht zur Kenntnis? Und warum wird er geradezu ausfällig, wenn er in einer Institution wie dem Bundesforschungsministerium in höheren Positionen offenbar auf mehrere Frauen trifft: 

"80 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen. Bei Frau Schwesig im Familienministerium, 70 Prozent sind Frauen. Und ich will nicht wissen, welcher Prozentsatz lesbisch ist." 
Auch Meyers eigenes Umfeld, das sogenannte MeyerLab, ist auf den oberen Etagen fest in Männerhand: Als Postdocs, das sind wissenschaftlich Beschäftige mit Doktortitel, arbeiten dort sechs Männer und eine Frau. Die Assistenzprofessuren sind mit zwei Männern besetzt - und Null Frauen.


Ich kann nicht für Herrn Meyer sprechen. Aber es betreibt halt so jeder sein eigenes kleines Gender Mainstreaming, nicht wahr? Ein BUNDESMINISTERIUM betreibt seines und irgendein Professor in seinem kleinen Labor wiederum seines. ;-)

Pühl: "Die Trennung, dass es da doch eine vermeintlich eindeutige Biologie gäbe, die klar zwei und nur zwei und nicht mehr und keine anderen Geschlechter zulässt, ist ja angezählt."


Eine Philosophin will sich über Biologie äußern?
Das ist für mich im besten Falle Satire.

Mann - Frau. Ernährer - Hausfrau. Nummer eins - Nummer zwei. In einigen Regionen der Welt kennt man schon lange mehr als zwei Geschlechter. Und auch bei uns ist das Leben nicht mehr so eindeutig.


Klar – was man geflissentlich ausspart, ist der Fakt, dass diese anderen Geschlechter in diesen Regionen nicht selten behandelt werden wie der letzte Dreck am Bodensatz. Zu nennen, ist da das allseits bei Gender-Aktivisten beliebte Beispiel der Hijras.
Hier mal ein Artikel zu denen, der das reale Leben gut trifft: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ ... 58628.html
Aber hey, es gibt mehr als zwei Geschlechter in diesen Regionen, sagt eine Philosophin aus der 1. Welt. ;-)

Pühl: "Ich glaube schon, dass Gender oder Geschlechterverhältnisse so ein Aufreger sind, weil es aus dem vermeintlich so Alltäglich-Selbstverständlichen - das ist doch so, weil man Mann oder Frau ist - herausgeholt worden ist. Und insofern geht es immer um Deutungshoheiten und damit auch um Machtfragen."


Sie glaubt! :-D Geehrte Frau Pühl, ich dachte immer, dass die Gender Studies fundierte Forschung liefern sollen, keinen „Glauben“.
Operiert man auf Basis von Glauben anstatt auf Wissenschaftlichkeit, so sieht bald alles aus, wie eine Deutungshoheit und Machtfrage. Vielleicht ein Grund, weshalb Gender Studies im Vergleich zur Informatik als ebenfalls junge Disziplin weit weniger wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse bislang produziert hat?
Schöne Selbstentlarvung hier.

Alles was mit Frauenpolitik, mit Gender zu tun hat, das ist eine Top-Down-Geschichte, und da gehört Frauenpolitik und Genderpolitik für mich mit dazu, und zwar als wichtiges, prioritäres Thema.


Aha, Top-Down-Geschichte.
Das heißt, irgendwelche selbsternannte „Eliten“ wollen Gender von oben nach unten durchdrücken. Es ist nicht etwa so, dass sich die Bevölkerung so etwas wünschen würde.
Weitere Selbstentlarvung, hier ist der Guten wohl ihre Gier nach W3-Professur und Elite-sein durchgegangen.

"Gender ist für mich ein alter Bekannter. Als Landesvorsitzende der Frauenunion in Baden-Württemberg ist es eine meiner Aufgaben, die Frauen in der Partei und auch in der Gesellschaft permanent nach vorne zu bringen und daran zu erinnern, dass diese Hälfte der Bevölkerung existiert und dass sie nicht nur gefragt sein will, wenn es um ehrenamtliche Tätigkeiten und Kuchen backen und Dabeisitzen geht, sondern dass sie gleichberechtigte Mitsprache und Einfluss haben will."


