Selbsthilfe Forum - Frau! Mann! - oder was bin ich sonst?

- Für Menschen deren Geschlecht nicht den Körpermerkmalen entspricht -
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 Betreff des Beitrags: Hintergründe
BeitragVerfasst: 23. Jan 2015, 10:06 
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Eine Aufklärung in loser Folge.

Wohl kaum irgendwo gibt es ein solches Begriffs-Durcheinander wie bei Trans*.

Travestie, Drag-Queen, Drag-King, Tunte, Transe, Gender-Queer, Freegender, Transvestiten, Transgender, Trans*, Transident, Transsexuell, Intersexuell und wenn ich weiter nachdenke, fallen mir bestimmt noch so einige ein.

Das Spektrum reicht von Schow (Travestie) bis hin zu Geburtsfehlern (Intersexualität), Manches sind Sammelbegriffe und manche Begriffe sind in ihrer Bedeutung äußerst umstritten.

Wer soll da eigentlich noch durchblicken?


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 Betreff des Beitrags: Re: Hintergründe
BeitragVerfasst: 24. Jan 2015, 19:19 
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Transgender: "Trans - hinüber / Gender -Geschlecht (sozial)" ist ein Begriff der dafür steht mit der zugewiesenen sozialen Geschlechterrolle nicht zufrieden zu sein. Der Begriff wurde von Virginia Prince maßgeblich geprägt.

Virgnia Prince, 1912 in Los Angeles geboren, begann im Alter von 12 Jahren mit Crossdressing, Promovierte 1939 in Pharmakologie, 1960 gründete sie die Zeitschrift Transvestia und 1961 gründete sie die erste Crosdressing Organisation in die nur heterosexuelle Crosdresser zugelassen wurden. 1968, im Alter von 55 Jahren, begann sie vollzeit als Frau zu leben und in den 70ern prägte sie dann maßgeblich den Begriff "Transgender" um sich von Homosexuellen und Transsexuellen Menschen abzugrenzen. Virginia Prince verstarb 2009.

Der Begriff Transgender beschreibt also ziemlich treffend Menschen die dauerhaft die zugewiesene Geschlechterrolle wechseln dies jedoch ohne genitalangleichende Maßnahmen zu benötigen. Leider wird dieser Begriff vielfach als Sammelbegriff verwendet. Transvestiten, Androgyne, Bigender, Cross-Dresser Drag Queens, Drag Kings, Transsexuelle usw. werden unter diesem Begriff zusammen gefasst. Verständlicherweise wird dies aber von vielen Transsexuellen und ehemaligen nicht akzeptiert und es führt immer wieder zu bösen Auseinandersetzungen.

Ich persönlich finde dass es einer unzulässigen Fremdbestimmung gleich kommt, wenn wir darauf bestehen Transsexuelle und ehemals transsexuelle Menschen als Transgender bezeichnen zu wollen. Ebenso werden die Menschen, die lediglich das soziale Geschlecht wechseln wollen, ihrer Bezeichnung beraubt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Hintergründe
BeitragVerfasst: 5. Mär 2015, 18:02 
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Transsexualität: Trans= hinüber, auf die andere Seite / sexus = Geschlecht (biologisch)

Über die Ursache der Transsexualität ist man sich bisher nicht einig. War man in der Vergangenheit der Meinung das es sich um eine psychische Erkrankung handelte, so deuten in jüngster Zeit einige Forschungsergebnisse darauf hin das es sich um eine pränatale Veranlagung handelt, jedoch gibt es verschiedene biologische Erklärungsmodelle.

Gendertheoretiker und Queer-Forscher gehen zwar davon aus dass das Geschlecht eine Frage der Sozialisation ist, jedoch ist dies Vorstellung äußerst umstritten. Das Geschlecht besteht durchaus aus mehreren Aspekten. Als erstes wäre da der rechtliche Status zu sehen. Dann aber auch der soziale Aspekt der Sozialisation. Dieser ändert sich im laufe der Zeit und ist in den verschiedenen Kulturen auch durchaus unterschiedlich. Bei diesem Aspekt kann man mit Recht davon reden das dies ein gesellschaftlich geschaffenes Konstrukt ist.

Letztlich und mit Sicherheit nicht durch die Gesellschaft zu beeinflussen ist aber der biologische Aspekt des Geschlechts. Hierzu zählen die Gonaden, die Genitalien, die Chromosomen, der Hormonhaushalt und letztlich das Gehirn. Im Gehirn scheint es eine feste Verschaltung des Körperempfindens zu geben. Ein männliches Gehirn erwartet einen männlichen Geschlechtskörper und ein weibliches Gehirn einen Weiblichen.

Etliche Beispiele in der Vergangenheit zeigen ganz eindeutig das die Erwartungshaltung an den Geschlechtskörper pränatal angelegt wird. Hierzu brauchen wir nur auf die Auswirkungen bei Intersexuellen schauen. Obwohl diese umwandelnden Operationen bereits sehr früh im Säuglingsalter erfolgen sind doch ein großer Teil hinterher mit dem ihnen zugewiesenem Geschlecht nicht einverstanden. Auch dieses Berühmte Experiment des Herrn Money bei zwei Zwillingsjungen, wobei einer aufgrund eines Unfalls zum genitalem Mädchen umoperiert wurde, zeigt recht eindrucksvoll dass das Verlangen nach dem passendem Geschlechtskörper nicht anerzogen werden kann.

