Das Wesen auf der einsamen Insel

Meinungen und Meldungen aus unserem sozialem Umfeld

Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon Rosi » 30. Jul 2015, 01:39

Es mag sein, dass man auf einer einsamen Insel nicht sagen kann, dass der Körper falsch ist.
Dies aber nicht, weil er es nicht ist, sondern schlicht weil man da keine Vorstellung davon haben
kann, wie er denn richtig sein kann, oder dass er überhaupt anders sein könnte.

Man kann aber auch nicht absprechen, dass man auf dieser Insel irgendwie anders wäre, als
Andere, die den gleichen Körper haben wie man selbst. Denn die Dinge die wir tun und wie wir
die Dinge tun, ist Ausdruck unseres Wesens. Haben wir z.B. ein ungeduldiges Wesen, werden
wir die Dinge ungeduldig tun. Haben wir ein mitfühlendes Wesen, werden wir die Dinge mitfühlend
tun – und umgekehrt und usw.

Dabei ist es gleicht, ob man das nun Wesen, Instinkt, Eigenschaft oder Eigenart nennt. Ich denke
wir werden uns einig sein, dass es Zustände sind, die uns als Veranlagungen mitgegeben wurden,
vielleicht noch durch das Umfeld gepuscht oder abgeschwächt werden - nicht aber erzeugt oder
eliminiert werden können.

In der selben Weise haben wir auch ein geschlechtliches Wesen, das uns bei Unterschiedlichkeit
auch auf einer einsamen Insel anders sein lässt, als Andere mit den gleichen sichtbaren
körpergeschlechtlichen Merkmalen wie wir.

Aufgrund unseres Inneren Verlangens uns mitzuteilen und uns auszudrücken, werden wir dies immer
tun. Auf einer einsamen Insel für uns, in einer Gemeinschaft für uns und andere. Das Ziel unseres
Wesens ist es dabei, sich maximal stimmig mitzuteilen und auszudrücken. Man schießt deshalb auch
schnell über das Ziel hinaus, wenn man von (Rollen-)Klischees spricht, diese als Zwang sieht und sie
abschaffen möchte. Vieles davon darf man auch als freiwillige und als passend empfundene
Ausdrucksweisen der Veranlagungen und des Wesens ansehen.

Ein schwieriger Spagat, der eigentlich nur über die Gleichwertigkeit (nicht Gleichheit) der beiden
Geschlechter zu meistern ist. Denn nur dadurch können sich diese Wesen(szüge) der Menschen
wertungsfrei ausdrücken und den erwartungsbedingten Zwang zur Bedienung eines Klischees auslöschen.

Dieses geschlechtliche Wesen der Menschen wird auch dafür sorgen, dass weibliche Menschen auch
in 127 Jahren, wenn es z.B. nur noch Unisex-Kleidung geben wird, eine Variante (er)finden, sich von
den männlichen Menschen in der Kleidung zu unterscheiden.

Alle Reflektionen mit dem gesellschaftlichen Umfeld führen nur dazu, das eigene Wesen, egal ob
geschlechtlicher oder charakterlicher Ausprägung, als stimmig oder unstimmig gegenüber der Masse
zu beurteilen. Dabei kann es für sich aber niemals unstimmig mit sich selbst sein – weil man sein
Wesen ist.

Trans*Menschen und transsexuelle Menschen haben gemeinsam, dass das geschlechtliche Wesen
nicht dem sonst gängigen Zusammenspiel von geschlechtlichem Wesen und sichtbaren geschlechtlichen
Körpermerkmalen entspricht. Deshalb sind sie in der Außensicht (Draufsicht) in der Regel auch nicht zu
unterscheiden.

Der Unterschied besteht – wie ich behelfsmäßig formulieren würde - darin, dass transsexuelle Menschen
eine hohe innere Selbstreflektion mit ihrem Wesen haben (daraus das Wissen um ihr Geschlecht ableiten),
Trans*Menschen in der Reflektion mit dem gesellschaftlichen Umfeld ihr Wesen abgleichen (um in der für
ihr Wesen passenden gesellschaftlichen Rolle oder Position leben zu dürfen/können – zeitweise oder
dauerhaft).

Bei Wegfall sämtlicher Rollenverhaltensweisen von Mann und Frau (nur theoretisch möglich), würde es
dann praktisch keine Transvestiten mehr geben. Allein aber die Wirklichkeit, dass es Transvestiten gibt,
bestätigt die ewige natürliche Dualität der Geschlechter. Transvestiten können nur unsichtbarer werden,
so wie heute schon die weiblichen Transvestiten.

