Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Vanessa » 29. Nov 2015, 23:20

Tilly, hab noch mal editiert und bin jetzt konkret auf deinen Punkt eingegangen.

Zu deinem zweiten Beitrag: Sind die Bedürfnisse denn so verschieden? Geht es nicht am Ende des Tages einfach für jeden Einzelnen darum, so sein zu können wie er ist und so auch von allen anderen Menschen akzeptiert zu werden? Jeder leidet mehr oder weniger unter der gesellschaftlichen Nichtakzeptanz, sowohl im privaten Bereich als auch im gesamtgesellschaftlichen. Die Lösung wäre einfach, dass ein "Mensch mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen" genau so akzeptiert wird wie ein "Mensch mit gegengeschlechtlichem Kleidungswunsch", um hier mal eine analoge Formulierungsweise zu verwenden und auf diese Weise aufzuzeigen, dass beide letztlich im selben Boot sitzen bezogen auf ihr Akzeptanzproblem.

Ich weiß, vielen hier geht es letztlich darum, dass die Befürchtung da ist, dass die Gesellschaft das so nicht einfach schluckt und herum zickt, wenn man es ihnen auf diese Weise erklären will. Vielleicht ist die Gesellschaft nicht reif dafür. Ich weiß es nicht. Und ja, ich bin hoffnungslos idealistisch. Ich handele immer danach, was ich für richtig halte, und nicht unbedingt danach, was das Ziel am effektivsten erreicht. Deswegen ist für mich dieser ganze politische Aspekt auch nichts.

Und um es auf den Punkt zu bringen: Wenn mein Erklärungsmodell den Transsexuellen nicht dabei hilft, ihre gesellschaftliche Situation zu verbessern und ihnen im Gegenteil vielleicht sogar eher schadet, ja, dann ist das sehr schade. Aber das macht für mich das Modell nicht weniger gültig oder plausibel. Das eine ist eben der Versuch einer Erklärung. Das andere ist Politik. Das kann sich gegenseitig durchaus im Wege stehen, sehe ich ein. Und ich hatte es glaube ich ganz am Anfang schon ähnlich erwähnt, dass wenn einfach restlos alle Menschen so akzeptiert würden, wie sie sind (solange sie anderen nicht schaden), dass sich dann ein Großteil der Probleme dieser Welt schlagartig in Luft auflösen würden. Radikale Islamisten gäbe es dann nicht mehr. Neonazis gäbe es dann nicht mehr. Transphobe und Homophobe gäbe es dann nicht mehr. Kriege gäbe es dann nicht mehr. Eine Welt. Weltfrieden. Und ja, das ist mein voller idealistischer Ernst.
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon tilly » 29. Nov 2015, 23:59

Ok, hab es gefunden

Nun dann bist du ja schon ganz dicht dran.
Jetzt mach dich noch schlau was die aktiven Transgender politisch wollen.
Was mir so aus dem Stehgreif einfällt, genderfreie WC´s, scheint es in Berlin schon zu geben...
Papiere, ohne w oder m, oder am liebsten gleich doppelt je nach Laune....
Eine neue Sprachregelung, Gender Gap......

Mit liebem Gruß Tilly
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Vanessa » 30. Nov 2015, 00:12

Also da es mich aktuell sehr ankotzt, noch auf das Männerklo gehen zu müssen, wäre mir ein Einheitsklo lieber. Dann würde mir mein offizieller Männerstatus da wenigstens nicht mehr jedes Mal vorgehalten werden. Aber nach der Transition, nach Akzeptanz als Frau, wäre es mir lieber, mir das Klo nicht mit Männern teilen zu müssen. Im Idealfall gäbe es einfach drei Klos: M, W und X. Und von mir aus auch Y, wer auch immer das sein mag. Ist mir eigentlich ganz egal, solange jeder sein passendes Klo findet, in dem er sich wohlfühlt.

Zu den Formulierungen habe ich meine ganz persönliche Hassliebe, liebe Menschinnen und Menschen. Aber auch hier würde ich Menschen, die sich nicht binär verstehen, ihren eigenen Status zugestehen. Es ist genau so ihr Recht, ihrem Empfinden nach korrekt angesprochen zu werden, wie es das Recht für sich binär verstehende Menschen ist. Da man die Adressaten nicht immer alle kennt, muss man hier halt irgendeine Lösung finden, mit der sich alle irgendwie arrangieren können.