Was ist denn das für ein leutseliges Stammtischgelaber?
Vom Kuchen backen oder gefragt werden, hat noch niemand Einfluss genommen und ist nach vorne gekommen. Und ich glaube, das verstehen Frauen auch, wenn sie nicht gerade so armselig bemitleidet werden wie in dem obigen Statement. Und wenn einige es nicht verstehen, dann bringt es auch nichts, sie in Positionen zu pushen, in denen sie Einfluss haben.

Grässle: "Die Junge Union ist nach wie vor ein Hauptgegner, was natürlich auch daran liegt, dass die jungen Männer fürchten, dass die Frauen ihnen die Butter vom Brot nehmen."

Tatsächlich ist von Frauenmacht im Südwesten wenig zu spüren: Im Landtag zum Beispiel sitzen 75 Prozent Männer.


Also, Inge Grässle hat’s nicht so drauf.
Ich bezweifle, dass junge Männer denken, dass „die Frauen ihnen die Butter vom Brot nehmen“, viel eher ärgern sich junge Männer darüber, dass Frauen unzulässig gefördert werden. Wenn Mädchen heute durchschnittlich deutlich bessere Noten haben als Jungs, wo bleibt dann die Jungenförderung? Es gibt keine, aber mach dir nichts draus Junge –- zumindest gibt es mittlerweile in jeder FH eine Gleichstellungsbeauftragte.

In Österreich ist man schon soweit, dass man den Einstellungstest für das Medizin-Studium geändert hat, weil von den ca. 58% Bewerberinnen nur ein Prozentsatz von 50% auch tatsächlich eine Zulassung bekommt. Weil also das Verhältnis von zugelassenen weiblichen Bewerbern (ca. 50%) nicht mit dem Verhältnis der Bewerberinnen übereinstimmt (58%), meint man also schon, den Test zugunsten von Frauen manipulieren zu müssen:
http://derstandard.at/2000020339095/Mae ... als-Frauen
http://www.studium.at/476278-medizin-au ... verringert

"Es stört mich, dass ich zum Beispiel wie bei Facebook nur als PolitikerIn annonciert werden kann, bei Facebook bin ich PolitikerIn, mit großem Binnen-I."

Das sogenannte Binnen-I wurde vor Jahren eingeführt, zuerst bei der Tageszeitung "taz" und bei den Grünen, um zu signalisieren, dass Mann und Frau gleichermaßen angesprochen werden.

"Mit Verlaub, Sie hören es an der Stimme, Sie sehen's, da wir miteinander sprechen, Sie stehen einem Mann gegenüber."

Was will der AfD-Vorsitzende damit sagen? Dass er es als Mann nicht erträgt, seinen Namen in einer Rubrik zu lesen, deren Überschrift Frauen genauso anspricht? Geht es den Anti-Gender-Kämpfern in Wahrheit darum, dass Männer in jedem Fall - in der Sprache, bei Symbolen und bei den Jobs - die Nummer eins bleiben?



Herrje, was treibt Grüne dazu an, das Binnen-I einzuführen?
„um zu signalisieren, dass Mann und Frau gleichermaßen angesprochen werden“
Warum soll ein männlicher Politiker sich PolitikerIn nennen, wenn er das nicht signalisieren will?
Die Mutmaßung „Nummer eins bleiben“ ist an Paranoia schwer zu überbieten und passt zur Gier, Deutungshoheit um jeden Preis besitzen zu wollen.

Aber auch bei Daimler ist Vielfalt kein Selbstläufer:

"Das ist kein harmonisches Thema, das ist kein Spaziergang, das ist eher ein Marathon. Wir haben auch schon Personen aus dem Unternehmen leider herausbegleiten müssen, weil sie sich überhaupt nicht mit dem Kodex, der in diesem Hause wichtig ist, anfreunden konnten."


