Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität?

Transsexualität in Medien, Kunst und Kultur.

Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität?

Beitragvon Frank » 1. Jun 2015, 18:38

Liebe Forenmitglieder, liebe Gäste,

Der Tagesspiegel hat einen Artikel aus der Reihe "Das Queer-Lexikon" von Anja Kühne veröffentlicht mit folgendem Titel:
Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität?

...
Der Begriff Transsexualität ist umstritten. Genau so umstritten ist, welche Personen er überhaupt bezeichnet. Menschen, die sich als transsexuell definieren, erklären im allgemeinem, dass sie eine hohe Unzufriedenheit mit den angeborenen primären Geschlechtsmerkmalen empfinden. Sie streben stattdessen die typischen körperlichen Merkmale des anderen von zwei Geschlechtern an und haben den starken Wunsch nach hormonellen oder operativen Veränderungen. Manche lassen aber nur partielle Angleichungen vornehmen, andere verzichten ganz darauf.
...

so lautet der erste Absatz des Themas, aber nicht nur der gesamte Artikel ist sehr interessant, auch die Kommentare zu lesen kann ich Empfehlen.

Liebe Grüße,
Frank

*Eine angemessene Kommunikation kann etwas bewirken.
Aggressionen, Beleidigungen und Abwertungen führen nur zu harten Fronten, die keine Verständigung mehr zulassen.*
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Re: Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität

Beitragvon Ätztussi » 1. Jun 2015, 19:37

Der Artikel und die Kommentare sind schon spannend und interessant. Zeigt aber auch wie die Machtverhältnisse sind und staatlich subventionierte Berufstrangender wie Arn Sauer, die zugleich auch transsexuell sind, auch in dieser Diskussion präsent sind.

@ Kommentar Anja Kühne vom Tagesspiegel
Danke für Ihre Hinweise!
Liebe Leser_innen,

vielen Dank für Ihre kritischen Hinweise! Ich versuche gerne, etwas davon in dem Eintrag abzubilden.
Ich möchte aber nicht die Meinung der Vereine VTSM oder ATME über die Definition von Transsexualität als die allgemeingültige darstellen - auch nicht nach dem netten Telefonat mit Lotty Maria Wergin, die mir ihre Sicht auf die Dinge anschaulich dargestellt hat. Denn es gibt nun einmal auch Personen, die sich als transsexuell betrachten und trotzdem nicht von der Annahme ausgehen, dass das Gehirn durch physische Vorgänge vor der Geburt geschlechtlich vorstrukturiert wird. Wissenschaftlich ist diese Vorstellung mindestens umstritten (ich stütze mich dabei auch auf den neu erschienenen Aufsatz von Arn Sauer in dem Bericht des Familienministeriums "Geschlechtliche Vielfalt" - obwohl ich von Lotty Maria Wergin gehört habe, dass Arn Sauer nicht bei allen Transsexuellen akzeptiert ist).
Gerne versuche ich aber, unterschiedliche Standpunkte abzubilden. Herzliche Grüße, Anja Kühne/Queerspiegel


Frank hat geschrieben:*Eine angemessene Kommunikation kann etwas bewirken.
Aggressionen, Beleidigungen und Abwertungen führen nur zu harten Fronten, die keine Verständigung mehr zulassen.*


Deine Einschätzung teile ich nur bedingt. Polarisierende Schriften können auch was bewirken. :mrgreen:

Verständigung um jeden Preis unter Aufgabe der eigenen Identität will ich nicht. Das Genderwissenschaften, Queers und Transgender Definitionsmacht über Transsexualität bekommen muss auf jeden Fall verhindert werden.
Transgender? Nein Danke!
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Re: Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität

Beitragvon Lotty » 3. Jun 2015, 09:25

Zuerst einmal möchte ich mich bei Anja Kühne recht herzlich bedanken dass sie uns die Gelegenheit geboten hat gehört zu werden. Denke mal dass es nicht so einfach war, bei der Verfassung Ihres Artikels, möglichst wenig mit den Fettnäpfchen in Berührung zu kommen die ja nun wirklich reichlich bei diesem Thema im Wege stehen.

Ich finde Sie hat unsere Position recht gut wieder gegeben und es auch geschafft die "Gender/Queer" Position zu beschrieben, die ich hier einmal als Zitat aus dem Artikel einstellen möchte.

Andere transsexuelle Lobbygruppen können keine solide wissenschaftliche Basis für diese Darstellung erkennen. Sie glauben nicht, dass Transsexualität angeboren ist. Vielmehr wäre Transsexualität eine Reaktion auf die zwangsweise Sozialisation von Säuglingen mit Penis in der Geschlechterrolle als "Junge"/"Mann" und von Säuglingen mit Vagina in der Rolle als "Mädchen"/"Frau". Diese transsexuellen Aktivisten hinterfragen auch die strikte Unterteilung in "Männer" und "Frauen" und den sozialen Druck, diesen Rollen zu entsprechen. Operative Maßnahmen würde man in diesen Kreisen nicht verstehen als Anpassungen an ein vorab vom Gehirn biologisch festgelegtes ursprüngliches Geschlecht, sondern als Anpassung an die gewünschte soziale Rolle.

Diese Darstellung zeigt wie hier versucht wird irgendwelche andere Ursachen zu konstruieren. Man lasse es sich doch einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen. Transsexualität soll also entstehen weil Jungs zwangsweise männlich sozialisiert werden und Mädchen weiblich. Also letztlich doch wieder eine psychische Erkrankung die geheilt werden kann? Das nenne ich dann doch einmal reaktionär. Und das interessante daran ist, das sich die gleichen Menschen als Fortschrittlich bezeichnen.