Was Papiere angeht, so würde ich es wie bei den Klos halten. Soll jeder drauf stehen haben, mit dem er sich am wohlsten fühlt. Also W und M für sich binär verstehende Menschen. Und was der Rest will, ist mir egal. Sollen die Pumuckl drauf schreiben.
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon tilly » 30. Nov 2015, 00:16

Tja und es ist ein nettes Modell, aber die Gesellschaft wird es nicht schlucken.
Der Sozialismus war ja auch ne nette und interessante Idee.....

Sorry, ich werde müde. LG Tilly
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Lotty » 30. Nov 2015, 01:04

Hallo Vanessa,

was mir an deinem Modell nicht so gut gefällt ist die "Zweidimensionalität". Du erklärst alles mit dem Phänomen der Testosteronversorgung wärend der embryonalen Entwicklung. Ist es viel wird es ein Mensch mit männlicher Geschlechtsidentität, ist es weniger hat der Mensch eine weibliche Geschlechtsidentität. Alles liegt auf einer geraden Linie. Die moderne Embryologie und Genetik lehrt uns das es nicht so einfach ist wie wir dachten. Ursprünglich ging man davon aus das das SRY-Gen für die Entwicklung zum Mann zuständig war. Heute weiß man das viel mehr Gene an der geschlechtlichen Entwicklung beteiligt sind. Es ist auch lange nicht so das die gleichen Gene immer zu den gleichen Proteine führen, die dann in den Zellen wirksam werden.

Auch ist die embryonale Entwicklung äußerst komplex, da läuft nicht alles immer so wie es eigentlich ideal ist. Auch äußere Einflüsse haben da ihren Einfluss, nicht nur die Gene. Ebenso ist es mit dem neuronalem Netz. es ist nicht nur das Gehirn maßgebend, da gibt es noch das Kleinhirn, das Rückenmark und die Nerven. Einen großen Einfluss wird auch das autonome Nervensystem haben, zumindest wenn es um essentielle Körperfunktionen geht wie Herzschlag, Atmung, Körpertemperaturregelung. Im Genitalbereich gibt es dort auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wir kratzen erst an der Oberfläche des Wissens um die Dinge. Heute schon zu glauben "wir wissen" ist meines Erachtens vermessen.

Nehmen wir mal das praktische Leben. So gut wie jeder Mensch hat Wesenszüge und Eigenschaften die eher dem anderem Geschlecht angehören. Wer zweifelt aber von diesen sein Geschlecht an. Die Gegengeschlechtlichkeit wird einfach ausgelebt. Nehmen wir mal weiter "Transgender" also Menschen die keine GaOP anstreben und mit ihren Genitalien absolut zufrieden sind. Da gibt es bestimmt welche die sind verdammt weiblich, bestimmt sogar weiblicher als manche Menschen mit OP-Wunsch. Trotz dem sind sie mit ihrem männlichem Genital zufrieden. Dann gibt es auch Menschen die sind gar nicht so sehr weiblich aber sie wissen das sie ein falsches Genital haben. Auch der Hass auf die eigenen Genitalien ist kein Kriterium, es gibt genügend Menschen die diesen nie verspürt haben.

Ich denke mal. so einfach wie du es geschildert hast ist es nicht.

Deutlich wird die Sache aber erst richtig nachdem die Genitalangleichung gelaufen ist. Wenn du plötzlich weißt dass es so richtig ist. Du dein ganzes Leben unzufrieden warst und jetzt einfach nur glücklich. Das hat dann erst einmal nichts mit der sozialen Rolle, dem Habitus oder mit Sex zu tun. Es ist einfach nur ein Körpergefühl, ganz privat, einsam und verschlossen im tiefstem Inneren.

Nein, es gibt diese Trennung zwischen TS und Trans* und selbst wenn nicht. Wo liegt das Problem diese Grenzziehung zwischen Transsexuell und Trans* genau dort zu legen wo es um die genitale Angleichung geht? Es wird doch nur dann komisch wenn wir dann von Premiumklasse reden. Aber ist es etwas was den Wert eine Menschen bestimmt. Muss alles gleich sein um Gleichwertig zu sein. Das ist doch auch das Problem bei der Emanzipation. Dort geht es doch auch nicht darum das Männer und Frauen gleich sind. Es geht um eine Gleichwertigkeit, Gleichheit wird es niemals geben. Menschen sind einfach unterschiedlich.

