Gibt es eine Transgeschlechtlichkeit?

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Gibt es eine Transgeschlechtlichkeit?

Beitragvon Lotty » 22. Feb 2016, 20:16

Transgeschlechtlich, was bedeutet das eigentlich?

Wenn wir das Wort in seine Bestandteile zerlegen, Trans und Geschlecht, können wir als nächstes versuchen die Frage zu beantworten was diese beiden Wortteile bedeuten: "Trans" (latein) steht für a) hinüber oder b) auf entgegengesetzten Seiten einer Referenzebene (Trans-Cis-Isomerie). In unserem Fall ist die Referenzebene das Geschlecht.

Nun versuchen wir zu klären was hier als Basis her genommen wird.

Als erstes gehen wir davon aus, dass unser Gehirn Geschlechtsbestimmend ist: Dann bedeutet dies (a) dass das Gehirngeschlecht gewechselt wird, was nachweislich nicht geht oder (b) dass unser Geschlecht (was in dieser Annahme unserem Gehirngeschlecht entspricht) entgegen unseres Geschlecht's steht, was ja absoluter Blödsinn wäre. Der einzige sinnvolle Schluss, der hieraus zu ziehen ist: mit Geschlecht muss etwas anderes gemeint sein.

Also nehmen wir die zweite mögliche Deutung, dabei käme als Geschlechtsbestimmend das Genital in Frage: Dann bedeutet dies (a) das Genitalgeschlecht lässt sich wechseln. Was ist aber mit (b), was steht auf der entgegengesetzten Seite der Geschlechtsebene? Hier kann nur von einem Geschlechtswunsch, von einer Geschlechtsidentifikation ausgegangen werden, das Geschlecht kann nicht gemeint sein, denn für Geschlecht wird in dieser Variante ja das Genitalgeschlecht angenommen.

Wie man es auch dreht und wendet, mit Transgeschlecht kann nur ein Geschlechtswechsel gemeint sein, denn das Geschlecht kann dem Geschlecht nicht entgegen stehen. Aber lässt sich Geschlecht wechseln?

Wenn wir dann weiter gehen und untersuchen von wem dieser Begriff "Transgeschlechtlichkeit" in die Welt gesetzt wurde und welche Theorie diese Gruppen vertreten scheint es also tatsächlich so zu sein, dass uns als geschlechtsbestimmendes Merkmal von diesen konservativen Kreisen das Genital verkauft werden soll. Es soll also alles auf die soziale Rolle reduziert werden. Es soll angeblich um Lebensweisen oder Lebensmodell gehen, also um einen Wechsel der geschlechtlichen Lebensweise, der geschlechtlichen Identifikation.

Diese sogenannten "kulturell orientierten Kreise" behaupten ja auch, dass eine Genitalangleichung letztlich ein Anpassen an das heteronormative Geschlechtsbild sei. Transsexualität, also die Abweichung des Geschlechts von den übrigen geschlechtlichen Körpermerkmale wird verleugnet. Ein im Nervensystem pränatal angelegtes Geschlecht (Körperlandkarte) soll es gemäß dieser Kreise nicht geben. Geschlecht sei ohnehin nur ein soziales Konstrukt, sei eine Frage dessen mit welchem Geschlecht man sich identifiziert (Identitätsgeschlecht).

Transgeschlechtlichkeit steht also ganz offensichtlich für die freie Wahl des sozialen Geschlechtszugehörigkeit und hat mit Transsexualität nichts zu tun. Bei der Transsexualität geht es primär um Körper, nicht um die Geschlechterrolle, nicht um Lebensweisen und nicht um die Identifikation mit einem Geschlecht. Die Transsexualität, die Sehnsucht nach dem richtigem Körper, wird von diesen Kreisen nicht verstanden. Das Verlangen nach dem richtigem Körper wird als Perfektionierung des sozialen Rollenwechsels fehl gedeutet.

Als Fazit bleibt fest zu halten: Transsexualität und Transgeschlechtlichkeit sind gänzlich unterschiedliche Phänomene, die in der Draufsicht durchaus gleich aussehen mögen, aber eben nur in der Draufsicht.
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Re: Gibt es eine Transgeschlechtlichkeit?