Und manchmal kommt auch etwas Gutes bei raus. Hier schildert Cartoon-Zeichner Scott Adams wie er darauf gekommen ist, Comiczeichner zu werden und den sehr bekannten Comic Dilbert zu erfinden:
https://www.youtube.com/watch?v=WsvpQvPDDWs
(Sinngemäß: Ihm wurde in seiner letzten Arbeitsstelle klar gemacht, dass er als weißer Mann in seinem Job nicht aufsteigen kann, da sich die Personalabteilung an festgesetzte Vielfalts-Vereinbarungen halten müsse)

Und sonst? Männer besetzen nicht nur deutlich mehr Spitzenpositionen, sie sterben auch früher. Sie bevölkern Gefängnisse und liefern sich tödliche Autorennen. Jungs sind heute im Durchschnitt schlechter in der Schule, aber bei den Amokläufern sind sie unter sich. Sie wachsen in eine Gesellschaft hinein, die ihnen auf vielfältige Weise signalisiert: Als Junge bist du die Nummer 1. Das führt nicht selten zur Selbstüberschätzung. Und schlimmstenfalls, wenn die Enttäuschungen und Kränkungen im Leben überhand nehmen, womöglich zu Gewaltausbrüchen. Auch das viel Stoff für die Gender Studies.


Genau, schlechter in der Schule zu sein, signalisiert Jungs „Als Junge bist du die Nummer 1“. Allein vom Lesen dieses letzten Absatzes habe ich das Gefühl, dass mein IQ nun um mindestens 10-20 Punkte gefallen ist und ich gleich mal in einem Gewaltausbruch irgendetwas zerstören will.

Reichlich zynisches Ende eines ideologisch behafteten Manuskripts, welch Überraschung.
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Re: Artikel: Frauen, Männer und die neue Vielfalt

Beitragvon seerose » 6. Nov 2016, 15:04

Tolle, nachvollziehbare und herzerfrischende Kommentierung; vielen Dank Severus!
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Re: Artikel: Frauen, Männer und die neue Vielfalt

Beitragvon Frank » 6. Nov 2016, 20:50

Lieber Severus,
danke 8-)

dem von dir geschriebenen kann man kaum noch etwas hinzufügen, obwohl so einiges weitere in dem Artikel auch noch etwas Zweifelhaft klingt, aber die wirklich offensichtlichen Stellen hast du sehr nachvollziehbar kommentiert.

Liebe Grüße,
Frank
Der übrigens weiß das auch die "vermeintliche Frauenförderung und noch mehr die Frauenquoten eher das Gegenteil von dem Bewirken was sie sollen, ich war oft genug
die Quotenfrau
und gebracht hat es mir absolut gar nix!
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Re: Artikel: Frauen, Männer und die neue Vielfalt

Beitragvon Severus » 9. Nov 2016, 10:50

Liebe seerose und lieber Frank,

danke für eure Rückmeldungen.
Ich kann nicht für Frauen sprechen, aber ich würde meinen, sie profitieren nicht von Artikeln wie diesen, genauso wenig wie von Quoten.
Es gibt sicherlich Diskriminierung für bestimmte Frauen, worüber sich zu schreiben lohnt, aber nicht für DIE Frau, die im Westen lebt und westliche Privilegien genießt.

Gerade was die Karriere betrifft, ist es momentan fatal, sich für ein geisteswissenschaftliches Fach zu entscheiden und tatsächlich zu glauben, man bekäme für genau seinen studierten Bereich dann auch noch ein ansehnliches Professoren-Gehalt und wenn es nicht klappt, kann es nur am Club der Patriarchen liegen.
Das Beste ist derzeit noch, sich auf ein geisteswissenschaftliches Fach einzulassen, im vollen Bewusstsein darüber, dass man sich später oder noch während des Studiums in einem anderen Bereich einen Job sucht.
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