Die Neudefinition des Geschlechts

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Die Neudefinition des Geschlechts

Beitragvon Rosi » 6. Mär 2015, 15:52

Jenseits des Binärsystems
Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen. Natürlich haben Aktionen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen in den letzten 50 Jahren die Einstellung vieler Bürger zur sexuellen Orientierung und zum Geschlecht gelockert, und in vielen Gesellschaften ist es inzwischen auch akzeptiert, wenn die klassischen Geschlechterrollen in der Mode, der Karriere oder dem Sexualpartner aufgeweicht werden.
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Doch wenn die Wissenschaft immer wieder verschiedene Varianten der bekannten Geschlechter nachweist, dann müssten sich Staat und Gesellschaft auch mit den Konsequenzen und Definitionen befassen. Viele Transsexuelle und Intersexuelle träumen von einer Welt, in der das biologische oder persönliche Geschlecht einer Person irrelevant ist.
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http://www.spektrum.de/news/die-neudefinition-des-geschlechts/1335086
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Re: Die Neudefinition des Geschlechts

Beitragvon Lotty » 8. Mär 2015, 10:48

Liebe Rosi,

es handelt sich um einen durchaus lesenswerten Beitrag den du da verlinkt hast. Anhand der abweichenden geschlechtlichen Entwicklung bei intersexuellen Menschen, zeigt er deutlich dass es bei der geschlechtliche Entwicklung auch durchaus zu Fehlern kommen kann.

War man früher der Meinung dass das Geschlecht genetisch festgelegt ist (Y-Chromosomen heißt männlich) so weiß man heute das es so einfach dann doch nicht ist. Sehr viele Gene sind an der geschlechtlichen Entwicklung beteiligt, die Hormonversorgung spielt eine sehr wichtige Rolle und auch die Umgebungsparameter, der die Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt ist, haben wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes.

Nun ist es bei körperlichen Abweichungen noch recht einfach, diese lassen sich medizinisch durchaus feststellen. Ganz anders ist es aber bei der Transsexualität, da sind wir dann an einem Punkt wo es nur noch über das Empfinden eines Menschen festzustellen ist. Genau da haben wir dann das Problem das es auch den veränderlichen Aspekt der sozialen Geschlechtlichkeit gibt, das erwartete Rollenverhalten der Geschlechter.

So mancher Mensch hat ein Problem mit der ihm zugedachten Rolle, die er aufgrund seines Geschlechtes zu erfüllen hat. Bei Frauen ist das in unserer Gesellschaft nicht mehr so entscheidend, Männer unterliegen da einem weitaus stärkerem Druck. So mancher hat extreme Probleme dem erwartetem Rollenverhalten gerecht zu werden und flüchtet in die Weiblichkeit um dem zu entgehen.

Ganz anders ist es bei transsexuellen Menschen, dort geht es weniger im die soziale Rolle, das leben "als Frau" oder "als Mann" sondern um die Körperlichkeit, die Erwartung einen ganz bestimmten Geschlechtskörper vorzufinden. Für Betroffene ist es manchmal sehr schwer für sich selbst festzustellen wo eigentlich das Problem liegt und viel schuld liegt da auch an der fehlenden Differenzierung. Zwischen sozialer Rolle und Körperlichkeit wird in der Regel nicht unterschieden.

Ganz deutlich wird dies ja auch an den beiden Passagen,die du liebe Rosi zitiert hast. Zum einen taucht hier nur der Begriff Transsexuell auf, zum anderem wird dann davon geschrieben das viele Transsexuelle von einer Welt träumen, in der das biologische oder persönliche Geschlecht einer Person irrelevant ist. Wenn diese Aussagen nicht so entsetzlich traurig wäre, könnte ich schallend lachen, denn es ist doch mitnichten so.

Warum wohl leiden Transsexuelle derart unter ihrem Körper der nicht zu ihrem Geschlecht passt?

Warum nehmen Transsexuelle soviel auf sich um gänzlich ihrem Geschlecht zu entsprechen?

Warum träumen so viele Transsexuelle davon möglichst unerkannt ihrer Vergangenheit voll und ganz in ihrem Geschlecht anerkannt zu werden?

Wir sehen hier mal wieder ganz eindrucksvoll wie verhängnisvoll es ist dass bei den Begriffen ein derartiges Wirrwar besteht. In dem Beitrag ist von Transgendern die Rede und nicht von Transsexuellen. Transgender sind Menschen die ihrer sozialen Rolle wechseln, sie befinden sich mit ihrem Geschlechtskörper weitestgehend in Übereinstimmung. Transsexuelle habe ein massives Problem mit ihrem falschem Geschlechtskörper und eines ist bei Transsexuellen ganz klar:
Sie träumen nicht davon dass die Geschlechter abgeschafft werden.

Liebe Grüße
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Re: Die Neudefinition des Geschlechts

Beitragvon Frank » 10. Mär 2015, 10:01

Da es in dem "online" Artikel Änderungen gab, möchte ich hier auch darauf Hinweisen:

Jenseits des Binärsystems

Biologen haben inzwischen eine sehr differenzierte Sichtweise der Geschlechter – die Gesellschaft muss hier erst noch aufholen. Natürlich haben Aktionen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Aktivisten in den letzten 50 Jahren die Einstellung vieler Bürger zur sexuellen Orientierung und zum Geschlecht gelockert, und in vielen Gesellschaften ist es inzwischen auch akzeptiert, wenn die klassischen Geschlechterrollen in der Mode, der Karriere oder dem Sexualpartner aufgeweicht werden.
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Doch wenn die Wissenschaft immer wieder verschiedene Varianten der bekannten Geschlechter nachweist, dann müssten sich Staat und Gesellschaft auch mit den Konsequenzen und Definitionen befassen. Viele Transgender- und Intersex-Aktivisten träumen von einer Welt, in der das biologische oder persönliche Geschlecht einer Person irrelevant ist.


So steht es nun in dem Artikel - ich habe die gleichen Stellen verwendet die Rosi in ihrem ersten Post verwendet hatte.

Sicherlich ist nun auch Interessant wie es zu dieser "Änderung" kam - falls es Interessiert, dazu komme ich nun.

Als Vorstandsmitglied der BundesVereinigung-Transsexuelle-Menschen (e.V. in Gründung) ist mir bewußt das der Begriffswirrwar auch für die Medienschaffende ein Problem ist, deshalb schrieb ich der Redaktion von Spektrum einen Leserbrief, in dem ich darauf Hinwies und auch nach dem amerikanischen Orginaltext fragte.

Die Redaktion hat meinen Leserbrief ernstgenommen und meine Hinterfragung, ob dort nun wirklich Transsexuelle oder nicht eher Transgender gemeint sind, überprüft.
Der Orginaltext lautete folgendermaßen (dies wurde mir in einer wirklich netten Email der Redaktion mitgeteilt):
Yet if biologists continue to show that sex is a spectrum, then society and state will have to grapple with the consequences, and work out where and how to draw the line. Many transgender and intersex activists dream of a world where a person's sex or gender is irrelevant. Although some governments are moving in this direction, Greenberg is pessimistic about the prospects of realizing this dream - in the United States, at least. "I think to get rid of gender markers altogether or to allow a third, indeterminate marker, is going to be difficult."


Die entsprechenden Textstellen in dem Artikel wurden ebenfalls dieser Erkenntnis angepaßt und ich sehe es als etwas gutes an, das die Redaktion von Spektrum nun um die Problematik des Begriffswirrwars im Bereich der Trans-Begriffe weiß und dieses Thema auch ernst nimmt.

Liebe Grüße,
Frank
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