Selbsthilfe Forum - Frau! Mann! - oder was bin ich sonst?

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 Betreff des Beitrags: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 19. Feb 2018, 20:46 
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Wohnort: Melle
Geschlecht: Mann
Partner/in von: Lotty
Liebe Lotty,
wir haben leider nur 7 Jahre zusammen verbringen dürfen, eine Zeit mit Höhen und Tiefen und einem sehr schwerem Abschied.

Wir sind unseren Weg zum richtigen Geschlecht gemeinsam gegangen und ich erinnere mich gut daran wie Glücklich du gerade nach deiner OP warst,
"Lotty ist ein Mädchen" diese kleine Melodie werde ich immer als Zeichen deines Glücksgefühles in meinen Erinnerungen haben.
Ebenso wie dein Strahlen über die Enkelkinder die dich "Oma Lotty" nannten und die beiden Kleinen die du kurz nach Ihrer Geburt so erfreut betrachten konntest.
Aber ich habe dich auch bei dem Verlust deiner Eltern begleitet und dufte dich trösten wo du diesen Trost brauchtest.

Deine beiden sinnbildlichen Kinder, unsere Curly und den :vtsm-klein: werde ich hüten und pflegen ganz in deinem Sinne.

Und ich bin froh das ich dich auf deinem letzten Weg so weit begleiten durfte das dir dein letzter Wunsch erfüllt werden konnte,
du konntest gehen nachdem du beruhigt eingeschlafen warst.

