ablatio genitale - Phantomschmerzen

Neues aus Forschung und Wissenschaft zum Thema Transsexualität

ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon seerose » 30. Jun 2017, 22:07

In nachfolgendem Youtube-Video erklärt der Professor für Neurowissenschaften, Dr. Robert Sapolsky:
"A trans person's brain is similar to that of the gender they identify with"; darüber hinaus betont er zudem, daß bei 60% der männlichen Krebspatienten, denen infolge ihrer Erkrankung der Penis amputiert werden mußte, Phantomschmerzen auftraten, im Gegensatz zu ehemaligen transsexuellen Frauen (post-op), wo dies nicht vorkam.
https://www.youtube.com/watch?v=Erexuu8PTo8
Vor diesem Hintergrund wäre einmal eine Untersuchung anzuregen, wie sich dies bei späteren "Regrettern" verhält. Ich vermute einmal, daß sich da eine ähnliche Relation wie bei einschlägig-op. männlichen Krebspatienten ergäbe...
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon Selfmademan » 1. Jul 2017, 07:55

Interessant. Jemand aus meinem Ex-Dunstkreis hatte 23 Tage nach der Suporn-OP heftigste Phantomschmerzen. Soll sich wie ein erigierter Penis angefühlt haben und der Körper suchte die zerschnittene Eichel. Der Schmerz sei anfänglich immer gewandert. Rauf und wieder runter, bis zu dem Zeitpunkt wo der Körper mit Hilfe von "ins Leere greifen" kapiert hätte, daß "da unten" nichts mehr sei.

Ich hatte nie Phantomschmerzen. Einzige Ausnahme nach der Ovariohysto. Da hatte ich wenige Jahre ab und an immer mal wieder Seitenstechen in der Lendengegend gepaart mit Narbenschmerzen. Dies trat aber nur bei Wetterwechsel auf, das aber auch nur, wenn der Wetterwechsel just in dem Monatszeitraum stattfand, wo ich zu "weiblichen" Körperzeiten die Menstruation hatte. Schon seltsam. Bereits habe ich dieses Phänomen schon Jahre nicht mehr gehabt.

Es wäre noch hilfreich zu klären welche Phantomschmerzen du meinst werte Seerose. Die die direkt nach einer OP auftreten können, was eigentlich normal ist oder die, die auch nach kompletter Abheilung nicht verschwinden. Und in dem Zusammenhang, was wäre ich dann nach deinem Beispiel entsprechend? ;)
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon Jenn » 1. Jul 2017, 08:08

Bedauern über die vollzogene GAOP - Genitalverstümmelung.

Ich selbst kenne mehrere Personen, welche die GAOP bedauern und von Genitalverstümmelung reden. Seelische Probleme, welche genau nach der GAOP auftreten und den Weg zum Psychologen
Notwendig machen.
Ich selbst habe die GAOP lange hinter mir. Eine gelungene OP und dennoch gibt es Situationen, in welchen ich die GAOP als Genitalverstümmelung bezeichne und Bedauern über diese OP aufkommt.

Phantomschmerzen kenne ich nicht.

Trotz Bedauern über die GAOP - Genitalverstümmelung gibt es keine ähnliche Relation.
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon seerose » 1. Jul 2017, 08:39

Selfmademan hat geschrieben:Interessant. Jemand aus meinem Ex-Dunstkreis hatte 23 Tage nach der Suporn-OP heftigste Phantomschmerzen. Soll sich wie ein erigierter Penis angefühlt haben und der Körper suchte die zerschnittene Eichel. Der Schmerz sei anfänglich immer gewandert. Rauf und wieder runter, bis zu dem Zeitpunkt wo der Körper mit Hilfe von "ins Leere greifen" kapiert hätte, daß "da unten" nichts mehr sei.

Das klingt zumindest für mich äußerst seltsam! Ich bin da zwar nicht "die" Expertin, d.h., ich muß mich da auf mich selbst, und das, was zum Beispiel die Experten hierfür (bevorzugt Neurowissenschaftler) dazu sagen.
Allerdings muß ich mich ein wenig korrigieren, denn Dr. Sapolsky spricht nicht von Phantomschmerzen, sondern vielmehr von Phantom-Wahrnehmungen (-Gefühlen), was aber der von Dir zuvor skizzierten "Erfahrung" entsprechen könnte...
Selfmademan hat geschrieben:Ich hatte nie Phantomschmerzen. Einzige Ausnahme nach der Ovariohysto. Da hatte ich wenige Jahre ab und an immer mal wieder Seitenstechen in der Lendengegend gepaart mit Narbenschmerzen. Dies trat aber nur bei Wetterwechsel auf, das aber auch nur, wenn der Wetterwechsel just in dem Monatszeitraum stattfand, wo ich zu "weiblichen" Körperzeiten die Menstruation hatte. Schon seltsam. Bereits habe ich dieses Phänomen schon Jahre nicht mehr gehabt.

