allgemeine Vor-Überlegungen zum Thema Outing

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Re: allgemeine Vor-Überlegungen zum Thema Outing

Beitrag von seerose » 9. Dez 2016, 23:02

Trischa_ hat geschrieben:Ansonsten finde ich folgenden Artikel nicht schlecht:
http://everydayfeminism.com/2015/04/myt ... ansexuals/

Der empfohlene Artikel erscheint mir eher als Lächerlichmachung und vermeintliche Unmöglichkeit, als ehemalige Transsexuelle dauerhaft erfolgreich leben zu können. Dies widerspricht aber meinen langjährigen eigenen Stealth-Lebenserfahrungen fundamental, und ich kenne auch keine nicht zuvor als "Promi-Person" öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getretene oder später aufgebaute "proud-about and laude"-Person, die wirklich sozial akzeptiert und integriert leben kann; ist das wirklich so erreichbar und damit erstrebenswert?!

Re: allgemeine Vor-Überlegungen zum Thema Outing

Beitrag von tilly » 5. Nov 2016, 23:05

Hallo,

ich denke auch, dass es nie allgemeingültige Regeln und Anleitungen geben kann wie ein Outing am besten zu bewerkstelligen ist. Dazu sind die persönlichen Umstände viel zu individuell.
Und ganz klar, steht vor einem Outing erst einmal ein Prozess der Selbstfindung der in vielen Fällen echt nicht einfach ist und sehr viel innere Kraft kostet.
Es ist ja echt nicht alltäglich das eigene Geschlecht in Frage zu stellen um dann die Erkenntnis zu erlangen, dass es falsch ist, und man das bisherige Leben unter falschem Vorzeichen führte.

Und ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Outings, zuerst im Familienkreis, und nach und nach immer weiter erinnern, an die Angst und Unsicherheit und auch an die schönen Momente als es endlich heraus war.
Es ist auch leider bei vielen Menschen nicht genau vorhersehbar wie sie reagieren werden, da hatte ich so manche Überraschung erlebt.
Insgesamt aber es war für mich weitaus besser nicht mehr mich selbst, und damit auch andere Menschen zu belügen!

Mit liebem Gruß Tilly

Re: allgemeine Vor-Überlegungen zum Thema Outing

Beitrag von Trischa_ » 5. Nov 2016, 22:31

Es wird hier so viele unterschiedliche Antworten wie Menschen geben. Frei nach Kim Schicklang geht es bei Transsexuellen auch viel weniger um ein Outing, sondern ein sich selbst vergewissern, ein "Inting".
Ferner denke ich, dass auch jede Generation vor neuen Vor-Überlegungen steht. Es gibt nicht den einen Kardinalsweg, wenn man transsexuell ist, und diese Transsexualität sagt auch nichts über das eigentliche Mensch-sein aus.


Ansonsten finde ich folgenden Artikel nicht schlecht:
http://everydayfeminism.com/2015/04/myt ... ansexuals/

allgemeine Vor-Überlegungen zum Thema Outing

Beitrag von seerose » 5. Nov 2016, 19:37

Das Thema beinhaltet sehr verschiedene Bezüge, die man sich rechtzeitig vor einem Outing -in welcher Form auch immer- klarmachen sollte.
Da wäre zunächst einmal der Selbstklärungs-Prozeß zu benennen, der abhängig davon, wie weit man in seinem bisherigen Leben sein wahres Ich verdrängt, überformt und in welcher Weise und Intensität auch immer beeinträchtigt hat/war, die die Ermöglichung eines Herauskommens des wahren eigenen Ichs strukturell mehr oder weniger verhindern, es sei denn, man hat sich dazu entschlossen, gegen diese Hindernisse, und seien sie noch so groß, unbeirrt und klug Schritt für Schritt vorzugehen, möglichst unter Einbeziehung seines sozialen Nahfeldes (Familie, Eltern, Geschwister, Partner, Freunde).
Die erste Frage, die jeder nur für sich klären kann ist die nach dem/den bedeutsamen Anderen: wer aus meinem sozialen Nahfeld hat für mich welche Bedeutung? Wie wichtig ist mir dessen/deren Unterstützung bei meinem Outing? Wie wird deren vermutliche Reaktion ausfallen? Welche Möglichkeiten habe ich, das Gespräch/die Gespräche zu meinem Outing für mich möglichst wünschenswert zu gestalten, z.B. durch die innere Vorwegnahme bestimmter Gesprächsverläufe und -entwicklungen.
Für jedes Outing gilt, daß es sich zwar verändern, aber nicht wieder rückgängig machen läßt, als hätte es dieses niemals gegeben. U.a. diese Konsequenz führt viele Menschen mit transsexuellem Hintergrund dazu, ihr neues Leben so weit als möglich "stealth", d.h. in Bezug auf die Vergangenheit im "Tarnmodus" zu leben, was natürlich die Verfügbarkeit gewisser struktureller Ressourcen voraussetzt.
Die Unterstützung durch eine Gemeinschaft von Menschen mit vergleichbarem Lebensschicksal kann für das Outing, und die sich darauf aufbauenden weiteren Schritte einer neuen Lebensgestaltung sehr positiv auswirken. Andererseits bewegen wir uns als Menschen in sehr unterschiedlichen sozialen Kontexten, und diese Hilfe kann konkret immer nur direkt in dieser Gemeinschaft erfahren werden.
Die Bewältigung des für jeden Menschen individuellen sozialen Alltags ist eine Leistung, die vom Einzelnen umgesetzt werden muß. Da kann es bisweilen verlockend sein, sich möglichst oft und intensiv im "geschützten Raum" aufzuhalten. Der "geschützte Raum" ersetzt allerdings nicht die unerläßliche Begegnung mit der Realität im konkreten sozialen Alltag. Insofern ist es immer eine Gratwanderung zwischen "geschütztem Raum" einerseits, "stealth"-Leben vs. völlig offenem Outing im sozialen Alltag andererseits.
Die Abklärung, was wem gemäß die naheliegende Lebensform ist, muß und kann nur jeder Mensch für sich selbst entscheiden!

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