Transsexuell, der richtige Begriff?

Neues aus Forschung und Wissenschaft zum Thema Transsexualität

Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Trischa » 16. Jun 2017, 21:23

Bisexuell meinte ursprünglich d.h. evolutionsbiologisch, die bisexuelle Fortpflanzung im Sinne von männlicher und weiblicher Verschmelzung.
Die städtische homosexuelle Bohème der 1920er Jahre verstand unter bisexuell so etwas ähnliches wie Transvestiten, d.h. Menschen die in ihrem sozialen Ausdruck männliche und weibliche Kontexte zitieren so eine Art Vorläufer von Genderqueer.
Transsexuell in einer evolutionsbiologischen Tradition bedeutet, dass sich ein Mensch transsexuell nicht fortpflanzen kann. Homosexuelle Menschen können sich homosexuell auch nicht fortpflanzen. Das sind biologische Basics. Evolutionsbiologie geht auf Carl v. Linné zurück. Transsexuelle wurden vor 1900 synonym zu Intersexuellen verstanden. Jedoch war ein wichtiges Kriterium, dass sich ein transsexueller oder intersexueller Mensch eben nicht fortgepflanzt hat. Trotzdem ist Transsexuell kein echter evolutionsbiologischer Begriff. Er gibt durch das -sexuell vor einer zu sein. Das hat nichts mit sexueller Orientierung zu tun. "Sexuelle Orientierung" ist ein moderner Begriff, der um 1900 als diese Begriffe entstanden unbekannt war. Vermutlich haben sich homosexuelle Menschen zu Begrinn des 20. Jahrhunderts von dieser evolutionsbiologischen Argumentation angewidert gefühlt. Diese tradierten Begriffe sind Ausdruck eines heterosexuellen Zentrismus. Heute erleben wir allerdings eine gewisse homosexuelle Perspektive in sozialen Geschlechtsfragen und einen Paradigmenwechsel. Transsexuelle erfahren hier eine Zerreißprobe.

Der Thread hier ging der Frage nach, ob Transsexuell ein richtiger Begriff sei. Ich würde sagen, ja aber: Transsexualismus als Begriff lehne ich ab. Ich persönlich würde das heute eher so interpretieren, dass ein Mensch, das ist was er tut. Also der Mensch kann theoretisch alles mögliche und auch gleichzeitig sein. Jetzt denken bestimmt wieder welche: Man ist entweder Frau oder Mann. Auch dazu sage ich: Ja, aber: Der homosexuelle Mann, der sich fortgepflanzt hat, ist eben in dieser Situation heterosexuell gewesen. Das ändert aber nichts an seinem homosexuellen Verständnis. Allerdings sind so Fälle selten.
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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Hera » 17. Jun 2017, 00:40

Nö, er hat sich heterosexuell fortgepflanzt, er hat es getan - aus Gründen.

Was aber hat das mit seinem Sein zu tun?

Würde er Spaß daran empfinden es öfter zu tun, dann würde ich sagen, er steht eben nicht nur auf das eigene Geschlecht, sondern auch auf Frauen und da würde man dann heute sagen, er wäre bisexuell und nicht homosexuell.

Obwohl ich mich selbst intensiv erkunde, kenne ich mich noch lange nicht bis ins letzte Detail.

Und so könnte es auch bei diesem Beispiel sein. Er meint, er wäre homosexuell, findet dann aber plötzlich auch an Frauen gefallen und ist bisexuell - auch, wenn es für ihn vielleicht nicht infrage käme mit einer Frau eine Beziehung zu führen.

Es gibt da einige Möglichkeiten.

Wer kennt sich schon wirklich selbst bis ins letzte Detail?
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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Jenn » 9. Jan 2018, 20:19

Ich weis nicht genau wohin, wird sowieso kontrolliert. Hier was Seikowski sagt:

http://geschlechtergerechtejugendhilfe. ... kowski.pdf

Verschiebts oder löschts, wie Ihr gerne hättet. Nicht alles was ich anbringe muss auch veröffentlicht werden.
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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Frank » 15. Jan 2018, 12:32

Nun man merkt wo Seikowski steht:
Auf Seiten der lauten "Transidentität schreienden" Betroffenen.....
vermutlich ist ihm gar nicht Bewusst das dies von anderen Betroffenen deutlich abgelehnt wird?

Wie sonst könnte auch er auf dieses Vermischende Verwirrspiel eingehen?
Er wiederholt deutlich was Trans*Vertreter aus Berlin vorbeten und mit Hilfe des BMFSFJ verbreiten:
Alles ist das "Gleiche" und Transsexualität eine "falscher veralteter Begriff"....es geht doch sowieso ALLEN (NEIN!) nur um die Geschlechtsidentität (im sozialen Sinne).

Leider gibt es massenhaft solcher Fehlinformiertheiten an so vielen Stellen das man gar nicht mehr Nachkommen kann, alle richtig zu Informieren.