Liebe Grüße
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Vanessa » 30. Nov 2015, 01:47

Ja, das ist ein sehr einfaches Modell. Die Möglichkeit mehrerer Faktoren/Ebenen, die für Geschlecht relevant sind, habe ich ja auch schon erwähnt. Bei den Mäusen hat es aber eben ausgereicht, nur die Testosteronzufuhr zu regeln. Ob diese Mäuse dann aber auch eine veränderte "Geschlechtsidentität" hatten, kann man daran natürlich nicht ablesen. Das können sie uns leider auch nicht erzählen. Und messen können wir das auch noch nicht. Vielleicht ist das instinktive Verhalten und dieses Identitätsgefühl aber letztlich auch ein und dasselbe, bzw. folgt der selben Ursache. Wir wissen es nicht.

Und was die Grenzziehung bei GaOP-Wunsch/Entscheidung/Ergebniszufriedenheit angeht, tja, wirkt für mich halt nach wie vor irgendwie willkürlich gewählt. Warum nicht Brüste? Was, wenn jemandem Penis/Vagina egal ist, aber die Veränderung an den Brüsten für große Euphorie sorgt? Oder müssen die sich dann "Transbrüster" oder so nennen und eine dritte Gruppe bilden? Dass das für dich und viele andere ein ganz wichtiger Aspekt mit den Genitalien ist, will ich dir überhaupt nicht absprechen. Aber rechtfertigt das eine eigene Gruppe? Ist wohl die Frage, auf welcher Zoomstufe oder Detailebene man das betrachten möchte. Bei mir löst das halt nur Schulterzucken aus, wenn ich versuche, das Thema aus der Totale zu betrachten (was ich immer als erstes versuche, bevor ich weiter in die Tiefe gehe), und wir reden hier bei den Begriffen ja nicht über eine sekundäre Unterscheidungsebene sondern über die erste Einstiegsebene, die Wurzel des Baumes sozusagen. Klar, irgendwo differenziert es sich dann aus. Dann sind es die Transsexuellen, die "Transbrüster", die "Körperegalen" und wer weiß was noch für Leute. Für mich haben diese Unterscheidungen keine Relevanz in oberster Instanz. Am Ende sehe ich halt als primären Motivationsfaktor für diese Unterteilung politische Ziele. Und damit habe ich halt nichts am Hut. Ja, für einige Menschen ist die genitale Angleichung wichtig. Punkt. Zur Kenntnis genommen, akzeptiert. Die Bildung einer Gruppe explizit für solche Leute ist für mich jedenfalls nicht auf Anhieb in Deckung zu bringen mit möglichen biologischen Ursachen. Ich finde dafür einfach keine ausreichenden Indizien, die mir das irgendwie nahe legen. Wenn man das nun trotzdem aus anderen Gründen, wie eben politischen, will, ja dann, von mir aus. Aber ich kann da halt nur mit der Schulter zucken. Und nach gegenwärtigem Stand was mich betrifft, glaube ich auch nicht, dass selbst wenn ich mich zur GaOP entscheiden sollte und auch mit dem Resultat glücklich bin - glücklicher als jetzt - dass ich das dann anders sehen werde. Wie gesagt, ich sehe es als vollkommen valide an, den Wunsch zu haben und das als absolut überlebenswichtig zu betrachten. Aber es trennt für mich nicht die Spreu vom Weizen, um es sprichwörtlich zu formulieren.

Gut, man könnte die Frage anders stellen. Was ist einem Menschen jeweils am wichtigsten? Den einen vielleicht das Genital, den anderen Brüste, wieder anderen "nur" die soziale Rolle. Und dann könnte man sie danach in Gruppen aufteilen. Das hätte dann zumindest ein System, mit dem ich etwas anfangen kann, weil da auch wieder auf alle Gruppen das gleiche Kriterium (Wichtigkeit) angewendet wird. Möchtest du es so verstanden wissen?

Oder vielleicht kann man es auch ganz kurz und knapp auf ein Minimum reduzieren: Da sind Leute, denen das Genital wichtig ist. Die finden sich daher aufgrund dieses vereinigenden Merkmals als Gruppe zusammen. Diese Gruppe fühlt sich bedroht, belästigt, vereinnahmt oder wie auch immer gestört durch eine andere Gruppe und distanziert sich so lauthals von dieser. Is that it?

