Im Wandel der Zeit

Meinungen und Meldungen aus unserem sozialem Umfeld

Im Wandel der Zeit

Beitragvon Rosi » 18. Jul 2015, 14:46

Vor Monaten waren wir Alle Transgender
heute sind wir Alle Transmenschen oder Trans*

(Transfrauen, Transmänner, Trans-Models ...)
.... das macht es aber auch nicht besser!
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon Frank » 18. Jul 2015, 16:45

Hallo Rosi,
naja das Ironische ist eben :
Trans* -> ergibt bei Google erst mal eine Menge Links zu "Trans(*=port) Unternehmen" -> die kennt wenigstens Jeder, aber was hat Transport mit Transsexuell zu tun? :-k

Trans* macht ohnehin alles "Gleich" - nur sind die Bedürfnisse, die Ursachen und die Ziele eben nicht "die Gleichen" ....

Vielleicht liegt das aber auch daran das eben aufgrund des Ungleichen das Verständnis fehlt?

Nachdenkliche und fragende Grüße,
Frank
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon Lotty » 18. Jul 2015, 17:30

Vor langer Zeit einmal war ich Transgender, Damals bezeichnete ich mich auch als Transfrau. Dann kam die Zeit als man mir einen Stempel "Transsexuell" verpasste obwohl ich diesen Begriff absolut daneben fand. Ich war doch nicht psychisch gestört. Mittlerweile habe ich die Fremdbestimmung jedoch überwunden und für mich hat Transsexualität jetzt die richtige Bedeutung: Ein Mensch mit gegengeschechtlichen Körpermerkmalen ist in der Zeit der körperlichen Angleichung an sein Geschlecht als Transsexuell zu bezeichnen.

Mir fehlt im Grunde das richtige Verständnis dafür das sich Frauen und Männer mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen nach ihrer Transition als Trans* oder Transmensch oder Transgender bezeichnen lassen. Gut, aus Unwissenheit wenn jemand vor oder in der Transition steckt und sich falsch beeinflussen lässt ok. Aber wissen diese Personen eigentlich was sie sich und uns allen auf Dauer damit antun?

Gender und Sexus sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge. Handelt es sich beim Gender um die soziale Rolle, so geht es beim Sexus um den Körper. Und genau das ist es doch, der Körper der bei Menschen mit transsexuellem Hintergrund nicht so ist wie er sein soll. Frau oder Mann mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen.

Auch dieses ewige Trans sonstwas. Wollen wir als normale Frauen und Männer leben oder sind wir etwas anders, eine eigene Rasse, eben keine Frauen und Männer sondern irgendwas Transmäßiges. Ich bin jedenfalls eine Frau, einfach nur eine Frau ohne Trans und ohne Stern.

Wenn man schon eine Sammelbezeichnung benötigt, wie wäre es mit:
Menschen mit geschlechtlicher Varianz
Das lässt sich auf die soziale Rolle und auf die Körperlichkeit beziehen.

Liebe Grüße
Lotty
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon Ätztussi » 18. Jul 2015, 19:01

Vor meinem Outing wusste ich nicht was ich war, weil es gab zu wenig Infos und kein Internet. Nach meinen Outing(Ende 1982) wurde mir schnell bewusst das ich TS bin und ich als Frau leben will und am liebsten einen Frauenkörper haben will. Das mit dem als Frau leben habe ich geschafft nur den Frauenkörper habe ich nicht bekommen. Aber meinen Körper habe ich weitgehend angeglichen damit ich mich einigermaßen stimmig fühle.

Damals 1983/1984 haben wir in unserer SHG in West-Berlin gemerkt das der Begriff Transsexualität auch nicht richtig die Thematik beschreibt. Wir haben damals keinen stimmigen Begriff gefunden. Ende der 90 er Jahren heute ich zum ersten Mal vom Begriff Transidentität, den ich auch nicht als stimmiger Begriff für unsere Thematik empfand.

Vom Begriff Transgender habe ich erst in diesen Jahrtausend gehört. Als Obergriff worunter auch Transsexuelle fallen sollte konnte ich diesen Begriff für Transsexuelle und Ehemalige Transsexuelle nicht akzeptieren. Da ich nach meiner GaOp Frau bin und als Frau lebe.

Es gab in Deutschland darunter auch in Berlin heftige Auseinandersetzungen zwischen Transgender und Transsexuellen. Die meisten Transsexuellen akzeptieren das überstülpen Begriffs Transgender durch Transgender für sich nicht und wehren sich gegen die Zwangseingliederung von Transsexuellen durch Transgender.

Mittlerweile habe das auch einige Transgender verstanden und versuchen nun den Begriff Trans* als Oberbegriff für Transsexuelle, Transgender, Transvestiten, Drags ... zu verwenden.

Außerdem wird auf der anderen Seite in Berlin versucht die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung
den Begriff transsexuell durch den Begriff transgeschlechtlich zu ersetzen und einzudeutschen.

Ich selbst bleibe dabei, dass ich eine Frau bin, und manchmal auch das ich eine Frau mit transsexueller Vergangenheit bin.