Beitragvon Vanessa » 22. Feb 2016, 22:58

Das Thema, dass Geschlecht (nicht) rein sozial sei, hatten wir hier ja auch schon. Ich bin ja der Ansicht, dass dieses Verlangen, Geschlecht als rein sozial zu verkaufen, da herrührt, dass darüber biologisch begründete und gleichzeitig als nachteilig empfundene Geschlechtseigenschaften von Frauen eliminiert werden sollen, und das als Grundlage für geschlechtliche Gleichstellung dienen soll. Da ich allerdings auch der Ansicht bin, dass das den Naturwissenschaften widersprechendes Wunschdenken ist, sollten stattdessen einfach die Unterschiede akzeptiert und sogar gegenseitig wertgeschätzt werden. Für mich ist Geschlecht als rein soziales Konstrukt eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was es wohl sein soll, nämlich in Wahrheit ein Ausdruck internalisierter Misogynie, der dadurch entsteht, dass Frauen die weiblichen Eigenschaften im Vergleich zu den männlichen als minderwertig wahrnehmen, was wiederum daran liegt, dass das Patriarchat eben genau diesen Eindruck schafft, bei beiden Geschlechtern. Das Ergebnis sind Frauen, die ihre Weiblichkeit ablehnen und die Lösung in der Gleichmachung mit Männern suchen. Ich finde das zutiefst grotesk und fundamental fehlgeleitet, und hoffe daher, dass dieser Arm des Feminismus in absehbarer Zeit ausstirbt und einer Sichtweise weicht, die die Menschen einfach so sein lässt, wie sie sind, indem sie die natürlichen Unterschiede anerkennt, ohne das irgendwem zum Nachteil werden zu lassen. Darin besteht für mich am Ende die Synthese von biologischer Vorbestimmung auf der einen Seite und sozialem Konstrukt auf der anderen Seite.

Etwas viel zu dem einen Aspekt, aber ich glaube, wir brauchen wirklich nicht weiter über die Thesen von Leuten sprechen, die die Biologie völlig verleugnen.
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Re: Gibt es eine Transgeschlechtlichkeit?

Beitragvon seerose » 23. Feb 2016, 18:55

Da ich allerdings auch der Ansicht bin, dass das den Naturwissenschaften widersprechendes Wunschdenken ist, sollten stattdessen einfach die Unterschiede akzeptiert und sogar gegenseitig wertgeschätzt werden. Für mich ist Geschlecht als rein soziales Konstrukt eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was es wohl sein soll, nämlich in Wahrheit ein Ausdruck internalisierter Misogynie, der dadurch entsteht, dass Frauen die weiblichen Eigenschaften im Vergleich zu den männlichen als minderwertig wahrnehmen, was wiederum daran liegt, dass das Patriarchat eben genau diesen Eindruck schafft, bei beiden Geschlechtern. Das Ergebnis sind Frauen, die ihre Weiblichkeit ablehnen und die Lösung in der Gleichmachung mit Männern suchen. Ich finde das zutiefst grotesk und fundamental fehlgeleitet, und hoffe daher, dass dieser Arm des Feminismus in absehbarer Zeit ausstirbt und einer Sichtweise weicht, die die Menschen einfach so sein lässt, wie sie sind, indem sie die natürlichen Unterschiede anerkennt, ohne das irgendwem zum Nachteil werden zu lassen. Darin besteht für mich am Ende die Synthese von biologischer Vorbestimmung auf der einen Seite und sozialem Konstrukt auf der anderen Seite.

Etwas viel zu dem einen Aspekt, aber ich glaube, wir brauchen wirklich nicht weiter über die Thesen von Leuten sprechen, die die Biologie völlig verleugnen.


Volle Zustimmung! Das Schlimme daran ist, daß der so betriebene "Feminismus" derzeit gleichzeitig die größte Stütze des Patriarchats darstellt, und überwiegend von Frauen betrieben wird, die alles genuin Weibliche abwerten, verächtlich machen, und alles tun, unter Beweis zu stellen, daß sie die "besseren" Männer sind (Ellbogengebrauch im Karriereweg, Ego-Bezug, Rücksichtslosigkeit und Verletzen anderer). Der gesamtgesellschaftlich tonangebende misogyne Einfluß läßt unsere Zeit ziemlich armselig erscheinen.
Im übrigen zeigen aber gerade diese herrschenden gesellschaftlichen Einflüsse, daß die Bejahung von Weiblichkeit nicht in allen Fällen auf diese sozialen "Belohnungen" angewiesen ist, z.B. im Falle von uns (ehemaligen) transsexuellen Frauen. Unsere Betroffenheit ist ein naturwissenschaftliches Faktum, trotz des herrschenden gesellschaftlichen Gegenwindes (soviel zur Frage des sozialen Einflusses auf unsere Betroffenheit).
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