Insofern haben wir vielleicht auch völlig aneinander vorbei geredet. Mir ging es immer um dieses einheitliche Erklärungsmodell, das für mich die Ursachen erklärt und überhaupt keine Wertung oder Absicht beinhalten soll. Dem VTSM geht es darum aber wohl höchstens indirekt und primär darum, den Transsexuellen einfach Raum und Gehör oder einfach Sichtbarkeit zu verschaffen.

Aber ob die Aussage "wir sind auch biologisch ganz anders" dafür dann wirklich zutreffend ist? Klar, als Argument würde das eher ziehen als "wir fühlen uns einfach anders", aber trifft das auch wirklich zu? Bestätigt das die Forschung? Wie gesagt, ich glaube grundsätzlich an eine biologische Ursache bei allen, und halte es eher für einen Irrtum auf Seite derer, die Geschlecht abschaffen wollen. Daher würde ich auch nicht sagen "wir haben eine biologische Ursache und ihr nicht", sondern "wir haben alle wahrscheinlich eine biologische Ursache, ihr wollt es nur nicht glauben". Insofern ist die exklusive Kopplung von biologischer Ursache und Wunsch nach genitaler Angleichung vielleicht ein logischer Fehlschluss, genau so wie die exklusive Beanspruchung "nur wir haben eine/diese biologische Ursache". Wenn die Aussagen, die ich hier in Gänsefüßchen geschrieben habe, nicht in sinngemäßer Form zutreffen auf die, denen ich diese jetzt möglicherweise in den Mund gelegt habe, so möchte ich diese gern berichtigen und nicht als Fremdzuweisung oder ähnliches verstanden wissen.

Das ist alles so verdammt heikel. Als ich meine Theorien entwickelt habe, musste ich auf niemanden Rücksicht nehmen. Das war einfach nur für mich. Aber jetzt komme ich mir vor wie ein Bombenentschärfer bei der Arbeit. Jeder falsch gezogene Draht kann sofort eine Detonation bewirken. Ausgesprochen mühsam.

Boah, viel zu spät. :o
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Lotty » 30. Nov 2015, 09:15

Vanessa hat geschrieben:Ich kann an dieser Stelle wirklich nur inständig darum bitten, sich bei der Betrachtung für den Moment von persönlicher Befangenheit, der Sorge um gesellschaftliche Akzeptanz (Schäferhunde: "Wenn wir alle Hunde sind, dann halten uns andere evtl. für Bernhardiner."*) und politischen Zielen zu lösen, und das einfach nur von einem neutralen Standpunkt aus zu betrachten.

Du hast in deiner Betrachtung einige DInge nicht gankz korrekt ausgewertet. Transgender ist ein Begriff der ursprünglich einmal für Menschen geschaffen wurde die dauerhaft die Geschlechtsrolle wechseln aber keine Genitalangleichung anstreben (USA, 70er, Virginia Prince). In deiner Analogie wären dies dann Schäferhunde, als Beipiel. Niemand käme dann auf die Idee Schäferhunde als Bezeichnung für alle Hunde zu wählen, da wurde bewusst ein anderer Begriff gewählt, nämlich Hunde. Transgender kann keinen Sammelbezeichnung sein weil es eine Bezeichnung für ein ganz bestimmtest Phänomen ist.

Dann zum zweiten: Es geht nicht an Hunden pauschal Eigenschaften zuzuweisen. Die eine Rasse liebt ausgiebige Ruhephasen, die andere braucht regelmäßigen Auslauf. Zu behaupten Hunde würden Kinder lieben ist eine Pauschalisierung die falsch ist. Genau diese Pauschalisierung erfolgt aber bei Trans*Menschen. Dort wird sogar von Lebensmodell und Transgeschlechtlichen (Geschlechtswechsler) geredet, siehe BV-Trans*.

Da liegt das Problem im Wesentlichen. Diese Gruppierungen verbreiten Dinge die einfach nur falsch sind. Transsexualität bedeutet eben nicht Geschlechtswechsel und hat nichts mit einem Lebensmodell zu tun. Menschen mit transsexuellem Hintergrund leiden auch nicht unter der dualen Geschlechtlichkeit, brauchen keine Toiletten für ein drittes Geschlecht und brauchen auch keinen dritten Geschlechtseintrag.