Ich denke, daß man reine OP-Schmerzen, die sich sicher auch über eine unterschiedliche zeitliche Länge erstrecken können, von Phantom-Wahrnehmungen und -Schmerzen trennen muß!
Selfmademan hat geschrieben:Es wäre noch hilfreich zu klären welche Phantomschmerzen du meinst werte Seerose. Die die direkt nach einer OP auftreten können, was eigentlich normal ist oder die, die auch nach kompletter Abheilung nicht verschwinden. Und in dem Zusammenhang, was wäre ich dann nach deinem Beispiel entsprechend? ;)

Wie bereits besagt, bin ich keine Phantom-Expertin. Ich halte das aber für eine interessante wissenschaftliche Fragestellung für Neurowissenschaftler!
Meine eigene Erfahrung und mein Verständnis dazu sagt mir allerdings, daß Phantomschmerzen eng mit einer Wahrnehmung z.B. von einmal vorhandenen Körperteilen, zusammenhängen. Wenn diese ehemaligen Organe konkret sensiert werden, was bei mir noch nie der Fall gewesen ist, halte ich das aber für weiter abklärungsbedürftig. So wie Du es schilderst, erscheint mir aber Deine eigene Erfahrung keine Phantom-Wahrnehmung mit damit verbundenen Phantomschmerzen gewesen zu sein. Anders sehe ich das in dem von Dir eingangs geschilderten Fall, aber wie gesagt, das sollte ein Neurowissenschaftler besser beurteilen können...
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon seerose » 1. Jul 2017, 08:55

Jenn hat geschrieben:Bedauern über die vollzogene GAOP - Genitalverstümmelung.
Ich selbst kenne mehrere Personen, welche die GAOP bedauern und von Genitalverstümmelung reden. Seelische Probleme, welche genau nach der GAOP auftreten und den Weg zum Psychologen Notwendig machen.
Ich selbst habe die GAOP lange hinter mir. Eine gelungene OP und dennoch gibt es Situationen, in welchen ich die GAOP als Genitalverstümmelung bezeichne und Bedauern über diese OP aufkommt.

Hallo Jenn,
Ein Bedauern kann natürlich sehr unterschiedliche Hintergründe haben. In Deinem von Dir selbst skizzierten Fall scheint das Bedauern ja "nur" bisweilen aufzutreten. Hilfreich wäre es für Dich abzuklären, um welche "Situationen" es sich da handelt, und unter welchen Umständen dieses Gefühl des Bedauerns bei Dir nicht vorherrscht!
Jenn hat geschrieben:Phantomschmerzen kenne ich nicht.

Wie bereits von Dr. Sapolsky gesagt, treten Phantom-/Organ-Wahrnehmungen auch bei krebsbedingt penisamputierten Männern "nur" in 60% aller dieser Fälle auf.
Jenn hat geschrieben:Trotz Bedauern über die GAOP - Genitalverstümmelung gibt es keine ähnliche Relation.

Ich denke, daß ein Bedauern über die GaOP und die entsprechende "Empfindung Genitalverstümmelung" nur jeder Mensch für sich selbst richtig beurteilen kann. Wenn das aber so gesehen wird, dann ist mit der GaOP allerdings ein fataler Fehler gemacht worden!
Liebe Grüße
Seerose
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon Selfmademan » 1. Jul 2017, 09:02

Was bedeutet "sensiert"? Kenne das Wort nicht. Zu meiner eigenen Situation: Ich hatte bei jeder Mens unerträgliche Schmerzen. Ich habe die Mens generell abgelehnt, verabscheut und mich davor geekelt. Bin da jedesmal körperlich wie psychisch halbe Tode gestorben. Ich denke es könnte ein unregelmäßiges Abrufen von körperlichen Erinnerungen gewesen sein oder eine unbewußte psychische Verarbeitung mit körperlichen Reaktionen, daß nun endlich alles vorbei ist. Wobei die Phantomschmerzen nach der OP um Welten harmloser waren. Anstatt eines heftigen Dauerziehens war es mehr ein kurzes ziehendes aufmucken in Intervallen gewesen. Körperlich hat es mich nicht mehr beeinträchtigt, nur psychisch hatte mich das noch etwas irritiert. Wobei wenn ich mich zurückerinnere, habe ich dieses Phänomen seit meiner vermurksten Klitpen-OP in Essen nicht mehr gehabt, denn ab da war für mich das Genital optisch nicht mehr ursprünglich weiblich. Schon interessant wenn man mal genauer hinsieht.

Die obige Suporn-Patientin hat seit dem "ins Leere greifen" nie wieder OP-Schmerzen an der alten Eichelstelle empfunden, also nicht mehr an der ehemaligen Penisspitze sondern nur noch direkt zwischen den Beinen wo die Eichel zerschnibbelt neu hinverlagert wurde.
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon Lotty » 1. Jul 2017, 09:51

Selfmademan hat geschrieben:Die obige Suporn-Patientin hat seit dem "ins Leere greifen" nie wieder OP-Schmerzen an der alten Eichelstelle empfunden, also nicht mehr an der ehemaligen Penisspitze sondern nur noch direkt zwischen den Beinen wo die Eichel zerschnibbelt neu hinverlagert wurde.