Diese reaktionären Kreise verstehen also Genital angleichende Maßnahmen als übersteigerten Wunsch die soziale Rolle besonders gut zu leben. Ich frage mich wann die ersten Psychologen daher kommen und wieder anfangen zu behaupten man könne Transsexualität heilen. Das erinnert mich doch ein wenig an "Und täglich grüßt das Murmeltier".

Liebe Grüße
Lotty
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Re: Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität

Beitragvon Rosi » 3. Jun 2015, 21:56

Lotty hat geschrieben:...... Ich frage mich wann die ersten Psychologen daher kommen und wieder anfangen zu behaupten man könne Transsexualität heilen. ...


.... die sind noch gar nicht weg ;-)
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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Re: Das Queer-Lexikon Was ist Transsexualität/Transidentität

Beitragvon Rosi » 11. Aug 2015, 19:21

Ein neuer "Wurf" des Tagesspiegels


Was bedeutet Transgender
„Diese heterosexuelle Norm verlangt, dass das Auftreten einer Person mit bestimmten körperlichen Merkmalen übereinstimmen muss. „

„Das Wort „Transgender“ wird aber auch im ganz weiten Sinne verwendet. So nehmen es auch schon viele Lesben und Schwule für sich in Anspruch, weil sie mit ihrem Rollenverhalten, ihrer Bekleidung oder ihrem Empfinden nicht dem entsprechen, was sich die Mehrheitsgesellschaft unter dem Verhalten „richtiger Frauen“ und „richtiger Männer“ vorstellt, weil sie also die von der Mehrheit gesetzten Geschlechtergrenzen überschreiten. „

http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/das-queer-lexikon-was-bedeutet-transgender/12167660.html#commentInput

So lustig das auf den ersten Blick wirken mag, so richtig ist aber diese logische Fortführung des Gedankens
bezüglich Transgender – als Geschlechterrollenwechsel.

Gemäß der heterosexuellen Norm ist das binäre Geschlechtssystem und die heterosexuelle Orientierung die
soziale Norm. Die Geschlechterrollen sind demnach ebenso innerhalb dieser sozialen Norm entsprechend
zugeordnet.

Da erscheint es folglich nur als konsequent, eine homosexuelle Orientierung außerhalb dieser sozialen Norm
von Geschlechterrollen zu sehen und Menschen mit dieser Thematik als Transgender zu bezeichnen.

Genau genommen wären dann z.B. auch Männer, die einen Kinderwagen schieben, als Transgender zu sehen
oder auch Frauen, die mit Bohrmaschinen hantieren. Spätestens an diesem Punkt aber beschleicht einen
das Gefühl, dass hier etwas nicht mehr passen kann.

In gleicher Weise, wie wenn man sagt, dass Hirsutismus bei Frauen ein transsexuelles Körpermerkmal ist
und das ein Rollenverhalten welches nicht der sozialen Norm entspricht einen Transgender ausweist, würden
diese Betrachtungen das Transsexualität- und das Transgender-Verständnis sehr weit in die Gesellschaft
hinein tragen, viele Menschen damit in Berührung bringen und in der Folge den Umgang mit diesen Themen
beeinflussen und damit wiederum die sozialen Normen verschieben.

Eigentlich wird damit jedem vor Augen geführt, wie normal transsexuelle Merkmale und Transgender-Verhalten
sind und wie vielleicht jeder ein Stück davon selbst als Thema hat. Eigentlich perfekt – und weil es so perfekt
ist, wird sich die Gesellschaft auch auf diesen Punkt hin entwickeln.

Doch wird dies Alles nichts an der Tatsache ändern, das es Menschen geben wird, deren körperliche
Geschlechtsmerkmale oder deren an sie gestellte geschlechtliche Rollenerwartung nicht ihrem geschlechtlichen
Wesen entsprechen. Sind das dann „Ganz-transsexuelle Menschen“ oder „Ganz-Transgender“ oder vielleicht
alles nur „Norm-Wandler“?

Ich halte es für einen hervorragenden Ansatz, alle von der heterosexuellen Norm abweichenden Menschen
als Transgender zu bezeichnen – also auch schwule und lesbische Menschen. Das ist eine klare Aufforderung,
sich mit der Sinnhaftigkeit solcher Überbegriffen wie Transgender oder Trans* zu beschäftigen.

Dann brauchen wir kein LSBTTIQ mehr, denn dann reicht ein T. Dann erfahren auch andere Gruppen aus dem
Spektrum der Vielfalt, wie es ist, wenn man verschwindet – in der Ansprache, in der Definition, in den
Prozessen der Selbstfindung, in der Behandlung, in ihren eigenen Problemstellungen, im Verständnis der Gesellschaft.

Dann sind wir alle nur noch Menschen – alle gleich. Aber wollen wir alle gleich sein? Verliert dann das Individuum
an Bedeutung? Braucht es dann wieder Dinge, die uns individuell verschieden machen, Dinge die den Fokus wieder
auf die Eigenschaften der Menschen richten und damit auch einem gerecht werdenden Umgang mit dieser Vielfalt?

Genügt es z.B. besonders gut zeichnen zu können, besonders künstlerisch oder handwerklich begabt zu sein um
der Individualität gerecht zu werden – oder ist es jede Eigenart wert beachtet und genannt zu werden? Ich denke,
alles was es gibt ist auch Wahrheit und verdient seine bewusste und genannte Existenz – das gilt auch für
Menschen mit ihrer LSBATTIQ Thematik.
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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