Alles was es gibt, ist auch Wahrheit.
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon spirulina » 30. Jul 2015, 05:47

Der Knackpunkt aber ist,daß man nicht alleine auf einer Insel lebt,sondern in Gesellschaft mit anderen Menschen. Ich habe den Eindruck,daß TS erst entsteht,wenn man den Unterschied sieht,also TS wird vielleicht erst gesellschaftlich erzeugt.
spirulina
 
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon Rosi » 30. Jul 2015, 13:43

spirulina hat geschrieben:.... TS wird vielleicht erst gesellschaftlich erzeugt.

"erzeugt" nicht, weil es ja immer schon als ein "Zustand" vorhanden war, aber vielleicht eher "sichtbar", ja
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon Anonym » 31. Jul 2015, 17:59

Ich möchte da einmal auf diesen Eindruck von Spirulina eingehen.
spirulina hat geschrieben:Der Knackpunkt aber ist, daß man nicht alleine auf einer Insel lebt,sondern in Gesellschaft mit anderen Menschen. Ich habe den Eindruck, daß TS erst entsteht,wenn man den Unterschied sieht,also TS wird vielleicht erst gesellschaftlich erzeugt.
Meine persönliche Entwicklung kann zwar nicht als Beweis des Gegenteils herhalten zeigt aber doch deutlich dass Transsexualität wohl auch ohne gesellschaftlichen Einfluss existent sein kann.

Seit frühester Jugend hatte ich ein Problem, zuerst mit meinem männlichem Genital, später mit meinem gesamten Körper. Einordnen konnte ich dies nie und auf die Idee ein Mädchen, eine Frau zu sein kam ich auch nicht. Ich hatte es aber sehr wohl bedauert das mir weibliche Kleidung vorenthalten wurde, da ein Mann so etwas ja nicht macht. Frauen waren für mich faszinierend aber nicht erotisch. Aus heutiger Sicht und aus Erzählungen weiß ich das ich mich aber immer weiblich verhalten und auch sehr feminin gekleidet habe, mein Leben war das Leben einer Frau ohne das Wissen darüber.

Erst ziemlich spät, als ich mich mit Silikon-Brüsten im Spiegel sah, wurde mir klar was ich bin, da sah ich den Körper der für mich der richtig war. Obwohl ich immer schon Frauen gesehen habe, habe ich es nicht realisiert, erst als mein Körper selbst so war, da dämmerte es. Ich denke das man da gesellschaftliche Einflüsse ausklammern kann, denn die Vorlagen waren dauernd sichtbar. Das innere Gefühl sagte mir schon immer dass etwas falsch war aber selbst mit den Vorlagen durch die Gesellschaft erkannte ich nicht was es war.

Dann zu Rosis Startbeitrag. Ich kenne dieses Thema mit der einsamen Insel auch noch etwas anders:
Wenn wir aus der Gesellschaft heraus gerissen werden und plötzlich ganz alleine auf einer Insel währen, dort dann eine Vorrichtung mit einem Schild fänden, auf dem steht "Wenn du hier hinein gehst bekommst du Brüste und ein weibliches Genital", würdest du hinein gehen?
Meine Antwort ist klar, ich würde es machen. Weil es für mich richtig ist. Ich habe aber absichtlich die Aussage auf die Brüste und das Genital gerichtet. Denn meiner Meinung nach ist das dass Entscheidende. Alles andere ist wohl wirklich nur notwendig um in der Gesellschaft auch die Anerkennung als Frau zu bekommen. Für die Außenwirkung ist das Genital absolut nebensächlich, da geht es um das Äußere aber für mich selbst, da ist es das wichtigste. Da ich aber auch möchte, als Frau wahr genommen zu werden, geht es eben auch um Äußerlichkeiten.

Liebe Grüße
Anonym
 

Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon spirulina » 31. Jul 2015, 20:57

Hallo Rosi,
woher weiß du denn ,daß TS schon immer vorhanden war ?
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon Rosi » 31. Jul 2015, 22:22

spirulina hat geschrieben:woher weiß du denn ,daß TS schon immer vorhanden war ?

Hi spirulina,

wenn ich einmal die ganzen neuronalen Forschungen bezüglich Gehirn und die Erkenntnisse zur
pränatalen Entwicklung von Körper und Gehirn außer Acht lasse, kann ich für mich, so lange ich
denken kann, diesen Umstand festmachen.

In meinen frühsten Erinnerungen war das ganz normal, wenn ich groß bin eine Frau zu sein. So
unbefangen dachte ich bis zu dem Tag, als man mir sagte, dass Jungen keine Mädchensachen
tragen. Hier schloss sich damals in einem Augenblick der Kreis, was Jungen sind, dass das etwas
anders war, als eine Frau zu sein.