Wir sehen an diese Ausführungen recht deutlich das Transsexualität eine Frage der Inkongruenz zwischen Gehirngeschlecht und Geschlechtskörper ist. Ganz im Gegensatz zum Transgenderismus wo es um die gesellschaftliche Rolle Mann und Frau geht. Ein Trangender ist mit seinem Geschlechtskörper im Einklang und er würde eine Genitalangleichung an sein gewünschtes soziales Geschlecht als seelische und körperliche Verstümmlung betrachten. Einem Transgender geht es um die gesellschaftliche Rolle. Eine transsexuelle Person wünscht sich nichts sehnlicher als das passende Genital und natürlich auch die gesellschaftliche Anerkennung in seinem Geschlecht.


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BeitragVerfasst: 5. Mär 2015, 23:20 
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Hallo Zusammen,
ja das Thema mit den Begriffen ist nicht so einfach....
und es kann Bauchweh machen weil so vieles so wild durcheinander gewürfelt wird.

Das Problem ist einfach zu benennen wenn man sich erlaubt klare Abgrenzungen zu benennen
ohne dabei in irgendeiner Form zu werten.

Es gibt Menschen die sich genau entgegengesetzt zu ihrem "Hebammengeschlecht empfinden",
es gibt Menschen die sich nur zum Teil entgegengesetzt zu ihrem "Hebammengeschlecht empfinden",
es gibt Menschen die sich eigentlich richtig in diesem "Hebammengeschlecht empfinden aber die Rollenerwartungen die dadurch an sie gestellt werden ablehnen",
es gibt Menschen die sich mit ihrem "Hebammengeschlecht richtig beschrieben fühlen" - und
es gibt Menschen die sich niemals fragen ob das ihnen zugewiesene "Hebammengeschlecht" wirklich richtig ist.

die letzten beiden sind relativ einfach zu benennen den beides wird als "cis" bezeichnet.
Bei den ersten drei Gruppen gibt es Unterschiede - die früher mal definiert waren heute aber meist verwischt werden.

Die wirkliche Kunst dabei ist aber eben "nicht zu Werten" sondern alles als "Gleichwertig" und trotzdem "unterschiedliches Bedeutend" stehen zu lassen.

Ja und dann sollte es eben danach gehen wer welche Bedürfnisse hat und wie man erreichen kann das Jeder entsprechend seiner Bedürfnisse in unserer Gesellschaft so frei wie möglich leben kann.

Brauchen Menschen die sich eigentlich mit ihrem zugewiesenem Hebammengeschlecht richtig fühlen, aber mit den daraus resultierenden Rollenerwartungen nicht zufrieden sind die Möglichkeit des "Geschlechtswechsels"? oder wäre diesen nicht eher damit geholfen das dieses "Rollenerwartungen" aufgeweicht und soweit geöffnet werden dass diese Menschen sich mit dem was nach einer Änderung bleibt wieder wohlfühlen?
Letzteres würde bedeuten das Emanzipation in beide Geschlechterrollen soweit einfließen sollte das die Rollenerwartungen so weit gestreut werden dass ein Mann zum Beispiel in Frauenkleidung unbehelligt auf die Straße gehen kann (nur ein Beispiel aber eines das sicher sehr viel ändern würde).

Brauchen Menschen die sich selbst "zwischen den Geschlechtern empfinden" wirklich die Abschaffung der Geschlechter? Oder würde da wie es ja auch für Intersexuelle langsam in Gang kommt ein Eintrag "kein Geschlecht" nicht reichen?

Diese Fragen halte ich für wesentlich Zielführender wie Forderungen die so nicht wirklich "realistisch sind".

Weil letztendlich ist das wirklich reale Problem aktuell das es Begutachtungen gibt die von "Fachleuten aus der Medizin" gemacht werden und das ein Beschluss über das TSG mit belastenden Begutachtungen (nicht alle aber viel zu oft) und enormen Kosten verbunden ist.
Das sollte verbessert werden - bald und real, nicht erst in wer weiß wie vielen Jahren wenn vielleicht mal eine andere Regierung zustande kommt.

Das ist nun meine ganz persönliche Sichtweise zur Thematik.

Liebe Grüße,
Frank


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 Betreff des Beitrags: Re: Hintergründe
BeitragVerfasst: 12. Mär 2015, 20:05 
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Der Begriff Transvestitismus "trans - hinüber / vestire - kleiden"wurde bereits vor über hundert Jahren von Magnuss Hirschfeld geprät. Obwohl die Bedeutung vermuten lässt das es sich dabei lediglich um das gegen geschlechtliche Kleiden handelt ist es doch für die Betroffenen weitaus mehr. Meist gehört dazu auch die Übernahme der sozialen Rolle.

Im Gegensatz zu Transgenderismus handelt es sich hier jedoch um eine zeitlich Begrenzte soziale Rollenübernahme. Transvestiten benötigen beide Rollen, sowohl die Männliche als auch die Weibliche. Demzufolge sind medizinische Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung nicht gewünscht.

Über den Hintergrund gibt es durchaus verschiedene Überlegungen. Auf der einen Seite wird vermutet das es sich um eine Unzufriedenheit mit der geschlechtlichen Rollenerwartung handelt. Andere vermuten das Geschlecht nicht binär ist. Es ist jedoch zu beachten das Geschlecht nicht nur aus der sozialen Rolle definiert ist, sondern vorrangig natürlich durch die Körperlichkeit.


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