In Liebe dein Franky


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 Betreff des Beitrags: Re: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 20. Feb 2018, 19:01 
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Registriert: 21. Feb 2016, 19:06
Beiträge: 1007
Trotz unserer räumlichen Trennung haben Lotty und ich mich oft und intensiv ausgetauscht, und nachfolgend möchte ich einige Dinge unserer Gespräche reflektierend aufgreifen.
Wir wissen, daß es Lotty erst im höherern Lebensalter vergönnt war, endlich befreit, als sie selbst leben zu können. Der Grund hierfür liegt sicherlich am allerwenigsten bei Lotty selbst. Nein, Lotty ist vielmehr die meiste Zeit ihres Lebens ein Opfer der völlig unangemessenen Umstände im allgemeinen Umgang mit unserer Betroffenheit als transsexuelle Menschen (Neuro-Genitales-Syndrom) gewesen.
Die Verhinderung der Möglichkeit, zu sich selbst zu finden, sich ihrer selbst bewußt zu werden, und ein dementsprechend befreites, ihr gemäßes Leben als Frau führen zu können, war ihr, mit Ausnahme der letzten sieben Jahre ihres Lebens nicht vergönnt.
In dieser Hinsicht steht Lotty stellvertretend auch für die vielen gleichsam betroffenen Männer und Frauen, denen der Weg zu sich selbst erheblich erschwert oder gar verbaut ist, durch unvorstellbar herrschende brutale Tabus, Verdrängungen, Verleumdungen und Verleugnungen, durch Mechanismen der Verächtlichmachung, der Psycho-Pathologisierung, und nicht zuletzt auch aufgrund der heute vorherrschenden Verzerrung und der Unsichtbarmachung unseres Phänomens als vermeintliche Geschlechts-Identitäts-Störung.
Lotty war das einzige Kind ihrer Eltern, und der Vater hatte klare Erwartungen an "seinen Sohn", dem Lotty aber aufgrund ihrer natürlichen Gegebenheiten noch nie nachkommen konnte, was zu vielerlei Spannungen im Elternhaus gesorgt haben dürfte. Diesen "strukturellen Unvereinbarkeiten" dürfte auch weitgehend geschuldet sein, daß Lotty frühzeitig ihren "eigenen Weg" außerhalb des Elternhauses suchte und fand.
Zum damaligen Zeitpunkt unbewußt wirkten in Lotty Kräfte der Verzweiflung, die sie ganz überwiegend zu destruktivem und irreversiblem Raubbau an ihrem Körper veranlassten, sei es das Hineinstürzen in nimmer endende Arbeitsorgien als "Workoholic" ohne geregelten Tag-/Nacht-Rhythmus und benötigten Schlaf, zudem exzessives Kettenrauchen, Alkoholkonsum und Drogenmißbrauch.
Diese einschneidenden Vorschädigungen sind auch der entscheidende Grund dafür, daß ihr nach Bewußtwerdung ihrer selbst als Frau nur noch wenige Lebensjahre beschieden waren, wenngleich dies ihre eigentlichen Lebensjahre eines glücklichen und erfüllten Lebens gewesen sind, auf die ihr die Ärzte schon seinerzeit, kurz vor der GaOP, kaum noch Hoffnung zu machen wagten.
Aber Lotty war so unendlich glücklich und dankbar, daß sie sich nach Bewußtwerdung ihres Frau-Seins mit transsexuellem Hintergrund konsequent und mit allem Nachdruck beherzt von der Opferrolle verabschiedete, und nunmehr gemeinsam mit Frank als ihrem künftigen Lebenspartner sowohl den für sie unerläßlichen Weg der körperlichen GaOP anging, als auch zudem gemeinsam mit ihm die VTSM e.V. gründete, und diese gewissermaßen als selbstbewußtes Kind der Reflexion, Klarheit, Wahrheit und Gerechtigkeit für originär transsexuelle Menschen (NGS) aus der Taufe hob, hegte, pflegte, und stets weiterentwickelte.
Ihr ganz persönlicher Einsatz mit aller Entschiedenheit, und dem ihr eigenen Kampfgeist für unsere gemeinsame Sache, ist wohl vor allem zurückzuführen darauf, wie sehr sie letztlich mit ihrem eigenen Leben unter dem Joch der Verhältnisse für transsexuelle Menschen litt und dafür persönlich bezahlen mußte, mit einem die meiste Zeit ihres Lebens weitgehend an ihren eigenen Gegebenheiten und Bedürfnissen vorbeigehenden Leben, das sie durch Betäubung aushaltbar zu machen suchte, aber letztlich auch mit ihrem allzu frühen Tod.
Ihr Kampf galt besonders den vielen unterschiedlichen Interessen- und Lobbyverbänden, die maßgeblich verantwortlich sind für die gegenwärtig zunehmenden Bedrohlichkeiten für das Leben und die spezifischen Erfordernisse, und die Anerkennung von originär transsexuellen Menschen (NGS) als Männer und Frauen.
Sie hat sich mit ihrem angeschlagenen Organismus nicht geschont, vernehmlich die Stimme zu erheben, und so manchen Streit auszufechten, insbesondere mit den Trans*-Gleichmachern. Das hat sie aber nie davon abgehlten, die Menschen mit anderen phänomenalen Betroffenheiten zu respektieren, und ihnen bei aller gebotenen Distinktion zur Spezifik ihrer Phänomene, diese klar herauszustellen, und dabei auch den Menschen anderer Phänomenlage(n) ihre menschliche Wertschätzung zukommen zu lassen.
In diesem Sinne verpflichtet uns ihr Vermächtnis:
Klarheit, Wahrheit und Gerechtigkeit für transsexuelle Menschen (NGS) - dafür kämpfen wir!


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 Betreff des Beitrags: Re: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 20. Feb 2018, 20:08 
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Beiträge: 598
Das ist so unsagbar traurig ...

In meiner Zeit mit Lotty, spürten wir beide schnell den guten Draht miteinander und es war immer ein emotionsvolles,
herzliches und offenes Miteinander - ob am Telefon oder persönlich. Auch wenn dieser Draht dann zu heiß wurde, bin
ich sicher, dass wir uns weiterhin in Gedanken still begleitet haben.