Menschen mit transsexuellem Hintergrund möchten in Ihrem Geschlecht anerkannt werden und genau dies wird mit diesem Gender-Gerede zerstört. Denn beim Gender geht es um die soziale Rolle, dem Rollenwechsel, dem "möchte im Gegengeschlecht leben" und solchen Dinge. Das ist aber nicht unsere Realität.
Solange solch ein Unsinn über uns verbreitet wird, lehnen wir es ab in einem Trans*Topf vereinnahmt zu werden, lehnen wir es ab als Transgender bezeichnet zu werden.

Menschen mit transsexuellem Hintergrund sind keine Trans*Menschen.
Menschen mit transsexuellem Hintergrund sind keine Transgender.
Es sind Menschen, Frauen und Männer mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren.


Liebe Grüße
Lotty
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Frank » 30. Nov 2015, 09:51

Hallo Vanessa,
Brüste sind ein Merkmal das zwar den Frauen zugezählt wird, aber hast du dich mal umgesehen wieviele Frauen nur sehr wenig oder sogar gar keine erkennbare "weibliche Brust" haben?
Die Brust hat bei Beiden primärgeschlechtern gewisse Neuronale Vernetzungen, erst wenn es um die Funktion der Milchproduktion geht dann kommt es zu einem Unterschied, aber auch der entsteht nur im Zusammenhang mit Hormonen die während einer Schwangerschaft produziert werden - sonst aber in so geringem Maße vorhanden sind das sie wirkungslos sind.
Es gibt also letztlich keinen wirklichen "Körperlichen" Zusammenhang zwischen "Brust" und Geschlechtswunsch -> ausser eben dem sozialen Aspekt.

Bei den Genitalien sieht es aber anders aus -> hier gibt es Nachgewiesene Neuronale Unterschiede in der Vernetzung, bei Menschen die auch einen Penis als Genital an ihrem Körper erwarten verläuft diese anders, wie bei Menschen die eine Vagina erwarten.
Hierzu kann ich nur auf Ramachandran verweisen, eine Studienzusammenfassung in der es um das Thema "Phantompenis" ging.
Männer die aus welchen Gründen auch immer, ihren Penis verloren haben hatten dieses Phantomgefühl fast alle, Frauen nach GaOP manche, aber auch einige Männer vor GaOP hatten es.Leider ist die Aussagekraft dabei eher schwach, da keine genaueren Angaben über die Anzahl der Frauen und Männer mit GaOP bezug angegeben sind.

Dieser Aspekt ist aber einer der eindeutig und definitiv ausschließlich mit dem Genital zusammenhängt.
Das Genital ist für die meisten Menschen auch ein wichtiger Körperteil, da zum Beispiel alles was mit erotischem Erleben zusammenhängt in irgendeiner Form Bezug zum Genital hat.

Und genau hier an diesem Punkt -> den Genitalien und dem erotischen Erleben
einen Unterschied zu machen ist durchaus Sinnvoll, den "Eros" (erotisches Erleben) gehört zu dem essentiellem was einen Menschen ausmacht.
Auch wenn es Menschen gibt bei denen dieser Aspekt kaum vorhanden ist, für die meisten Menschen ist dies mehr oder weniger Wichtig.

Deshalb macht es sehr wohl Sinn Transsexualität von Transgender zu unterscheiden, mal ganz davon abgesehen, das die aktuell stärkste Politisch und Medial vertetende Fraktion der "Transgender/Trans* Populisten" diesen Aspekt absolut nicht Ernst nimmt, sondern genau daran arbeitet diesen Aspekt zu verleugnen, oder sogar extrem zu negieren.

Dabei ist die Körperlichkeit eben EIN Aspekt - sicher spielt auch das soziale eine Rolle, aber diese "soziale Rolle" betrifft eine andere Ebene.

Liebe Grüße,
Frank
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Gast » 30. Nov 2015, 10:34

Zitat Lotty:
"Menschen mit transsexuellem Hintergrund sind keine Trans*Menschen.
Menschen mit transsexuellem Hintergrund sind keine Transgender.
Es sind Menschen, Frauen und Männer mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren."

