mediale Verantwortung

Transsexualität in Medien, Kunst und Kultur.

mediale Verantwortung

Beitragvon seerose » 15. Jul 2019, 12:22

Medien sind in ganz besonderer Weise gefragt in der Darstellung von Minderheiten oder von gesellschaftlichen Gruppen, die für solche gehalten werden.
Für Letztere und ausgewählte Minderheiten machen sich die Medien auch gerne ganz besonders stark und konstruieren dafür bisweilen auch allerlei "Relotorisches", auch um eine besonders positive Darstellung gewisser "Minderheiten" zu bewirken.
Die besonders kleine Minderheit originär transsexueller Menschen (NGS) gehört nicht zum Kreis derer, über die neutral oder gar positiv berichtet wird bzw. für die ein entsprechendes Narrativ geschaffen wird.
Deshalb richtet sich unsere Streitschrift und richten sich unsere Vorhaltungen auch in besonderer Weise an die Medienschaffenden und die "Gatekeeper" aller Provenienz , die in der Vergangenheit bis heute ein einseitig verzerrtes Bild von uns geschaffen haben, wobei dieses äußerst diskriminierende Klischee weidlich von ihnen bedient wird.
Dagegen protestieren wir nachdrücklich, und klagen an!
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Der nachfolgende Beitrag versteht sich als STREITSCHRIFT gegen die bewußte und/oder unbewußte MENSCHENRECHTS-VERLETZUNG, die originär
transsexuelle Menschen (NGS) schon historisch gesehen, aber leider auch heutzutage in bezeichnend dreister und perfide praktizierter Weise erfahren mußten und müssen.

Wir als Vereinigung TransSexueller Menschen (VTSM) e.V. legen dagegen unseren ausdrücklichen Protest ein, und FORDERN:

* Die unverzügliche Beseitigung des eklatanten Unrechts durch die
bislang praktizierte Entmündigung Transsexueller Menschen (NGS),
denen im Gegensatz zu allen anderen Menschen IHR GESCHLECHTS-WISSEN
abgesprochen wird!


So müssen es sich selbst Menschen, die seit einigen Jahrzehnten im geschlechtsstimmigen Körper leben, gefallen lassen,
medizinisch-therapeutisch als "GESCHLECHTS-DYSPHORISCH" eingeordnet und schriftlich so "diagnostiziert" zu werden...
Der gesamte Text mit Quellenangaben als link unter "Veröffentlichungen...", hier im Forum, bzw. als Fließtext unserer Internet-Seiten unter "Neues" :
Handout-VTSM

Für die Administration und den Vorstand,
Frank
Zuletzt geändert von Frank am 15. Jul 2019, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: mediale Verantwortung

Beitragvon Frank » 16. Jul 2019, 09:29

Ich möchte hier als weiteren Aspekt zur Diskussion einmal auf den Folgenden Aspekt eingehen:

Die Entwicklung der Gesundheitswissenschaft versus der Entwicklungen in den sozialwissenschaftlichen Bereichen: Sozialpädagogik, Psychologe und verquickt damit die "Gender Studies".

Die Gesundheitswissenschaft ist noch im Umbruch, es geht weg vom Pathologisieren hin zum salutogenetischen Blickwinkel.
Obwohl in diesem Wissenschaftsbereich sowohl die gesellschaftliche, als auch die individuelle Gesundheit des einzelnen Menschen Beachtung findet, geht es vor allem darum wie Menschen generell mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen möglichst ohne gravierende Auswirkungen auf ihre Lebenssituationen bestmöglich Leben können. (Sehr vereinfacht ausgedrückt)

In den sozialwissenschaftlichen Bereichen wiederum gibt es "Thesen" und "Theorien", die nur die soziale Interaktionsebene im Blick haben, also sich nur auf das gesellschaftliche Miteinander beziehen, ohne die Individualität und insbesondere ohne von den Thesen und Theorien abweichende Aspekte zu Beachten. Daraus Resultiert unter anderem die (soziale!) Geschlechts-Identität (die ausschließlich im interaktiven sozialkontext -> Geschlechtsrollenbezug! betrachtet wird).