Ich werde Lotty und ihre Art nie vergessen und wünsche, dass ihr Engagement und ihr Schaffen eine Fortsetzung
durch die Menschen finden wird, die mit ihr gemeinsam durch die vergangenen Zeiten gegangen sind. Dazu wünsche ich
Allen, auch ganz besonders Frank und den Menschen hier im Forum, den Glauben und die Energie, mit der Lotty für
uns Alle immer vorangeschritten ist.

Danke Lotty .... ich weine um Dich .....

_________________
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"


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 Betreff des Beitrags: Re: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 20. Feb 2018, 21:16 
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Registriert: 6. Mai 2017, 08:14
Beiträge: 376
Wohnort: Pretty shity City
Geschlecht: Mann
Ich sage tschüß und ruhe in Frieden. Nun sind alle gesundheitlichen Qualen vorbei. Ich hatte mit Lotty zweimal telefoniert weil es mir dreckig ging und sie hat mir Verständnis entgegengebracht und konnte mein Verhalten nachvollziehen und verstehen. Dafür bin ich ihr dankbar. Bis heute. Das Telefonat mit ihr hat mir unendlich gut getan. Ich werde dich liebe Lotty in guter Erinnerung behalten. Machs gut und genieße nun den sorgenfreien und qualfreien Himmel. Du bist nicht allein, in unseren Herzen lebst du weiter.

_________________
Seit Mai 2014 endlich fertig. :) Ein ganzer Kerl dank Bogenhausen. ;)

V.i.k.z.k! Tok narok! bVb kathoey phu chai! Rawang arom phu chai!


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 Betreff des Beitrags: Re: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 21. Feb 2018, 08:14 
Ich habe es eben per Email erfahren und ich möchte allen Angehörigen mein Beleid aussprechen. Besonders dir Frank.
Mir fällt es schwer die richtigen Worte zu finden.
Ich finde euch als Team wundervoll und ihr werdet es immer bleiben.
Ich glaube dass diese Welt nur ein Teil vom Ganzen ist und es nur ein kurzzeitiger Abschied ist.

Liebe Lotty,
ich möchte mich in meinem und Urdas Namen, bei dir bedanken. Du warst ein unfassbar fairer und aufrichtiger Mensch. Solche Menschen lernt man selten kennen. Du hast es geschafft deine Meinungen und Ansichten respektvoll zu vertreten.
Vielleicht läuft man sich im nächsten Leben wieder über den Weg, ich würde mich freuen.

Alles Liebe und in Erinnerung,
Maria


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 Betreff des Beitrags: Re: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 24. Feb 2018, 22:14 
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Beiträge: 100
Geschlecht: Mann
Von dem, was ich von ihr gelesen hab, kann ich nur sagen, dass sie eine ehrliche & kämpferische Frau war. Findet man selten. Schade, dass ich sie nicht besser kennenlernen konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Mein Abschied
BeitragVerfasst: 24. Feb 2018, 23:30 
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Beiträge: 847
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Auch mit einigen Tagen Abstand, fällt es mir wirklich nicht leicht die passenden Zeilen zu finden.

Doch ich hatte das Glück Lotty auch persönlich kennenlernen zu dürfen. Vor allem mein erstes Treffen mit ihr wird mir immer in guter Erinnerung bleiben.
Damals, ich war noch ziemlich "grün" hinter den Ohren und mit meiner Transition noch nicht sonderlich weit, ergab es sich, dass ich Lotty im Segelflugzeug die Welt von oben zeigen konnte.
Sie war danach zwar etwas bleich um die Nase, aber tief beeindruckt. Und heute freue ich mich, dass ich ihr diesen besonderen Moment ermöglichen konnte.

Nun bin ich sicher, dass sie die Welt von oben betrachten darf, und auch, dass sie weiterhin ein Auge auf uns hat.
So mag ihr Körper nicht mehr unter uns sein, in unseren Herzen lebt sie weiter!

Tilly


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