Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

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Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Rosi » 26. Dez 2015, 18:46

"Der deutsche Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld prägte 1910 die Bezeichnung Transvestiten für Menschen, die sich gelegentlich oder regelmäßig als Angehörige des anderen Geschlechts kleiden. Für Menschen, die sich nicht gegengeschlechtlich kleideten, sondern seelisch dem einen, körperlich aber dem anderen Geschlecht zugehörten, verwendete er 1923 – in der letzten Ausgabe seines Jahrbuchs für sexuelle Zwischenstufen – den Begriff des seelischen Transsexualismus, eine geschlechtliche Variation, die er als Vorstufe des Hermaphroditismus ansah."

Es ist ja schon interessant, wie häufig eine doch sehr eindeutige Definition in ihren Ursprüngen zerredet und versucht wird,
diese wegzuargumentieren. Da werden Parallelen zur umgansprachlichen Begriffsentwicklung gesucht und von
hochwohlstudierten Sprachwissenschaftlern sogar Brücken über die Vielfältigkeit von Sprache als Argumentations-Konstrukt
geschlagen.

Da wird versucht, etwas deutungsmäßig an sich zu reißen, was vor einem Jahrhundert auch für heutiges Verstehen noch
völlig klar und eindeutig beschrieben wurde. Wenn der "Erfinder" des Wortes Transsexualität dieses klar definiert, mit
"Seele ist Geschlecht A und Körper ist Geschlecht B", dann könnte man unter Berücksichtigung heutiger sprachlicher
Ausdrucksweisen noch feststellen, dass das "Gehirngeschlecht (ich nenne das geschlechtliches Wesen) Geschlecht X ist
und die körperlichen Geschlechtsmerkmale dem Geschlecht Y entsprechen". Und festhalten möchte ich hierzu, dass es
in diesem Definitionszusammenhang nicht um eine "These" geht, die es zu widerlegen oder zu bestätigen gilt, sondern
um die Beschreibung einer seit Jahrtausenden existierenden Wahrheit - eines immer und in jeder Kultur auftretenden
Phänomens!

Was aber nicht geht, ist dieses ursprüngliche Verständnis und diese Wahrheit umzubauen, indem man dann von "ein bisschen
transsexuell" oder von "ein bisschen mehr transsexuell" anfängt zu sprechen. Dann wäre die Seele ein bisschen Geschlecht A
und der Körper ein bisschen mehr oder weniger Geschlecht B - man aber nicht mehr transsexuell. Ist ja Alles dann nicht
schlimm aber wie gesagt: Alles dann auch nicht transsexuell.

Durch diese definitionsfremden Verwendungen von "Transsexualität", werden transsexuelle Menschen (so wie immer
wieder angemahnt) beleidigt und - weil dieses Wort so beliebt ist - auch "unsichtbar" gemacht.

Nun ist es freilich so, dass es eben auch genau diese Menschen gibt, deren Seele ein bisschen Geschlecht A und ein
bisschen Geschlecht B beherbergt, wenn man einfach darauf hört, wie diese Menschen sich erklären. Weil nun der
Begriff "Transsexualität" seit rund 100 Jahren in seiner geschlechtlichen Eindeutigkeit definiert ist, bleibt also nur
ein anderer Begriff mit Definition für diese Menschen als Ausweg einer (falls gewünschten) einfachen Beschreibung.

Hier wird es nun einfach Zeit, dass sich genau diese Menschen vom Zipfel oder Rockzipfel der Transsexualität lösen
und beginnen sich zu emanzipieren. Es ist da häufig und an vielen Stellen immer wieder zu lesen, dass als wichtiger Schritt
zur gesellschaftlichen Anerkennung und als Maßnahme die jeder Einzelne leisten kann, die "Sichtbarmachung" in Form
von "sich bekennend in der Gesellschaft zeigen" gesehen wird.

Weil Andere grundsätzlich auch schon auf diese Idee gekommen sind, entstanden dann die Begriffe "Transidentität"
oder "Transgender" (Trans*). Einfach als logische Konsequenz, weil die eindeutige geschlechtliche Definition von "Transsexualität"
nicht auf diese Menschen zutraf. Der Fehler, der leider bis heute immer noch dabei begangen wird ist, dass man
vehement versucht, "Transsexualität" da mit hinein zu packen und umzudeuten. Erstaunlich und in jedem Fall sehr
bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich niemand traut, "Intersexualität" da mit hineinzuziehen.
Diese Menschen würden sich ebenso gegen eine solche Vereinnahmung wehren, wie es heute die transsexuellen Menschen
tun. Einmal ist man hier körperlich uneindeutig, zum Anderen "seelisch" eindeutig.