Da ich in diesem Zusammenhang auch erfahren hatte, das dies abnormal und krank sei, bekämpfte
ich "das" in mir. Das führte beispielsweise dazu, dass ich im Kindergarten alles tat, um auf dem
Piratenschiff der Kapitän zu sein, damit mir jeder den Jungen abkaufte.

Diese bewusste Aufmerksamkeit, hat mich sehr früh meine Unbeschwertheit gekostet und ich habe
mir Männer und Frauen immer ganz genau "angeschaut". Trotz Allem blieb aber diese Gewissheit
in mir, dass ich eines Tages auch als Frau leben werde. Dieses sichere Wissen (ich weis nicht
warum ich das hatte) hat mir sehr oft das Leben gerettet.

Der Verlauf des Themas: http://forum.shg-dazwischen.de/viewtopic.php?p=150#p150 passt auch dazu.

Also, alle Wissenschaft beiseite gelassen, bin ich mir völlig sicher, dass ich schon genau so auf
die Welt gekommen bin. Etwas anderes lässt mein Leben wie ich es gelebt habe nicht erklären.
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon Rosi » 2. Aug 2015, 17:52

spirulina hat geschrieben:.... TS wird vielleicht erst gesellschaftlich erzeugt.

... nochmal zu diesem "erzeugen":

Wie ich ja schon geschildert habe, bin ich seit frühster Kindheit gegen dieses "TS" in mir
vorgegangen. Habe es bekämpft, unterdrückt, mich zutiefst davor geekelt und habe mir
ersehnt, einfach in meinem Geschlecht zufrieden leben zu können. Man könnte praktisch
sagen, ich wollte damals tatsächlich in meinem "Wunschgeschlecht" leben ;-)

Mit einem starken Willen lässt sich ja bekanntlich sehr viel erreichen. Man schafft es dadurch
abzunehmen, mit rauchen aufhören, Dinge zu erlernen, einfach zu extremen körperlichen
und geistigen Leistungen fähig zu sein.

Trotz aller Gewalt, dem großen Willen, dem großen inneren Wunsch und der ausdauernden
Bemühungen, ist es mir niemals gelungen, das "TS" in mir zu beseitigen. Wenn es also so
schwer, bzw. unmöglich zu sein scheint, "TS" zu beseitigen, wie sollte es dann in dieser
unverrückbaren Weise "erzeugt" werden, wenn nicht durch "angeborensein". Jedenfalls
sicher nicht durch eine gesellschaftliche Prägung, einem überstülpen eines "Wunsches".

Ich denke, "wir" und der Lauf unseres Lebens, sind der beste "Beweis", dass Transsexualität
genau so wie sie ist in die Wiege gelegt wird. Die Möglichkeiten die wir haben, belaufen
sich nur darauf, damit in irgendeiner Weise - unserer individuellen - umzugehen.

Mehr nicht!
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon spirulina » 2. Aug 2015, 19:12

Die früheste Prägung im Leben ist ausschlaggebend,warum sollte es dann nicht möglich sein,daß wir zu Transsexuellen in irgendeiner Form von der Umwelt oder den Eltern erzogen werden? Ich gehe mal davon aus,daß man als Neugeborenes erstmal neutral bzw. ungeprägt ist. Säuglinge werden ja schon durch die Eltern geprägt z. B. bei der Nahrungsaufname. Männliche Säuglinge schreien,wenn sie Hunger haben,weibliche Säuglinge werden schon an feste Fütterungszeiten gewöhnt. Ich bin mir da nicht mehr so sicher,ob TS nicht vielleicht doch durch die Umgebung irgendwie anerzogen wird. Vielleicht reicht schon der Wunsch der Eltern auf ein bestimmtes Wunschgeschlecht der TS auslösen kann.
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon Rosi » 2. Aug 2015, 20:50

spirulina hat geschrieben:...... Vielleicht reicht schon der Wunsch der Eltern auf ein bestimmtes Wunschgeschlecht der TS auslösen kann.

Da müsste ich mich jetzt wiederholen :-(

http://forum.shg-dazwischen.de/viewtopic.php?p=2798#p2798
http://forum.shg-dazwischen.de/viewtopic.php?p=2814#p2814
http://forum.shg-dazwischen.de/viewtopic.php?p=2826#p2826
...
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Re: Das Wesen auf der einsamen Insel

Beitragvon spirulina » 2. Aug 2015, 22:03

Auch ein völlig "normaler Mensch" hat im Laufe seines Lebens Phasen,wo er seine Person und das partnerschaftliche Leben in Frage stellt.
Die Forschung weiß letztlich gar nix,das sind alles nur Vermutungen oder induktive Schlüsse,aber keine Beweise.
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