Geschlecht ist nicht frei wählbar

Neues aus Forschung und Wissenschaft zum Thema Transsexualität

Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon seerose » 10. Apr 2017, 07:33

spirulina hat geschrieben:Ich vermute auch,daß Transsexualismus nicht angeboren ist,sondern das Ergebnis einer nicht adäquaten frühkindlichen Prägung . Ein Neugeborenes ist für mich noch ungeprägt und erst seine Umgebung,hier die Eltern, prägen das Kind wesentlich .

Wie blöd müßte eigentlich "die Natur" sein, wenn sie die freie Wählbarkeit des Geschlechts" der menschlichen Willkür anheimstellen würde!
Und wie "blöd" müssen eigentlich Eltern/oder wer auch immer ein Kleinkind "derart" prägt sein, wenn sie einem Kind so etwas antun würden, vorausgesetzt daß dies überhaupt möglich wäre.
Deine Vermutung deckt sich aber schön mit den Theorien der "überschätzten Männer": Freud, Money, Green, Stoller und noch so allerlei davon, die von diesem "Othering" sehr gut leb(t)en.
Wie ich schon schrieb, bin ich meinerseits fest davon überzeugt, daß die Natur jedem einzelnen Menschen immer nur (s)eine bestimmte Bandbreite der Entwicklungsmöglichkeit auf der Klaviatur der Geschlechtsausprägung "frei wählbar" zugesteht. Da wir aber alle an verschiedenen Abschnitten der "Klaviatur" beheimatet sind, entsteht für manche im Abschnitt "Indifferenz" vielleicht der Eindruck einer freien Wählbarkeit. Letztere haben mich aber noch nie sonderlich mit einer ihnen möglichen (richtiger: unmöglichen!) originären und authentischen Weiblichkeit/Männlichkeit überzeugt, und auch deren diesbezüglich ständigen Zweifel belegen ihre eigene unstete fehlende Sicherheit!
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon spirulina » 10. Apr 2017, 08:43

Das hat doch nix mit blöd zu tun . So eine Fehlprägung kann vielleicht durch das Unterbewußtsein ausgelöst werden -z,B. wenn Mutter oder Vater sich einen Nachkomme anderen Geschlechts gewünscht haben . Ich weiß es ja auch nicht,aber vorstellbar ist für mich grundsätzlich alles . Sicher ist das Kind prädeterminiert durch seinen Chromosomensatz ,aber wann und wo etwas schiefgelaufen ist ist bis dato keineswegs- auch nicht annähernd geklärt .
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon seerose » 10. Apr 2017, 09:30

spirulina hat geschrieben:So eine Fehlprägung kann vielleicht durch das Unterbewußtsein ausgelöst werden -z,B. wenn Mutter oder Vater sich einen Nachkomme anderen Geschlechts gewünscht haben . Ich weiß es ja auch nicht,aber vorstellbar ist für mich grundsätzlich alles . Sicher ist das Kind prädeterminiert durch seinen Chromosomensatz ,aber wann und wo etwas schiefgelaufen ist ist bis dato keineswegs- auch nicht annähernd geklärt .

Ich gebe Dir grundsätzlich recht, daß wir alle in diesem Zusammenhang sicherlich sehr Vieles und Entscheidendes noch gar nicht wissen; das gilt aber für viele Dinge im Leben, und auch für die Wissen schaffenden Naturwissenschaften, und im übrigen gilt immer noch allgemein: es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als der Mensch sich träumen läßt!
Dennoch müssen wir dahingehend nicht fatalistisch werden: in den letzten beiden Jahrzehnten haben die zahlreichen neurobiologischen Forschungsbemühungen doch vielerlei organisch-körperliche Determinierungen für unser Geschlechtswesen erhellen können.
Ich persönlich habe die feste Gewissheit, daß unser Geschlechtswesen weitgehend genetisch-hormonell und neuroanatomisch/-physiologisch festgelegt ist!
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon spirulina » 10. Apr 2017, 19:46

Es ist doch in Ordnung,wenn du überzeugt bist,aber das ist kein nachvollziehbarer wissenschaftl. Beweis ,und darum eben nur eine Privatmeinung. Wissenschaftl. ist das Phänomen bis dato nicht stichhaltig erklärt .
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon Hera » 11. Apr 2017, 09:34

spirulina hat geschrieben:Es ist doch in Ordnung,wenn du überzeugt bist,aber das ist kein nachvollziehbarer wissenschaftl. Beweis ,und darum eben nur eine Privatmeinung. Wissenschaftl. ist das Phänomen bis dato nicht stichhaltig erklärt .