Das absolut Fatale dabei ist, dass die Medien diese "rein sozial basierte Geschlechts-Identität" in besonderem Maße immer wieder Befeuert und dabei von den großen Vereinen mit dem vermeintlichen Betroffenenvertretungsanspruch bestätigt wird. Daraus resukltiert das aktuelle mediale Bild des "Geschlechts-Rollen-Wechsels", welcher tatsächlich bei der Phänomenlage "Transgender" auch zutreffend ist.
Hier besteht aber nun das eigentliche Problem, denn diese "Phänomenlage" gibt es ja gar nicht mehr, da ja alle Phänomenlagen unter diesem Begriff bezeichnet wurden, es ist ja ein Oberbegriff (einer von mehreren die aber alle für DAS GLEICHE stehen!).
Das mittlerweile der Begriff "Trans*" (ja völlig offen auch für andere Aspekte, nur nicht für Transsexualität (NGS) die nicht als solche benannt wird/werden darf) den "Transgender" Begriff abgelöst hat, hat letztlich nur dazu geführt dass noch mehr individuell weitergefasste soziale Geschlechtsrollenthemen in diesen Oberbegriff eingeflossen sind, während eine notwendige Differenzierung gar nicht mehr benannt werden darf.

Die aktuell im medizinischen Bereich (von Gatekeepern, welche diese Funktion verschleiern wollen) dementsprechend "passende" neue Diagnose der "Gender/Geschlechts Dysphorie" bzw. der "Gender Inkongruenz" bezieht sich ausschließlich nur noch auf diese (aus den Sozialwissenschaften stammende!) "soziale Geschlechts(Rollen)Identität".

Gruppen und einzelne Menschen, welche sich gegen diese "falsche Bezeichnung" und auch "falsche Basisannahme" zur Wehr setzen, werden insbsondere von der sogenannten "Community" mit allen verfügbaren Mitteln Mundtod gemacht.
In den Medien werden sie gar nicht erst wahrgenommen, weil sie gar nicht bis in die Öffentlichkeit vordringen, sie werden frühzeitig "blockiert".

Im Medienmarkt geht es ohnehin vor allem um das "Besondere", das "Auffälige" - nicht um die Realität!

Wo und Wie kann also dagegen vorgegangen werden?
Wie kann die Sichtbarkeit, insbesondere im Gesundheits-System unserer Phänomenlage wiederhergestellt werden?
Was können wir - der :vtsm-klein: - tun, damit die Bedarfslage unserer Phänomenlage sichtbar bleibt, das die notwendige medizinische Versorgung erhalten bleibt?

Fragen, die nicht erst seit dieser Streitschrift unsere Arbeit als Verein beschäftigen und beeinflussen.

Übrigens, hier darf gern Diskutiert werden....denn aus Diskussionen können sich auch neue/weitere Ansätze entwickeln.

Liebe Grüße,
Frank
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Re: mediale Verantwortung

Beitragvon seerose » 16. Jul 2019, 10:37

An dieser Stelle sei nochmals explizit auf die eindrucksvolle Medienanalyse und die Schlußfolgerungen von Hans Krah verwiesen:
Hans Krah: Bilder von Transsexuellen - Menschenbilder?, in: Petra Grimm et al. (Hg.): Menschenbilder in den Medien - ethische Vorbilder?, Wiesbaden 2002. Online: http://tiny.cc/mlfq7y (3.6.2019).
"(1.) Der Umgang mit dem Thema Transsexualität ist nach wie vor und von Einzelfällen abgesehen verkrampft (21), wobei unter dem Vorwand eines vermeintlichen Tabubruchs eigene Vorstellungen (sowohl Ängste als auch Ideale) auf diese Menschen projiziert werden (Scheintoleranz als Instrumentalisierung)". (ebenda, S. 120)
Das bislang medial geschaffene Image von transsexuellen Menschen bewegt sich zwischen ekelerregendem, unheimlichen Monster einerseits (z.B. im Krimi-Genre, allen voran: "Tatort", aber auch z.B. in "Das Schweigen der Lämmer", dem bisweilen parodierend begegnet wird (The Rocky Horror Picture Show), das andererseits transsexuelle Menschen als völlig lächerliche Typen präsentiert.
Interessant auch, daß eigentlich immer nur transsexuelle Frauen dargestellt werden, denen der Stempel: "als Mann geboren" unentrinnbar und unausgesprochen durchgehend "lebenslang" aufgedrückt wird!