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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Selfmademan » 16. Jan 2018, 23:28

Seltsam, "wir", also ich und "du weißt schon wer" hatten mal eine Ausarbeitung zu ihm geschickt die auf die Trennung von TS und TG eingegangen ist. Ergebnis war daß er uns beigepflichtet hat und jetzt das? Was soll man denn jetzt noch glauben?
Seit Mai 2014 endlich fertig. :) Ein ganzer Kerl dank Bogenhausen. ;)

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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon ThorinEichenschild » 16. Jan 2018, 23:42

Wenn ich das richtig lese ist das ein Auszug aus einem Vortrag mit anderen Worten " Wer weiß wer das geschrieben hat und ob Seikowski dass so wirklich von sich gegeben hat"
Das Leid brachte die stärksten Seelen hervor. Die allerstärksten Charaktere sind mit Narben übersät
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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Jenn » 17. Jan 2018, 13:37

Es ist immer gut solche Dinge zu überprüfen. An Ort und Stelle. Ich hab's getan und ich weis wie das so ist mit den Begriffen.

Wer am Kirchentag irgendwann im, ach das muss jetzt bald zwei Jahre her sein, teilgenommen hat, weis was Herr Seikowski vom Begriff Transsexualität und Transident hält.

"Der Psychologe Kurt Seikowski aus Leipzig spricht statt "Transsexualität" lieber von "Transidentität", denn die betreffenden Menschen hätten ja kein Problem mit ihrer "Sexualität".


ATME war übrigens auch da.
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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Hera » 17. Jan 2018, 18:07

Ah doch, ich hatte sehr wohl ein Problem mit meiner Sexualität, denn penetrieren konnte ich gar nicht. Ich konnte weder meine Sexualität leben noch war mir so, wie mein Körper damals war, flirten in irgendeiner Art und Weise möglich.

Aber Herr Seikowski differenziert wohl auch lieber nicht.
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Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Jenn » 18. Jan 2018, 16:04

Hallo Hera, ohne Dir persönlich nahetreten zu wollen, stelle ich die Frage, welche Sexualität, welche gelebte Sexualität sollte zur Diagnostik der Geschlechtszugehörigkeit heran gezogen werden?

Welche sexuelle Ausrichtung, welche sexuelle Praktiken, welche Vorlieben, Spaß am Sex oder auch nicht, sei die Richtige um die Geschlechtszugehörigkeit festzustellen?

Lässt sich durch Lust am Sex die Geschlechtszugehörigkeit feststellen? Was ist mit den Leuten, welche die ausgeübte Sexualität mit Frau und Kind eine tolle Sache war?

Ich habe so eine tolle Sexualität hinter mir, jahrelang mit der selben Partnerin, ohne Ekel zu empfinden. Es wird auch nicht besser hinterher zu behaupten, das war alles nur Schauspielerei und Täuschung und auf einmal nicht mehr wahr
Spaß am Sex lustvoll mit der Partnerin gehabt zu haben.

Es soll Leute geben, da steht Latex und Auspeitschen auf der Liste der Sexualität.

Welche Sexualität, welche gelebte Sexualität wäre denn da ein Ausschlusskriterium bzw. kein Ausschlusskriterium?
Jenn
 

Re: Transsexuell, der richtige Begriff?

Beitragvon Frank » 18. Jan 2018, 19:35

Hallo Jenn,
ich bin nicht Hera, aber ich habe auch etwas dazu zu sagen:

Grundsätzlich sollte das Thema der Sexualität schlicht nicht so vehement ausgeschlossen werden, da es für Menschen mit orginärer Transsexualität (NGS) in vielen (vielleicht nicht allen aber eben vielen) Fällen sehr wohl eine Rolle spielt, insbesondere durch den Bezug das im Erleben von Sexualität oder auch durch "nichtleben können von Sexualität" in Bezug auf die eigenen genitalen Möglichkeiten die sexuelle Funktion als "nicht Befriedigend" oder gar als "nicht umsetzbar" erlebt wird.

Hier in diesem Punkt scheint übrigens einer der Unterschiede zu "Trans*/Trangender Menschen" deutlich zu werden, da diese "andere Gruppe" eben genau kein Problem mit ihrer Sexualität hat. Weder in Bezug auf Selbstbefriedigung noch/und auch nicht in Bezug auf sexualität mit potentiellen Sexualpartnern.
Wobei der Hauptaspekt das eigene Genital ist - selbst wenn dies als "mittel zum Zweck"" genutzt wird fehlt vielfach die Möglichkeit zu aktivem Genuß des Sexualaktes, insbesondere mit potentiellen Partnern, oft auch in Bezug auf die sexuelle Orientierung.

Allerdings gibt es auch andere Aspekte die ebenso wie dieser zu den "möglichen Aspekten" gehören, die vielleicht nicht bei jedem Betroffenen so ausgeprägt sind das sie überhaupt bemerkbar sind - zumal hier auch das Thema "Übertragung" mitspielen kann.
Es aber einfach aus zu schließen verleugnet die Realität vieler Betroffener - was ebenfalls nicht geht.

Liebe Grüße,
Frank
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