Genauso ist es anders herum in Ordnung.

Oder gibt es wissenschaftliche Beweise, dass ALLE transsexuellen Menschen aufgrund psychosozialer Prägungen in der Frühkindheit eben transsexuell "wurden" (ist ja kein Seins-Zustand - für mich jedenfalls nicht)?

Die Sexologen sähen es natürlich gerne so und drehen auch alles in die Richtung und was nicht rein passt wird geflissentlich ignoriert oder verdreht.

Wie sehr kann man also diesen Leuten und deren "Diagnosen" glauben? Was wurde da ggf. hingedreht - in deren Interesse?

Und wie viele Menschen bezeichnen sich als transsexuell und haben aber völlig andere Motivationen, die sie letztlich auf ihren Körper projizieren? Wie viele Menschen rechtfertigen sich mit der Aussage transsexuell zu sein für das was sie tun - vor anderen und vor sich selbst?

Selbst trans*idente Menschen bzw. Transgender können dabei eine Prägung im Mutterleib erfahren haben, weil die werdende Mutter während der Schwangerschaft mit irgendwelchen Stoffen in Berührung kam - Medikamente oder wenn ich an damals denke, wo es irgendwann erst aufkam, dass Giftstoffe für Menschen schädlich sein könnten. Wie hieß das Zeugs noch? Formaldehyd - in Pressholzplatten z. B., die in Möbeln oder sonstwo in der Wohnung verbaut wurden? Oder wenn ich an die Müllkippen denke, wo Giftstoffe austraten...

Welche Stoffe heute dazu führen können weiß ich nicht.

Heute denke ich eher, dass es hip ist, man hebt sich von anderen ab, Selbstverwirklichung, eine Variante der Emanzipation (insbesondere bei den Männern).

Frauen wollen auch die Dinge tun dürfen, die Männer tun dürfen (nicht alle vielleicht, aber immer mehr) und sie haben sich diese Rechte erkämpft.

Männer wollen auch die Dinge tun dürfen, die Frauen tun dürfen (noch sehr wenige, aber die Zahl steigt offenbar auch) und sie sind dabei sich diese Rechte zu erkämpfen. Irgendwie anders als Frauen, aber Männer ticken eben irgendwie anders als Frauen.

Und wenn Männer und Frauen doch so gleich ticken im Grunde genommen, wenn alles nur sozialisiert ist und Menschen doch lernfähig ist, warum ist es dann immer noch nicht möglich das andere Geschlecht wirklich zu verstehen, selbst, wenn man sich abmüht? Irgendwie kratzt man immer nur an der Oberfläche, Frauen scheinen Männer eher zu durchschauen als umgekehrt (auch Lebenserfahrung).

Warum?

Wenn Männer eigentlich auch Frauen wären und Frauen eigentlich auch Männer, warum verstehen sie sich gegenseitig so schlecht?

Manch Mann erzählte/schrieb mir schon, wie scheiße es ist ein Mann zu sein. Mann ist minderwertig, Mann wird nicht mehr gebraucht, Mann ist heute für viele Frauen nur noch ein Stück Dreck, Mann kann nicht mehr ertragen wie viele Männer sich verhalten (Gewalttaten und Kriminalität gehen zu höchsten Prozentzahlen von Männern aus - gegen Frauen und eben auch gegen Männer).

Mann will nicht zu diesen Männern dazu gehören, Mann will SO NICHT sein.

Und wenn Mann SO gar nicht ist, nicht wie eine große Mehrheit der Männer ist, wie sie zu sein scheint, dann kommt Mann eben auch mal zu der Schlussfolgerung, dass er eine Frau ist.

Motivationen gibt es derer viele und wenn man Menschen nicht einmal mehr anleiten darf sich selbst zu reflektieren, zu eigenen Erkenntnissen zu kommen, dann weiß ich auch nicht mehr.


Ich will nicht bestreiten, dass frühkindliche Prägungen so etwas auslösen könnten.

Allerdings empfinde ich es - so wie ich die Leute erlebe - dass es dann letztlich doch wieder in Richtung Genderproblematiken geht. Geht es übrigens meistens - und das ist dann meine Meinung, mit der ich auch nicht so alleine da stehe.