Besonders zuzustimmen ist Hans Kral auch hinsichtlich seiner Schlußfolgerung:
"(6.) Transsexualität ist ein integrer Bestandteil der menschlichen Persönlichkeit, der sich als aktiver, individueller (Erkenntnis- und Erlebens-)Prozess äußerst: Darstellungen als passives Objekt magischer Omnipotenzphantasien sind ebenso abzulehnen, wie die Reduktion auf Sexualität...aufgebrochen und durch weitere Aspekte menschlichen Lebens (Hobbys, Beruf, Beziehungen etc.) zumindest ergänzt, besser abgelöst werden müßte.
Transsexuelle Menschen dürfen nicht mehr als Typen, sondern müßten in ihrer Menschlichkeit, in komplexen Lebenszusammenhängen dargestellt werden.
Wo dies in den Medien geschieht, übernehmen zumindest diese eine ethische Vorbildfunktion."
(ebenda, S.121)
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Re: mediale Verantwortung

Beitragvon Frank » 21. Jul 2019, 07:46

Besonders zuzustimmen ist Hans Kral auch hinsichtlich seiner Schlußfolgerung:
"(6.) Transsexualität ist ein integrer Bestandteil der menschlichen Persönlichkeit, der sich als aktiver, individueller (Erkenntnis- und Erlebens-)Prozess äußerst: Darstellungen als passives Objekt magischer Omnipotenzphantasien sind ebenso abzulehnen, wie die Reduktion auf Sexualität...aufgebrochen und durch weitere Aspekte menschlichen Lebens (Hobbys, Beruf, Beziehungen etc.) zumindest ergänzt, besser abgelöst werden müßte.
Transsexuelle Menschen dürfen nicht mehr als Typen, sondern müßten in ihrer Menschlichkeit, in komplexen Lebenszusammenhängen dargestellt werden.
Wo dies in den Medien geschieht, übernehmen zumindest diese eine ethische Vorbildfunktion." (ebenda, S.121)


Dieser Aspekt spielt aber auch in Bezug auf die sogenannte "Community" also diejenigen die öffentlichkeitswirksam , sei es als vermeintlich Selbstbetroffene oder auch als vermeintliche Unterstützer, ihre "Verqueeren Sichtweisen" in die Medien, die Politik und die Gesellschaft tragen.

In diesen Strukturen geht es letztlich immer um zwei Aspekte die Omnipräsent sind:
Bunt, Schrill und damit Auffallend -> insbesondere mit CSDs, aber auch in anderen Zusamemnhängen die mit viel Öffentlichkeitsaufmerksamkeit zu tun haben (Shows, Gesang, usw.), wobei hier besonders die "Geschlechtsrollenthematik" im präsenten Vordergrund steht, je offensichtlich die Diskrepanzen, desto mehr werden die Personen innerhalb der Community gefeiert.
Die Opfer -> Personen mit Geschlechtsthematiken werden als "mehr oder weniger" passive Menschen dargestellt, die Hilflos einem Ablehnenden Umfeld ausgeliefert sind und die negativen Erfahrungen werden als "Böses Verhalten durch die Anderen" dargestellt.

Damit Agiert diese Community sowohl negativ gegenüber den Betrofenen - sie müssen ja entwerde "Bunt & Schrill" sein, oder sich als "Opfer" präsentieren und auch selbst sehen, als auch gegenüber den Umfeldpersonen sehr Blockierend.
Für die Medien sind diese aus den Communities hochgejubelten "bunten & schrillen Persönlichkeiten" natürlich ein gefundenes Fressen, bieten sie doch viel Aufmerksamkeit auch durch die "Normalbevölkerung", die Opfertypen sind da nicht ganz so gute Magneten, aber auch diese lassen sich mit etwas Nachhilfe und passendem Auftreten gut verkaufen.

Dazu kommt das gesellschaftliche Tabuthema "Mann der sich als Frau präsentiert", dies hat aber sehr viel mit den Geschlechtsrollenbildern zu tun.
Und hier kommt nun der gerade sehr aktuelle neue Bezugspunkt der "Nichtbinarität" -> schien es zunächst noch so, als würde dies nur die sehr kleine Minderheit betreffen, welche sich tatsächlich weder als Frau, noch als Mann in eindeutiger Form zugehörig empfanden, so gehen die neuesten Bestrebungen (aus den Gender-wissenschaften) nun dahin jedes "Abweichen von den klassischen Geschlechtsrollenbildern" als "Nichtbinär" zu bezeichnen.....

Nur mal als Anregungen zum Nachdenken eingeworfen, denn es betrifft nur einen "Teilaspekt" der Medialen Thematik.

Liebe Grüße,
Frank
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