Und um auch wiederholt zu versuchen das immer wieder behauptete "Missverständnis" aufzuklären, man würde sich
gar nicht mehr um "Inhalte" bemühen, sondern nur um Begriffe und damit oberflächliche Interessen verfolgen, bitte
ich noch einmal zu reflektieren, über was wir uns hier unterhalten. Ich denke doch um Inhalte - die Definition, die
z.B. Transsexualität beinhaltet. Wer dies als "billige unnötige Begriffsdefinition" abtut, hat gar kein ehrliches
Interesse auf Verständigung.

Also: Emanzipiert Euch unter "Crossdresser", "Transvestiten", "Transgender", "Transidentität", "Trans*", "Queer"
und lasst transsexuelle Menschen sich weiterhin unter "Transsexualität" für ihre eindeutige Geschlechtlichkeit
einsetzen!

Rosi
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Frank » 26. Dez 2015, 20:15

Liebe Rosi,
du hast mit deinem Beitrag den Nagel perfekt auf seinen Kopf getroffen,
aber du weißt doch sicher wie das im Patriachat läuft, oder?

Männer brauchen keine Emanzipation da sie ja die "Machthaber sind"....
ebenso sieht es mit den Menschen aus die sich unter "Trans*" oder früher "Transgender" definiert und eingeordnet haben
-> sie glauben das Emanzipation nur etwas für die "Schwachen" oder "Minderheiten" ist.

Vermutlich bleibt da nur den Begriff "Transsexualität" in seiner logischen, klaren und einfachen Bedeutung immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu ziehen.

Liebe Grüße,
Frank *der kein Problem hat mit Emanzipation, aber mit "Fremdbestimmung"*
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Hera » 27. Dez 2015, 01:14

Rosi hat geschrieben:Erstaunlich und in jedem Fall sehr bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich niemand traut, "Intersexualität" da mit hineinzuziehen.

Da kann noch viel passieren.
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Hera » 27. Dez 2015, 01:20

Frank hat geschrieben:Männer brauchen keine Emanzipation da sie ja die "Machthaber sind"....
ebenso sieht es mit den Menschen aus die sich unter "Trans*" oder früher "Transgender" definiert und eingeordnet haben
-> sie glauben das Emanzipation nur etwas für die "Schwachen" oder "Minderheiten" ist.

Ein interessanter Aspekt, der die Emanzipation der Männer womöglich erheblich ausbremst und es für einige notwendig macht anderweitig aus dem Mann sein auszubrechen, denn als femininer Mann hat man kaum eine Chance in dieser Gesellschaft.

Mit dem nicht-Mann-sein bzw. mit der Frau-Werdung rückt Mann dann auch aus dem Fokus der anderen Männer heraus und muss dort dann auch nicht mehr mithalten müssen.
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon tilly » 27. Dez 2015, 02:16

Echt ein interessanter Gedanke!

Da krame ich mal meine % Rechenkünste aus meiner männlichen Sozialisation aus.

Frauen sollten ja mal so im allgemeinen locker 120% oder noch besser 150% bringen um in der Männerdominierten Gesellschaft was zu gelten.
Tja, wenn dann so ein Typ daher kommt und seine 100% nicht bringen mag, ist er ein Loser.
Aber eine Frau ist er dann nie und nimmer!

Und da die Gedanken frei sind steht es nun euch zu, zu überlegen wie viel % meiner Aussage stimmen.

Mit sarkastischen Grüßen eure Tilly
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Hera » 27. Dez 2015, 02:29

Wenn Mann sich zwischen die Geschlechter hängt, dann muss Mann gar nichts mehr.

Kein Rollendruck, keine geschlechtsbezogenen Erwartungshaltungen, keine geschlechtsspezifischen Zwänge mehr - Mann ist frei und kann im Grunde genommen tun und lassen was er will - auch als Frau herumlaufen - wie auch immer jemand das oberflächlich von außen betrachtet definieren und ausdrücken mag.

Selbst da ist die Spannbreite dann ja groß, Mann sagt einfach, dass Mann dann eben SO eine Frau ist - egal wie sehr maskulin bzw. Kerl-mäßig das eben auf andere auch wirken mag. Beispiel: Alica King.

Alle denken sich vermutlich ihren Teil, aber die wenigsten sagen etwas, denn wer will schon jemand anderem etwas absprechen und damit verletzen wollen?
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon spirulina » 27. Dez 2015, 07:00

Also jetzt haben wir erstmal die 7. Jahreszeit ! Das Einfachste wäre es,das ganze Jahr Karneval zu feiern,dann kann jeder machen ,was er will,sozusagen Karneval auf Krankenschein!
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Lara » 27. Dez 2015, 09:00

Hera hat geschrieben:
Rosi hat geschrieben:Erstaunlich und in jedem Fall sehr bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich niemand traut, "Intersexualität" da mit hineinzuziehen.