Und so wie ich es nicht nachempfinden kann wie es ist Krebs zu haben und daran sterben zu müssen, wissen Leute, die aufgrund einer (frühkindlichen) Genderproblematik die eine transsexuelle Projektion auslöste (oder wie man das auch immer nennen mag) nicht im Ansatz wie es sich anfühlt, wenn man seinen Körper und damit sich selbst nicht fühlen kann - und mit Körper meine ich immer von Kopf bis Fuß und nicht nur Genital und Brüste.

Im Grunde stellst du doch mit deiner Meinung dich selbst bzw. dein Handeln in dieser Hinsicht infrage. Warum jetzt immer noch? Wäre es nicht wichtig gewesen das damals zu tun?

Ich habe mich damals selbst auseinander genommen, mich von Psychs auseinander nehmen lassen, denn ich wollte nicht in eine Falle tappen und einen unwiderruflichen Fehler machen - und das trotz meines sicheren Wissens eine Frau zu sein.

Damals war der richtige Zeitpunkt das zu tun, vor den Maßnahmen.

Jetzt, im Nachhinein, kann ich es auch lassen, der Drops ist gelutscht. Da kann man sich höchstens noch auf seine mentale Weiterentwicklung konzentrieren, was ich im übrigen auch tue.
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon seerose » 11. Apr 2017, 12:21

schöne Ausführungen, denen ich mich in Bezug auf unsere Selbstsicht und -aussage weitestgehend anschließen kann; vielen Dank!
Liebe Grüße
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon tilly » 11. Apr 2017, 12:24

Ich will das einmal aus einer rein biologischen Sichtweise betrachten.

Wir wissen, dass alle Tiere angeborene Verhaltensweisen haben.
Das hat den gewaltigen evolutionsbiologischen Vorteil, dass sie mit ihren, zum Teil sehr primitiven, Gehirnen nicht viel lernen müssen, aber schnell auf Gefahren oder Nahrung reagieren können.
Zudem ist zur Arterhaltung die Fortpflanzung unerlässlich, sie ist als Trieb verankert.

Wie man nun zu der Ansicht gelangen kann, dass der Homo Sapiens mit einem Gehirn auf die Welt kommt, das quasi wie ein leeres Blatt unbeschrieben sein soll...? Das ist mir unerklärlich!
Zumal es eindeutig ist, dass Menschen angeborene Verhaltensweisen haben. Als Beispiel ist die Angst vor Schlangen und Spinnen zu sehen.
Und dass Menschen bei Panik einen Fluchtreflex haben, ist auch klar.

Folglich halte ich es für absolut unsinnig, zu glauben, dass wir ohne geschlechtliche Prägung auf die Welt kommen.
Dass die nicht zwangsläufig den Geschlechtsmerkmalen entsprechen muss, das ist unser persönliches Pech!

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon Gast » 11. Apr 2017, 14:39

Natürlich ist es so, dass Menschen, genau wie Tiere, mit einem "Grundprogramm" für alle wichtigen Funktionen geboren werden. Kann ja auch gar nicht anders sein. Und dazu gehört auch die (oft gescholtene) binäre Ausrichtung. Menschen gehören zu den Säugetieren, welche sich zweigeschlechtlich vermehren. Leider wird in vielen Debatten, Artikel usw. zu dem Thema Geschlecht und die sozialen Rolle der Geschlechter vermengt. Das sich nun Einzelne in ihrer sozialen Rolle nicht wohlfühlen, meinen, sie sind nicht eindeutig Mann oder Frau, vielleicht irgendwas dazwischen, ist eine Sache für sich und hat mit Transsexualität nichts zu tun.
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon tilly » 11. Apr 2017, 16:30

Hallo,

ich halte es für durchaus denkbar, dass auch eine pränatale, also eine vor der Geburt stattfindende Geschlechtsprägung nicht zwingend männlich oder weiblich sein muss. Sie könnte auch, so wie es bei Körpermerkmalen der Fall sein kann, quasi Intersexuell sein.
Dass das dann für Betroffene nicht einfach ist, liegt auf der Hand. Allerdings ist es wirklich nicht hilfreich alles in einen Topf zu werfen!

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Geschlecht ist nicht frei wählbar

Beitragvon Hera » 12. Apr 2017, 00:54

Oder Intergender oder Agender oder ... und der Körper kommt dann irgendwann mal, wenn überhaupt.

Mit dem Sexus muss es gar nichts zu tun haben.
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