Ok, du als Mann siehst die Sache möglicherweise anders, aber gelegentlich gibt es auch Frauen die anstatt von der Klit von der Penisspitze reden. Ich frage mich dann immer ob die sich richtig entschieden haben. Ich kann mich noch gut an mein erstes Vorgespräch bei Dr.Pottek in Hamburg erinnern. Er erzählte mir, dass in der ersten Zeit Berührungen der Klit wie Berührungen an der Penisspitze wirkten. Erst nach längerem Training würde sich die Situation ändern.

Meine OP selbst hatte ich dann in Erding bei Dr.Taskow und als der dann am Tag nach der OP den Sensibilitätstest machte, berührte er meine Klit. Es war die Klit und es fühlte sich auch so an. Also nichts da mit Penisspitze. Für mich war nach der OP gefühlsmäßig alles richtig, es gab dieses Körperteil meiner Vergangenheit nicht mehr, weder vom Gefühl, noch vom Bewusstsein. Ähnliches hatte ich auch vom Pullern gehört, man müsse sich erst daran gewöhnen, auch hatte ich mich gefragt wie oft ich wohl ins Leere greifen würde. Nicht einmal ging der Griff ins Leere und auch mit dem Pullern war es einfach normal, es stellte nicht wirklich etwas neues dar, obwohl es doch real wirklich neu war.

Bereut habe ich den Schritt bisher nicht eine Mikrosekunde lang. Es war richtig, einfach nur richtig und es war das schönste was ich mir jemals geschenkt hatte.

LG Lotty
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon seerose » 1. Jul 2017, 10:21

Selfmademan hat geschrieben:Was bedeutet "sensiert"? Kenne das Wort nicht.

Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe
Sensieren
[357] Sensieren (sensus, Sinn): Empfinden, Wahrnehmen.
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon Gast » 1. Jul 2017, 11:11

seerose hat geschrieben:In nachfolgendem Youtube-Video erklärt der Professor für Neurowissenschaften, Dr. Robert Sapolsky:
"A trans person's brain is similar to that of the gender they identify with"; darüber hinaus betont er zudem, daß bei 60% der männlichen Krebspatienten, denen infolge ihrer Erkrankung der Penis amputiert werden mußte, Phantomschmerzen auftraten, im Gegensatz zu ehemaligen transsexuellen Frauen (post-op), wo dies nicht vorkam.
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Ihm ist evtl nicht ganz klar was eine Genitaloperation bei transsexuellen Frauen ist. Kann man ja auch nicht wissen wenn man sich nicht die Mühe macht sich das mal genauer anzusehen, was für Männer ja anscheinend schon beim Hinschauen schmerzhaft ist. Vielleicht sollte man ihm mal sagen dass eine Genitaloperation bei Frauen keine Penisamputation ist, ausser vielleicht man macht diese bei irgendwelchen absoluten Stümpern oder geht 30 Jahre in der Zeit zurück, wo es noch gängig war einfach auch die Klitoris mit zu entfernen.
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Re: ablatio genitale - Phantomschmerzen

Beitragvon Selfmademan » 1. Jul 2017, 11:55

Hallo Lotty, die besagte Patientin beschrieb es so daß der Körper mit dem Schmerzpunkt anfänglich gewandert sei und das Eichelgewebe welches zu einer Klit geformt wurde, gesucht hat. Es fühlte sich an als wenn der Schmerz den
erigierten Schaft entlang hochgefahren ist um dort den Schmerzpunkt in der ehemaligen Penisspitze zu lokalisieren. Nur daß die ja nicht mehr da war. Dann hielt es inne und der Schmerz war mitten im Schaft, der ja auch nicht mehr da war. Dann wanderte es wieder runter, der Schmerz war nun in der Klit und in den "Eichelseitenteilen". (Nagelt mich jetzt nicht wegen Formulierungen fest. Ihr wisst selber was ich meine.) Dann ging es wieder nach oben und das hin und her dauerte Stunden. Bis sie mit der Hand nach unten griff und ihrem Körper sagte "Da ist nichts mehr, da ist kein Penis mehr!" Dreimal hat sie so "ins Leere" gegriffen und ab da war der Schmerz da wo er hingehört, in der neugeformten Klit und den versteckten Eichelseitenteilen innerhalb der kleinen Schamlippen. Von Phantomwahrnehmungen hat sie nie berichtet nur vom wandernden OP-Schmerz.

Suporn selber sagt, daß es normal sei. Der Körper rekartiert neu und lernt wo die neuen Stellen sind und vergißt die alte Geographie. (Nicht mit rein geistigen Erinnerungen verwechseln)
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