Da kann noch viel passieren.

Wir haben doch schon dieses Inter*. Das steht für Intersexuell. Daraus wurde ja auch im Zuge der Entsexualisierung ein Inter*geschlechtlich.

Na und im Rahmen der freien Selbstbestimmung kann sich doch jeder Inter*geschlechtlich nennen. Wer kann es ihnen verwehren.

Dann bräuchten wir auch nicht mehr solch einen Buchstabensalat wie L*S*B*T*Q*F*I*A* (lesbisch, schwul, bi, trans, queer, feministisch, inter, asexuell), wie er jetzt vom Schwulenreferat der Uni Osnabrück benutzt wird. Ein einfaches H*I* (homo, inter) würde ausreichen. Bezeichnend finde ich dabei allerdings das jeder seinen eigenen Buchstaben bekommt aber Transsexualität wird verleugnet.

LG Lara

PS: Wer die Ironie darin findet, bitte zurück geben, wird noch gebraucht.
Lara
 

Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Frank » 27. Dez 2015, 09:55

Hera hat geschrieben:
Frank hat geschrieben:Männer brauchen keine Emanzipation da sie ja die "Machthaber sind"....
ebenso sieht es mit den Menschen aus die sich unter "Trans*" oder früher "Transgender" definiert und eingeordnet haben
-> sie glauben das Emanzipation nur etwas für die "Schwachen" oder "Minderheiten" ist.

Ein interessanter Aspekt, der die Emanzipation der Männer womöglich erheblich ausbremst und es für einige notwendig macht anderweitig aus dem Mann sein auszubrechen, denn als femininer Mann hat man kaum eine Chance in dieser Gesellschaft.

Mit dem nicht-Mann-sein bzw. mit der Frau-Werdung rückt Mann dann auch aus dem Fokus der anderen Männer heraus und muss dort dann auch nicht mehr mithalten müssen.


Hallo Hera,

das Problem dabei ist mehr die "innere Einstellung" der Betroffenen, weil grundsätzlich dürfen Männer schon femininer sein und werden trotzdem Akzeptiert.

Es gibt in der "normalen Bevölkerung" durchaus große Teile wo Männer die sich femininer Verhalten oder vermeintliche "Frauenarbeiten" machen sehr wohl sogar sehr Anerkannt sind - wo es noch Befremdlichkeiten gibt ist wenn es offensichtliche Widersprüche gibt:
Männer die sich weiblich & zickig benehmen zum Beispiel - da sind die meisten Männer schon bei den Frauen mit überfordert, wieso dann auch noch vermeintliche Geschlechtsgenossen sich so benehmen ist dann gänzlich unverständlich.
Ähnlich ist das auch mit der Kleidung - Männer die sich femininer Kleiden, gar noch Schminken usw. und daraus dann einen Film machen DAS überfordert eben, das oft sogar die Frauen die selbst aus diesem "Schönheitszwang" raus wollen......weil dieses Verhalten deren eigene Emanzipation zunichte macht.

Wer mit offenen Augen durch die Umwelt geht wird dies was ich oben benannt habe vielfach wiederfinden - wobei es natürlich schon auf das jeweilige Umfeld ankommt, und da spielen dann eben auch die "Glaubensbedingten Einstellungen" eine gravierende Rolle -> in Umfeldern mit ganz strikter Geschlechtertrennung ist meist nicht viel mit Emanzipation möglich, da bleibt nur der Ausbruch.
Aber dieses Thema darf man natürlich in unserem ach so "fremdenfreundlichen Deutschland" nicht ansprechen - damit wird man dann ja gleich "rechts"...

Liebe Grüße,
Frank
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Re: Transidente, Transvestiten, Trans* - emanzipiert Euch!

Beitragvon Hera » 27. Dez 2015, 10:34

Zum Thema Schönheitszwang:

http://www.heftig.co/goars-make-up/

Wenn man sich natürlich stets solche Schichten Make-up auf die Haut schmiert, leidet natürlich auch die Haut darunter.

Und dann fängt man irgendwann an, das Make-up wegen der schlechten Haut drauf zu schmieren.

Davon abgesehen, dass ich das Gefühl von Make-up auf meinem Gesicht nicht mag, könnte ich es auch von meiner Haut her nicht. Nicht einmal getönte Tagescremes aus der Apotheke kann ich verwenden, ohne dass meine Haut hinterher noch schlechter aussieht.

Mir erscheint Make-up, übermäßiges Schminken, wie eine Maske, die man auflegt. Gefällt mir gar nicht.

Ich gehe oft ohne Schminke aus dem Haus, ich habe einfach keine Lust drauf. Wenn Leute dann meinen, ich wäre hässlich... - von mir aus. Ich kann ja so hässlich sein wie ich will.
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