LG Ätzi
Transgender? Nein Danke!
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon Rosi » 18. Jul 2015, 19:51

Ätztussi hat geschrieben:.....
Außerdem wird auf der anderen Seite in Berlin versucht die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung
den Begriff transsexuell durch den Begriff transgeschlechtlich zu ersetzen und einzudeutschen.

Also ich bin nicht "gegengeschlechtlich" und auch nicht "hinübergeschlechtlich". Geschlechtlich bin ich so wie ich bin - Frau.
Gegengeschlechtliche Körpermerkmale hab ich wohl.

Es ist schon lustig, dass alle meinen "transsexuell" ist etwas "Schmutziges" oder "Ablehnenswertes" wegen dem "sexuell" da drin.
Dann wäre ja "homosexuell" praktisch auch "schmutzig" oder "ablehnenswert" (zur Erinnerung (Ursprung der Wortschöpfung): [i]griech.
ὁμός homόs „gleich“ und lat. sexus „Geschlecht“
[/i]

Es ist schon immer erstaunlich, dass sich Menschen Gedanken über die Auswirkungen und Assoziationen von "sexuell" machen, aber wenn
es darum geht, das gleiche bei "Transmensch" zu hinterfragen, dann nicht mehr folgen können. Das zeigt leider, wie flach und oberflächlich
die Menschen denken und irgendwelchen hohlköpfigen Gedanken folgen und sie nachplappern.
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon tilly » 19. Jul 2015, 01:41

Nun ja,

als transsexuell sind wir ja auch "gegengeschlechtlich" oder "hinübergeschlechtlich".
Ich befürchte, wir können Worte drehen und wenden wie wir wollen, die Tatsache dass es einer großen Mehrheit von Menschen nicht nachvollziehbar ist was in uns vor geht, bleibt!
Und so sind es nicht nur Worte die kritisch zu betrachten sind, genau so geht es auch um Bilder, "Mann mit viel zu kurzem Röckchen und zu hohen Schuhen", oder auch um Kleinigkeiten.
Eine Kollegin hat versucht mir klar zu machen, dass eine Frau keine Zigaretten selbst dreht.
Tja, nun stehe ich hier, immer noch etwas doof dazwischen, die richtigen Worte fehlen mir, alle Frauenrollen kann und will ich nicht erfüllen....

Aber, eines kann uns niemand nehmen, wir hatten die Möglichkeit, die den meisten Menschen verwehrt bleibt, einen tiefen Einblick in beide Geschlechter zu erlangen!

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon spirulina » 19. Jul 2015, 10:30

Ehrlich gesagt ist es mir völlig wurscht was Andere von mir halten oder über mich denken. Diese ganzen Wortspielchen mit T bringen auch nix und Verständnis hat letztlich auch keiner. Jeder muß halt sein Ding für sich selber machen und gucken wo er bleibt. T ist für Männer nur solange interessant,wie es ihre Phantasie anregt und Männer haben eine manchmal blühende Phantasie ! Da wird dann in T alles reinphantasiert,was sie zuhause nicht kriegen ,man kann vielleicht auch sagen je spießiger die Ehefrau ,desto phantasievoller der unbefriedigte Mann .
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon Rosi » 19. Jul 2015, 14:24

tilly hat geschrieben:als transsexuell sind wir ja auch "gegengeschlechtlich" oder "hinübergeschlechtlich".
..

vielleicht der übrige Körper zum Gehirn - aber nicht Ich (und damit auch nicht "wir) ;-)
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon Frank » 19. Jul 2015, 19:18

Nun der Sinn hinter diesem "transgeschlechtlich", "Trans*" und was auch immer an Wortschöpfungen noch auftaucht ist letztlich vor allem der, die Binären Geschlechtlichkeiten, "Frau" und "Mann" aus zu Klammern.

In den Vielfaltkampagnen geht es immer nur um das "nicht übliche" also um Homo- oder Bi- (sowie A-, Pan-, usw.) sexuelle Orientierung,
um Geschlechtsdefinitionen jenseits von Frau und Mann,
eben darum das "Andere" auf zu zeigen und als "genauso normal wie Heterosexuelle Orientierung und binäres Geschlechtersystem" hin zu stellen.

Das wir - also Menschen die Transsexuell sind, oder sich als Frauen/Männer mit transsexueller Vergangenheit bezeichnen - uns jedoch in dem binären Geschlechtermodell definieren - nun das passt eben nicht in diese Konzepte, es kann doch gar nicht sein das Jemand der zur "Vielfalt des Andersseins"gehört in diese binäre Normativität rein will, das widerspricht doch allem wofür diese Vielfaltkampagnen stehen - denn dabei soll doch gerade dieses Anders-sein zur "neuen Normativität" gemacht werden.

Dort wo es letztlich noch um "Gleichberechtigung" und "Gleichstellung" geht, dort wird sogar noch akzeptiert das es bei "trans-" Begriffen sehr wohl Unterschiede gibt, auch wenn dies leider immer seltener wird.
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Re: Im Wandel der Zeit

Beitragvon spirulina » 19. Jul 2015, 20:49

Man könnte es jetzt auch noch ganz anderst einordnen: Alles,was nicht der Fortpflanzung des menschlichen Individuums dient ist pervers .
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