Was ist an so ein paar einfachen Sätzen nicht zu verstehen? Und warum muss man seitenlang dagegen argumentieren? Das hat min Definition und Begriffen nichts zu tun. Lotty hat gerade mit dem dritten Satz schlicht eine Zustandsbeschreibung geben. Warum will man diesen Menschen ihr Frau- bzw. Mann-Sein absprechen und sie in irgendwelche nicht passenden Schubladen und Oberbegriffe stecken? Ist doch gar nicht notwendig.

Warum wird der Aspekt, wie von Lotty beschrieben, von manchen Gruppierungen ignoriert? Vermutlich, weil Menschen mit transsexuellem Hintergrund nicht in die queeren Leben- und Definitionsmodelle passen.
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Re: Das Biopsychosoziales Modell des Geschlechtsempfinden.

Beitragvon Vanessa » 30. Nov 2015, 10:39

Lotty, das Problem ist wohl einfach, dass die Begriffe für mich eine andere Bedeutung haben bzw. hatten als sie offenbar offiziell Verwendung finden (in Deutschland). Wie ich sie verstehe, habe ich ja nun denke ich überdeutlich beschrieben. Vielleicht muss ich mir eigene Begriffe ausdenken, damit niemand etwas verwechselt, wobei mich dann wohl niemand mehr überhaupt verstehen würde. Wenn ich über so ein Thema nachdenke, dann möchte ich am liebsten bei Null anfangen, ohne historische Altlasten und andere möglicherweise problematische Konnotationen. Ich muss dem Kind ja irgendeinen Namen geben, sonst fehlen mir die Worte und ich kann nicht ausdrücken, was ich ausdrücken möchte. Und da die guten Begriffe eben einfach alle schon belegt sind, tja, weiß nicht. Vielleicht sollte ich Französisch als Sprache wählen? Aber dann übersetzt das einer und landet wieder bei transsexuell, transgender, transident, usw. Das sind eben schon die markantesten Begriffe. Alles andere wäre wohl vergleichsweise kompliziert in der Formulierung, wenn man z.B. jedes Mal "Menschen mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen" schreiben würde.

Frank, dann wäre ja vielleicht "transgenital" der treffendere Begriff? Transsexuell würde ich ja auf den gesamten Körper beziehen (sexus = [Körper]geschlecht). Man könnte das auch in Kombination betrachten: Transgenital (Wunsch nach Genitalangleichung) plus ggf. Transgender, wenn auch der soziale Aspekt der Rolle wichtig für die Person ist. Und wenn der ganze Körper (inkl. Genital) angeglichen werden soll, dann transsexuell zu verwenden, auch ggf. plus Transgender. Dann würde ich nicht mehr von einer strikten Trennung zweier unabhängiger Typen ausgehen, sondern zumindest in Transgender (weiterhin) eine Schnittmenge finden, wenn es um den sozialen Aspekt geht, und die Differenzierung dann über die Zusätze transgenital oder transsexuell vornehmen. Ich denke, dann könnten sich die meisten hier auch weiterhin als transsexuell bezeichnen, aber dieser Clash mit dem Begriff Transgender wäre beseitigt, da sich beides erweitert statt sich zu widersprechen. Ich schätze, für die meisten hier sind alle drei Aspekte wichtig: genital, gesamtkörperlich und sozial. Wer möchte schon eine Vagina haben, aber begreift sich ansonsten voll als Mann? Gibt es zumindest hier vermutlich nicht, oder? Und wer möchte nur eine Vagina, ist aber ansonsten mit seinem behaarten Männerkörper zufrieden? Auch eher unwahrscheinlich, oder? Der Vorteil dieser Sichtweise wäre, dass man die bestehenden Begriffe so stehen lassen könnte und auch keine Umdeutung vornehmen müsste, da nach dieser Definition ja auch Transsexuell das Genital mit einschließt und (vermutlich) auch in der Regel ein Angleichungswunsch des restlichen Körpers vorhanden ist, sodass weiterhin Transsexuell verwendet werden kann (aber dann den Gesamtkörper meint) und Transgenital dann als neuer Begriff nur für den genitalen Angleichungswunsch eingeführt wird, aber praktisch irrelevant ist, weil (vermutlich) nie ausschließlich nur dieser Wunsch isoliert vorhanden ist. Man könnte ihn aber verwenden, wenn man explizit auf die besondere Wichtigkeit dieses Aspekts hinweisen möchte.
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